Ein Schritt, noch ein Schritt, dann auch mal zwei zurück aber trotzdem weiterhin im Vorwärtsgang bewegte ich mich durch die Strassen Münchens. Das Gefühl war aber an diesem Samstag, ein Tag vor meiner Abfahrt eher eins, welches einem nur im eckigen, im kantigen Viereck führte. Alles ja so gesehen kein wirklich dramatisches Problem, mit Schnee und noch mehr Schnee in den Schuhen rutschend, ins Gesicht peitschend, die Kleidung nässend, dachte ich mir so beim Durchschreiten der Strassen dieser Stadt, denn der Tag darauf versprach mir ein Umschwung, ein neues Gefühl, andere, warme Eindrücke. So dachte ich mir es. So malte ich es mir aus. Besorgte mir schnell noch eine neue Zahnbürste mit harter Burste zum wohligen Zähneputzen in Berlin. Den Abend noch gut und schön was zu Abend essen gegangen mit netter Begleitung, auch sehr Früh das Schlafgemach aufgesucht, um den Folgetag in hoher Erwartung zu erwarten und an diesem rechtzeitig zu erwachen. Der Vormittag des Sonntags war recht unsonnig und unterkühlt. Wieder ein Schritt nach und nach, zwei Schritte diesmal folgend durchschritt ich diese Stadt bis zum Bahnsteig. Ein Zug stand noch auf dem Gleis. Dieser Zug fuhr pünktlich und fast zeitgleich fuhr der Zug ein, denn ich für mich mit nutzte, um Berlin zu erreichen. Sonne wartete an dem Tag auf mich. Ich freute mich mit hoffnungsvoller Freude auf die abendlichen Sonnenstrahlen, die auf mich einzustrahlen versprachen. Reingesprungen in jenen Zug, meinen reservierten Platz folgend platzierend mit kleinen Umständen, denn ich war vollgepackt mit Gepäck und mein Nachbarplatz war ebenso schon platziert von einem netten älteren Herr, der später sogar sich seine Brote aus seinem Gepäck nahm, auspackte, diese aß und sonst auch ruhig in seiner Abendzeitung blätterte, und dann Schlaraffenland ausgepackt, fehlten nur noch knapp sechs Stunden, die ersehnte Stadt zu erreichen. Ich tanz das Z.N.S. und der Himmel öffnete sich, die Wiesen waren Schneeleer und die Fahrt ging weiter und weiter. Eine ruhige Reise mit der Bahn. Der Herr setzte sich dann entschuldigend, aber sehr leib gemeint auf einen anderen Platz, für unseren gemeinsamen Freiraum, der dann jeder für sich in Anspruch nehmen konnte. Wissen sie, wo der Speisewagen ist? Der Herr wollte Kaffee, brauchte Kaffee, ich schickte ihn in die richtige Richtung, er bekam sein Kaffee, ich trank meine fruchtige Mischung, Schorle mit Frucht, nicht nur Apfel. Der Herr stieg in Leipzig aus, er verabschiedete sich höfflich. War zu erwarten. Wie wir dann so Leipzig erreichten kam der Regen, der leichte Schnee und aus Berlin wurde mir gleich berichtet, berichtet vom Schneetreiben und dass keine Sonne mehr am Himmel spazierend wandert. Und der Zug wurde voll, viele, viele Leute stiegen ein, so auch eine junge Dame, die sich neben mir platzierte. Ich half ihr beim Koffer, diesen nach oben in die Ablage zu hieven. Sie bedankte sich, entschuldigte sich und entschuldigte sich. Ich weiß nicht wieso, denn der Koffer war schwer und es war schon ne Selbstverständlichkeit, auch wenn es ein Herr gewesen wäre, der Koffer war schwer. Sie saß mit dicker Jacke neben mir, es fröstelte mich. Sie telefonierte, die Sprache verstand ich nicht, den noch immer oder wieder hörte ich Musik. Zusammen ergab es eine Mischung aus telefonierter Musik. Es kam eine Wolke an Geruch vorbei, welche mich erschrecken ließ. Sie hatte argen Mundgeruch. Sehr stark sogar. Mir war, als ob der ganze Zug vollgefüllt wurde. Es roch, wie ich mich auch drehte und wendete. Man konnte dem flüchten. Sie spielte mit ihrem Apfelspielbrett Tetris. Es wurde kälter und kälter, das Schneetreiben wurde stärker und stärker. Die erhoffte Sonne ward nicht da, nicht in Berlin. Nur Schnee, Neuschnee und Schmelze. In meiner unterkunft wurde ich schon erwartet, tranken zusammen einen Kaffee, Tee, sprahcen, redeten über dies und das. Standen auf dem Balkon, beobachteten das Wetter. Kein Frühling, keine Wärme. Später auch noch kurz das Broschek aufgesucht und auch nichts weiter, als ein Bier getrunken.
Der nächste Tag, die Sonne kam heraus, es blieb kalt. Da lief ich so umher, durch die Stadt, durch Kreuzberg, kaufte mir was zum Frühstück, eine Packung Kaffee, kümmerte mich um dieses und jenes, ohne wirklich was genaueres geplant zu haben. Eigentlich nichts gemacht. Am Nachmittag noch nen netten Spaziergang durch Neukölln. Also ein Tag dem anderen folgend, ähnlich in dem was getan, erlebt wurde von mir. Je länger ich warte, desto verschwommener, unklarer, unpräziser sind die Erinnerungen an die Tage, an die schönen, während meines Aufenthalts in Berlin. Ja, ich ging spazieren, kaufte mal ein, besuchte meinen Eltern, hatte Begegnungen von mysteriöser Art. Auch waren einige Abend lang, ja, lang waren sie. Da mal was getrunken, hier mal was gequatscht, geplaudert. Der Donnerstag, dieser Tag war der erste warme, den ich in dieser Stadt erleben durfte während meines Aufenthalts. Es war schön und warm, ich saß im Arbeitszimmer, auf der Matratze (die ich übrigens auch ins Zimmer vom Einkaufsladen trug, extra für mich frisch eingekauft), auf der ich des Nächtens schlief, sah den warmen Tag, den Sonnenschein von innen, von dem Arbeitszimmer. Ich saß da und machte grafische Arbeiten, nur zum Spaß. Neuerdings erklangen Jazzklänge in der Wohnung, die noch nie zuvor so erklangen. Aber so war es und dann der Abend danach, ein Abend in Lichtenberg, ein Abend mit langer Unterhaltung in lichtenberger Frühjahrsluft, durchtränkt von Hundekackegeruch am Fußsteigrand, von Bierflaschengescheppere aus vielen Ecken, Jungendlichen auf den Strassen sich bewegend und laut kommunizierend. So ein erster Frühjahrsgeruch, so eine erste Frühjahrsgeräuschkulisse. Das alles und viel mehr war dann da und auch wieder gleich versteckt. Aber es fühlte sich gut an, vertraut, es lies das Herz pochen. Auch gerade den Abend zuvor mit Freunden durch Kneipen Neuköllns gezogen zu sein, ein Bierchen dem anderen folgend verschlungen. Eine schöne Vertrautheit spürte ich aufkommen. Jawohl, so war es. Und ich vermisse es.
Am Samstag war es dann endlich soweit, die Buchmesse, Leipzig, das Durchwandern riesiger Hallen riefen uns früh und ließen uns rechtzeitig aus dem Bett, aus dem wohlbehüteten Schlafe springen, auf den kahlen, kalten Bahnhof den erstbesten Zug in aller herrgottsfrühe nehmen. Wir waren da, waren aber nicht die ersten, nicht die einzigen, die diesen Gedanken hegten.Nach und nach wurden es immer mehr, mehr und mehr. Sie waren da, sahen den Zug und siegten über die Plätze. Es waren diese Kinder, die für wohl freien Eintritt, nach Leipzig, zur Buchmesse ebenso wollten und dies auch taten. Wir ergatterten nur noch Stehplätze, Treppensitzplätze. Aber umzingelt von diesen Kindern in Schminke in Kostümen, umzingelt von diesen sogenannten Cosplayern, Manga-Fanatikern. Sie standen, sprangen, liefen durcheinander, selbst im Zug, sangen, lasen, unterhielten nicht nur sich ,sondern den ganzen Zug, die Bahn, die Fahrt, alle. Und sie schminkten sich, überall, in jeder Ecke. Meine Jacke, die ganze Zeit klebte mir so ein verschminktes Gesicht an meiner Jacke. Ich dachte, ich spürte es. Das wirklich unheimliche, komische war ja doch, dass keiner, aber wirklich keiner der verkleideten Kindern es raus hatten, sich so gut kleideten, schminkten, dass es einen weggehauen hätte. Nein, im Gegenteil, sie waren alle unspektakulär, zum Teil auch wirklich unansehbar. Die hätte ich so nie und nimmer irgendwo für frei, geschweige denn überhaupt reingelassen. Es war wie bei einem Oldtimertreffen mit nur alten Leuten ohne deren schicken Autos, wie bei einer Kaninchenausstellung ohne Kaninchen, wie bei einem Kaffeekränzchen ohne jeglichem Kaffee. Schade, konnten wir nur sagen, zeigen, verlautbaren. Beim Zugwechsel nach Leipzig stiegen dann sogar noch Fans von Dynamo Dresden zu. Da haben wir uns schon alle heftig bewaffnet, denn es hätte echt ins Auge gehen können. Aber nichts, gar nicht passierte. Der Zug war zwar voll, niemand konnte mehr zusteigen, ich konnte sogar einer aufgeregten Dame, die nicht mehr einteigen konnte, von deren Lippen ablesen, dass sie nur sagte Scheiß Buchmesse! und somit auch keiner in der Lage war sich zu bewegen, besaßen unserer Meinung nach diese Fans einfach Angst, den diese Cosplayer konnten vielleicht zaubern, einen verzaubern, verhexen, ich hatte da auch so meine Befürchtungen. Oh, wie toll, verhexte Dynamofans. Hmmm. Es hätte soviel passieren können. Es hätte Sterne funkeln können, diese Kid hätten ihre Besen, Stäbe, was auch immer schwingen, in die Höhe halten, einen Zauberspruch loslassen und die Welt verändern können. Stattdessen regnete es, bei unserer Ankunft und die Cosplayer wurden ebenso nass, deren Schminke verlief und sie waren entzaubert vom Regen. Unbeirrt dessen, liefen doch zur Messe, in die heiligen Bücherhallen. An jeder Ecke saßen diese Cosplayer, Kinder und leckten sich ihre Wunden, ihre Regenwunden.

Unsere kleine Gruppe, unsere Fünfergruppe teilte sich auf, wir liefen alle durch die Hallen, liefen bis auch unsere wunden beinah Blut leckten und schmerzen wollten. Von einem Stand zum nächsten, wieder zurück, dann nach links, nach rechts, schnell noch nen Buch zur Hand genommen, wieder zurückgestellt, dann nach Stunden ne kurze Rast gemacht, verärgert über diese Intoleranz gegenüber sich Vegan (selbst die Rechtschreibprüfung kennt dieses Wort nicht) und sogar vegetarisch ernährenden Besuchern, dann schnell noch nen Freund abgeholt und weiter, weiter und weiter durch die Bücher, die Messe, zwischen diesen Kindern in Verkleidung. Das war Aufregend, das war Einzigartig, das war körperliche Anstrengung. Dem Benjamin, dem von Stuckrad-Barre beigewohnt, aber schnell wieder abgegangen. Es war nichts, nicht worüber wir hätten lachen könne, was uns worttechnisch erfüllt hätte. Nein, das war es definitiv nicht. Doch dann war noch Ahne, dem bei seiner Lesung im Berliner Zimmer (ach, wie es mich so erfreute, so ein Zimmer auf der Messe, auf der Buchmesse ausfindig machen zu können) zugehört, -geschaut und sich von ihm auch amüsieren zu lassen. Ja, schön war es doch, ein netter, erfolgreicher Abschluss.
Soweit die Messe, wir suchten aber noch die Stadt auf. Noch schnell ein paar Freunde, Übersetzer vor den Hallen aufgesammelt, vor den Mangaleichen rechtzeitig abgefangen suchten wir in der Stadt einen Platz, Plätzchen zum essen. Wir fuhren und fuhren mit der Bahn, der Straßenbahn von Leipzig, durch Leipzig, endlos. Bis wir dann doch ein feines Restaurant aufsuchten und essen konnten, was uns die Welt so bietet. Vom griechischen Mahl über typisch italienische Gerichte bis hin zu Indischen Spezialitäten, es war alles dabei, alles bestellbar, vor Ort einnehmbar, auch lieferbar, nur nicht nach Berlin oder gar München. Wir stopften uns voll, eine russische oder auch bulgarische Bedienung brachte uns die Spezialitäten des Hauses, der Welt, von Leipzig. Sie bediente allein und wir aßen und tranken in guter Atmosphäre, im Herzen Leipzigs, zu weltlicher Speis, alkoholischen Trank, mit internationalen Freunden, mit kaputten Knochen, abgelesenen Äuglein, ermüdeten Schultern. Es war schön, einfach nur schön, auch lustig, sehr lustig.
Da mussten wir dann auch schon wieder los, in die Hauptstadt, gerade dann, wie es doch so lustig war. Somit auf dem großen Bahnhof zu Leipzig ein paar Bier für die Fahrt besorgt und schwups saßen wir dann wieder im Zug, auf der fahrt zurück nach Berlin, mit anderen kleinen Kindern, ungeschminkten, halbstarken, stark alkoholisierten, die da noch sangen oder es eher versuchten mit dem deutschen HipHop aus ihrem Mobiltelefon erklingenden, mehr kreischenden Gesang. Es war schmerzhaft, bis hin nicht zu ertragen. Beim Umstieg in die nächste Bahn vermieden alle Mitreisenden diese Kinder. Keiner wollte mit denen im gleichen Wagon sitzen. Wir suchten ebenso einen anderen Wagon aus. Da waren aber andere Kinder, die ebenso singen mussten. Aber diesmal ohne Mobiltelefon, aus freien Stücken. Als wenn sie gerade zu nem Casting für eine Talentsucheschau vorsingen wollen würden. Sie waren nicht gut, aber sie waren lustig und alles kniete nieder vor der Hauptstadt. Wir waren müde, schliefen fast alle, freuten uns mit diesen Kindern. In Leipzig war was los, da ging was, wir schliefen fest und wohlbehütet in Berlin.
Am Tag danach war noch ein kurzes Frühstück angesagt und Berlin in den letzten Zügen zu genießen. Denn am Tag danach war die Reise nach München wieder von mir aufzunehmen. Ich tat es. Ich fuhr. Eine weitere Fahrt mit nem Zug. Die Fahrt war ruhig, habe viel gelesen, den neuen Clemens, den neuen Meyer reinziehend erwartete mich wieder München. Doch kurz vor München kamen diese Leute, diese in Zivil. Ich wurde durchsucht. Keine Waffen, keine Drogen, nur den Clemens, den Meyer dabei. Niemand sonst wurde durchsucht, durchsucht auf Waffen, auf Drogen im Großraumabteil. Nur den neuen Meyer hatte ich dabei. Ich fühlte mich Willkommen, gegrüßt von Bayern, wideraufgenommen.
So war es dann auch vorbei, die Woche in Berlin, der Ausritt nach Leipzig, die Widerankunft in München. Nun sind es mehr als zwei Wochen her. Eine Reise hin und her und wieder zurück.