Einen kurzen Neueintrag nach langer Zeit, nach einer Sommerpause

Nun sind die Tage verstrichen, viel ist geschehen und trotzdem lässt sich soviel doch nicht ändern. Vor gut zwei Monaten baute man große Holzhütten vor meinem Fenster auf diese große brachliegende Fläche, vor wenigen Wochen begannen die Aufbauarbeiten der Vergnügungsmaschinen, auch genannten Fahrgeschäfte neben den Hütten (für den Begriffe Zelte sind mir die dann doch ein wenig zu groß) und letzte Woche erst baute man noch einige Holzbuden dazu, um dann nur wieder teuer gekleidete Leute zusammenzubringen und sie in riesiger Massenansammlung dem Saufen hingeben zu lassen.  Es gleicht einer freiwilligen Abgabe seiner eigenen Würde, hauptsache man kann sich mal so richtig dreckig die Seele rausschreien, die Leiber mit Flüssigkeiten, Essensreste besudeln und durch die Strassen verkleidet torkeln, ohne dass gleich einem Handschellen angelegt werden.

Vielleicht ist das ja auch immer wieder die Ausrede per se für die Massentierhaltung, wenn es halt diese Leute mit sich selbst anstellen, warum dann nicht auch den Tieren eine große Halle bieten und sie in der Masse vor sich hin vegetieren lassen?

Aber eigentlich versuche ich mich da raus zu halten, denn die sollen das machen und mich auch in Ruhe lassen, was denen meines Erachtens nie so recht gelingt.

Die Musik läuft schon. Die Blasmusik bläst.  Das Essen dampft. Der Geruch weht herüber. Ich esse meine frisch aufgewärmte Pasta, dazu einen Morgentee mir gereicht. Die Sonne erwärmt noch die ganze Gegend. Der Ansturm stürmt die Zelte, Hütten, die Lagerhallen. Es lärmt herüber und einige machen dann auch noch das große Geld damit. So ist es halt. Jetzt nehme ich mir ne Zeitung und lese mal lieber was so in der Welt außerhalb von diesem kleinen Kosmos geschieht.

Ein Sommer, der am Ende steht und doch erst anfängt, denn eine jede Nacht ist länger als die, die eine Nacht zuvor war.

Da brauch man ja gar nicht weiter drüber berichten, über die Temperaturen, die Jahreszeit, das Klima, denn spätestens in drei Monaten war es dann doch keine richtige Jahrszeit für den größeren Prozentsatz der Jahreszeitenempfindsamen, wie schon zuvor, der Frühling. Dann laufen auch noch so viele, also wirklich viele mit den Flaggen im Rücken, auf der Schulter, an den äußeren Seitenspiegeln und auf den Motorhauben ihrer Karren überzogen, mit abwaschbarer Farbe in der Dreier-Kombination in die Fressen gepinselt, geschmiert, verteilt. Toll, ja wirklich toll ist es, wenn man alle vier Jahre Fußballfan ist, als Profi über alles genau bescheid weiß und eigentlich der bessere Trainer wäre. Südafrika wird verlieren, verlieren in allen Distanzen, denn was kann so ein Land schon gegen die Macht der Vereinigung des Fußballs, die eigentliche Sponsorengemeinschaft machen, außer Geld auszugeben.  Alle großartigen Fußballfans in der Vierjahresrhythmik werden gebrannt, denn ganzen lieben langen Tag lang. So viel Drei-ds wurden mir noch nie um die Augen gehauen. Langsam könnte man ja auch mal wieder im goldenen M für ein gutes Mahl einkehren. Gerade die großen alten Fußballer, deren Fans wir schon lange nicht mehr sind sitzen ja eben auch in einem dieser wenigen Lokalen mit dem gebogenem Großbuchstaben und philosophieren über das Leben von heute und gestern und essen dazu noch schlemmerhaft. Ach, wie ich das doch so sehr liebe. Mein Balkongrünzeug hängt von der hohen Sonnenstrahldosis doch wieder ein wenig. Sie werden gleich gewässert von mir eigens. Die brauchen keinen runden Ball, keine Boulette in nem Weißbrotbrötchen eingeschlagen zum Überleben, nur ein wenig Wasser, nett gemeinte, liebevolle Zuneigung und Blattlausentfernente Mittel.

Manchmal frage ich mich so Sachen, Sachen die ich mich immer mal fragen muss, denn sonst würde ich sie mir nicht so einfach fragen. Wie auch gestern wieder, bei meinem Weg zum Laden auf dem Münchener Hauptbahnhof für ein Liter an Milch zu nem Sonntag wie mir mein Brillenetuie durchsucht wurde. Dürfen die das, wozu tun die das, wer gibt denen die Befugnis mich auf irgendwas zu durchsuchen, sich lustig über meine Geburtsstadt zu machen und die Kaugummis in meiner Tasche auszuschütten? Ich hätte mich auch wehren können, hätte meines Weges weiter schreiten können, aber wenn mir einer sein komisch grün angestrichenen Ausweis der Ordnungshüterei vor die Nase hält, bleibt man erst einmal aus lauter Irritiertheit stehen. Bin ich nun hier in Bayern einem Polizeistaatlichen Bundesland gefangen? Haben so manche Zivilpolis Langeweile? Hilft dieses Verhalten wirklich und dient es der allgemeinen Sicherheit? Ich meiner Seite fühle mich durch solche Aktionen unsicher, auch schon recht arg  eingeschränkt meines freien Bewegens und mag gar nicht ausmalen, wie es ist, wenn man selber dem Verein angehört.

Meine Theorie ist ja eigentlich die, dass ich zu sehr danach aussehe keiner Fliege was zu leide tun zu können und da kann man sich ja mal als krimineller Untersucher trauen ohne gleich ne heftige Diskussion vom Zaune zu brechen.

Also danke lieber Staat für diese doch so großartige Sorgfaltspflicht mich als potentiellen Kriminellen am Bahnhof zu München zu verfolgen, wie bestellt und nichts gefunden. Das macht mich Glücklich und es lässt mich so Sicher fühlen. Das lieb ich auch, fast noch mehr. Hinzu war es ja auch so Real, so richtig echtes drei-D. Besser kann TV gar nicht sein. Denn ne echte Kriminellensucherhand in der eigenen Tasche zu stecken gehabt haben ist doch voll mehr drei-D, denn was eine TV-Übertragung, ein Avatarischer Schinken in nem Großleinwandigen Mehrpersonenraum zu bieten hat, bieten kann.

München – Praha – München – Berlin – Fahrten hin und her, vor und zurück, hoch und runter (ein weiterer Reisebericht)

Es regnete später, der Zug stand schon heut morgen bereit. Die Türen ließen sich nicht öffnen, der Kaffee war noch frisch und demnach auch heiß. Leute warteten, warteten auf ihre Fahrt nach Hamburg, in die Richtung, auf den Einstieg  und ich mit ihnen mit, ich wartete auch nur darauf später wider umzusteigen, einen anderen Weg einzuschlagen, nach Berlin zu reisen. Einfach weiter reisen, des Reisens wegen, um andere  zu besuchen, freie Tage zu nutzen.

Erst aber wieder angereist, angekommen aus Praha und dann auch mal wieder weiter. Die Wege nach Praha waren angerostet, eingefallen, spannend. Plzen zehrte uns alle raus der Bahn. – Change, change! – Zuvor eine ältere Dame, die die Abteiltür aufriss – der Zug endet hier, alles muss raus -. Sie war übereifrig, wollte behilflich sein, aber war dabei eher unbeholfen, rabiat, unschön. Auch die Sonne schien nicht. Wir wollten sitzen bleiben, hatten für eine direkte Verbindung diese Bahn genommen, waren angefressen vom Redefluss eines Bajuwaren, der zuvor noch im Abteil saß, einer jungen Filmprduktions-BWLerIn die Welt erklärte, mit nem anderen Bajuwaren sich lustig machte über alle anderen Nichtbajuwaren und der sein Bier anhimmelte (seiner leichten Gesichtsröte nach zu urteilen, konnte man sich sein Saufgelage deutlich vorstellen), der aber glücklicher Weise mit den anderen beiden doch früher, vor dem Grenzübertritt ausstieg. Die Freude war groß, der Tag gerettet. Nun war aber dann doch der Ausstieg in Plzen. – Change! Alles muss raus! -Der andere, der tschechische, der ehemalige DDR-Zug fuhr auf einem anderen Gleis ein. Nur Touristen, fast nur deutsche Touristen standen am Bahnsteig, bei dem Rost an den Zäunen, neben dem Putz, abgebröckelt von den Fassaden, hinter der interessant wirkenden Kulisse einer alten Stadt mit guter Braukunst. Der Zug fuhr ein, alles stürmte, die Rucksäcke der Touristen wackelten hin und her auf deren Rücken, die Koffer rollten springend auf dem Bahnsteig, die Leute sprachen durcheinander fast nur in deutsch. Es war ja auch Feiertag, ein Tag für eine Gelegenheit zum Betrinken, zum Feiern mal nicht Daheim. So sah es dann auch aus. Der Zug füllte sich schnell und unübersichtlich. Es saßen schon Leute drin. Sie saßen brav und waren am pendeln. Die Deutschen stiegen ein, schrien sich an, blieben in den Gängen stehen und ein jeder trank aus einer Dose, Flasche Bier, gutes Bier aus Plzen. Besoffen, betrunken lärmten sie, machten sich verbal breit im Zug, in der tschechischen Eisenbahn. Keine Freude war bei dem Anblick zu verspüren.  Die Flaschen flogen auf den Boden, das Bier floss die Gänge entlang, Amerikaner standen am geöffneten Fenster und unterhielten sich über Gott und die Welt. Praha sollte nur noch eine Fahrstunde entfernt sein, es waren aber zwei und noch was dazu. Die Stadt empfing uns. Die Unterkunft war schick, versehen mit goldenen Gardinenstangen, nem kleinen, netten Kronleuchter, Mucha-Reproduktionen an den Wänden. Die griechische Botschaft war gleich um der Ecke und der Polizeischutz stand dabei. Mit den Straßenbahnen, die direkt in der Nähe ein Halt hatten,  konnten wir in die Stadt, in die Höhle des Touristenlöwen fahren, aber auch in die anderen, interessanteren Bezirke Prahas. Deutsche Touristen wo man stand, wo man ging, wo man verweilte. Deutsche Touristen lachten über Geschäfte (-Giftshop, haha, die verkaufen Gift. – sprach die Frau, um die sechsundvierzig in einer dunklen mit gelben Streifen versehenen Wolfhautjacke zu ihrem Mann in einer dunklen und braunen Streifen versehenen Wolfshautjacke eingepackt, um die achtundvierzig neben ihr her schlenderte, der daraufhin erwiderte: – Ja, haha. – in einem tief irgendwas deutschen Dialekt.) Junge Damen checkten mal schnell so einige Boutiquen aus. Mit der Innenstadt hatten wir uns kaum anfreunden können, somit ging es weit ab vom Trubel, in die Gegenden, wo man sich so halbwegs mit Englisch durchschlagen konnte, wo die Häuser aussahen, wie sie aussehen, wenn gewohnt wird, wenn die Stadt lebt. Ja ja, ein Ecke die gefiel und noch gefällt, für gutes Essen, viele kleine Dinge, für den Einblick in eine andere Stadt.

Die wenigen, drei, vier Tage waren bedauerlicher Weise viel zu schnell vergangen und Praha war schnell wieder weit, weit in der Vergangenheit.  Diese Stadt ist aber immer wieder eine Reise wert, obwohl mein letzter Besuch schon fast dreizehn Jahre zurück lag, zu diesem Besuch. Ein Ort zum Entspannen. Nur nicht die Innenstadt.

Naja, da war dann schnell mal wieder München aufgesucht mit einer lustigen Rückfahrt, bei der zwei Fensterplätze reserviert im Abteil ab Praha vor sich hin leer, unbesetzt blieben, lagen. Einige Tschechen wollten sich da platzieren, aber just im Moment, wie sie erfuhren, dass diese Plätze reserviert seien, gingen sie auch schon weiter, ohne Stress, ohne Probleme, ohne sich aufzuregen, dass sich keiner da platzierte. Eine ältere Dame mit ihrer möglichen Tochter setzen sich aber trotzdem, nach dem wir schon so einige Stationen abfuhren. Alles war recht entspannt, die eine Hälfte sprach tschechisch die andere deutsch. Eine Mutter mit ihrem Sohn setzte sich in den Gang. Sie schliefen recht schnell ein, beide ans Fenster gelehnt. Tiefschlaf. Wir erreichten Plzen, die Mutter sprang auf, rannte verschlafen los, weiter, der Junge griff nach ihrer Hand, rief ihr hinterher. Sie ließ ihn allein da sitzen, er sprang aber noch hinterher. Erst dachte ich sie wollte aussteigen, alles verlassen, doch sie setzte sich nur in ein Abteil, auf die Sitzbank, der Junge neben ihr. Überraschung, alles noch gut gelaufen. Der Junge blieb weiter mit der Mama.

Doch unser Abteil wurde bevölkert von neuen deutschen Fahrgästen. Er trug ein rotes Hemd, dass ein wenig zu kurz war um die Bauchgegend, dass dieser hervorschimmerte. Sie trug eine Bierdose in den Händen. Beide verkündeten laut, dass sie die Platzier seien, sie die Plätze reserviert haben. Er versuchte die Koffer abzulegen, auf, unter, neben meinem Rucksack. Sie rief nach Luft. –Oh, ist das stickig und warm hier, da muss man die Fenster mal öffnen. – Sie versuchte im Gang, im Abteil eine Fensteröffnungsaktion. – Die gehen ja gar nicht auf, die gehen überhaupt nicht zu öffnen. Wir ersticken! – Sie zehrte, sie riss, sie versuchte alles, um diese Fenster zu öffnen, die Dose Bier vorsichtshalber schon mal abgestellt. Er kümmerte sich um die Koffer, legte diese in die Kofferablage, mein Rucksack auf deren roten Koffer. Er half ihr nicht, schaute nur zu und sie sprang diese Fenster förmlich an. Ihr Bier stand in der Dose auf dem Fenstertisch. Er steckte sich gleich unverzüglich Ohrkopfstecker seines mp-3s in die Ohren, auf dass er sie nicht mehr ertragen musste. Später tat sie dem gleiches und war überrascht worden, von der Aggressivität in der Musik der Scorpions. Viele Fahrstunden später, nachdem sie ihre Augen geschlossen daher saß, tippte er sie an, um was ihr zu berichten, zu fragen, einfach zu sagen, da schrie sie auf und war wie von einer Hornisse gestochen. Die Scorpionsaggressivität sprang auf sie über und steigerte sich zu einer höheren unangenehmeren in ihr. Ihr war kalt, die Fenster blieben geschlossen. Dann kurz vor München schrie sie ihn regelrecht an: – Wir steigen früher aus! Vom Hauptbahnhof wieder durch die Stadt will ich nicht. Das dauert zu lang. – Sie stiegen mit recht freundlicher Verabschiedung aus, das Abteil wurde leer, wir saßen unbeobachtet, allein, im halbdunkeln da und hatten noch ein paar wenige Fahrminuten unser Abteil.

München war kalt, arbeitsam, voll Hektik, ohne Rast. Nur zwei Tage blieben mir vor Ort, um wieder dieses zu verlassen. So tat ich es und der frühe Zug stand noch geschlossen am Bahnsteig, auf dem Gleis. Wenige Minuten mussten die Leute und ich warten. Alles stieg ein, mein Sitznachbar hatte Probleme mit seinem Rechner.  Der Getränkeverkaufsmann lächelte unabänderlich vor sich hin, verkaufte heiße Getränke an ältere Damen für unhöfflich hohe Preise. Und er lächelte weiter. Der Regen setzte ein, mein Umstieg in Nürnberg war knapp bemessen und verregnet, sehr sogar. Im Zug nach Berlin schlief ich gut und gern lang und die Dame neben mir sitzend, in Leipzig zugestiegen, tippte mich an, damit sie mal die Örtlichkeiten aufsuchen, also an mir vorbei konnte. Ich erschrak, sprang aus meinem Tiefschlaf und ließ sie durch. Wir sprachen dann noch darüber, wer wo hin reise und dass es doch immer wieder eine ganz aufregende Sache wäre, umzusteigen. Südkreuz erreicht, stieg ich aus, sah ein Filmteam am Filmen auf dem Bahnsteig, komisch dreinschauende Leute, Menschen mit Bierflasche in den Händen am U-Bahnsteig auf und ab laufend, wie Katzentier in einem Tierpark.  Alles lief langsamer, die Uhren, die Leute, der Verkehr.  Die Wärme brach gestern, heute auf alle ein, erzeugte am Abend gestern in der Mischung von Feuchtigkeit des ausgesetzten Regens Nebel.

Mein Aufenthalt in Berlin wird wohl mit warmer Luft, nun einbrechender Sommerlichkeit begleitet. Ich bin da und werde bleiben bis ich wieder fahre.

Ein Sprung, eine Fahrt aus der eigenen Haut

So würde ich es gerade tun, würde gern springen aus der Haut schnell mal. Es ist so schwer, so anstrengend den Körper zu bewegen, zu ertragen manchmal. Der Kopf bewegt sich von einer Seite zur anderen, nur weil er nicht aufrecht sein kann, die Arme schlaf, bewegen sich nicht im geringsten, die Schienbeine schmerzen, es lag ja auch daran, dass die Mauer, diese kleine Steinmauer, die man als Sitzgelegenheit nutzen kann, im Weg stand. Bin volle Kanne dagegen gelaufen, ohne hinzuschauen, denn es war nur der Blick auf die in den Händen aufgeschlagene Zeitung frei.  An einem Bein ist die Haut angerissen, gescheuert, dass sogar leicht Blut entrann. Schweren Beines bewegte ich mich durch sie Stadt, zur Arbeit, zurück nach Hause und die Wunde blieb. Man könnte ja vielleicht sein Inneres für mal nen Augenblick ausspucken, ausspucken aus der eigenen Haut. Wegrotzen muss man sich können. Let’s leave! Just for a moment. For a while.  Sometimes everybody needs another place for the inner flesh. So, let’s leave, leave for a while. Spit it out! Enjoy! Get it back!

Eine kleine Minute

Da ist der neue Vorhang eingegangen, schnell gehangen, das frische Bett problemlos gebettet und der Gang zum erfrischen der Wäsche, zum reinigen dieser gegangen, getan, erledigt. Zum Trocknen baumelt die Kleidung im noch leicht feuchten Zustand auf dem Balkon vor sich hin. Es wohnt sich anders, verändert, erfrischt. Es schläft sich erholsamer, höher denn je zuvor. Das Essen macht gerade Geräusche in der Küche, auf dem Herd, in der Pfanne, zum Verzehr bereit. Eben im Salon, welcher so eine Strasse quer von meiner Wäsche wäscht, Radio am laufen hat ( in dem sich zu dem Zeitpunkt qualvoll Nazareth mit love hurts – Kummer singend quälte) und die Leute mit oder ohne waschbaren Mitbringseln ein und ausgehen lässt, ließ ich dunkle Anziehsachen durchspülen. Die Autos rauschten an den Scheiben vorbei, Leute wanderten gen Sonneuntergang und ich las, einen instentösen Kaffee schlürfend und schaute nach Drehungen der Maschine, deren Ende vom programmierten Programm erwartungsvoll erwartend. Meine Abendspeise ist speisefertig und ich sehne mich nach dem schlafvollen Schlaf der kommenden Nacht. Das Rad in riesig dreht sich mit vielem Licht kreisförmig von oben nach unten oder auch im Sinne der Uhrzeiger, die Fahrgeschäfteinhaber machen ihre Geschäfte mit Fahrten, Die Leuchten dieser Geschäfte leuchten mir weiterhin in die Zimmer, das Rummelbesuchervolk schreit bei unsingbarer Musik teilweise volltrunken mit, schreit von den Geschäften in der vollen Fahrt lauthals auf mein Balkon und ich erwarte eine baldige Sättigung von der Nahrung. Mahlzeit! Es wird Zeit, dass meine Zähne mahlen, die reisgroßen Reiskörner.

Ein Rat für ein Rad

Gerade eben, da standen sie, die Herren, ein jeder mit einem Bier in der Hand und die Abendsonne schien auf sie hell und gelb bis orange. Der eine fingerte an seinen langen gezopften Haaren, der andere zupfte an einem seiner Augenbrauen, der dritte im Bund wankte und schwankte zur Seite hin weg und wieder zurück. Stark angetrunken versuchte dieser sich zu konzentrieren und blickte auf Grund seines Schwankens einmal hier einmal da hin, ohne den Blick wirklich festigen zu können. Und da sahen die anderen beiden vor sich hin und fachsimpelten an einer Straßenecke, neben einem kleine Fachladen für Fachliteratur. Sie schauten sich das davor stehende Rad an und beratschlugen sich. Das Rad war im Rahmen hellblau, es wirkte wie eins von den ganz schnellen, wie ein Sportrad halt, so ohne Schutzblech und schmalem Rad ohne Profil. Ah, das sitzt da aber Scheiße! Gab der eine, der mit den Haaren so von sich und befingerte während dessen irgendetwas am Lenker. Vielleicht war es die Klingel, die Gangschaltung, nur ein Accessoire, ein kleines unwichtiges Detail des hellblau im Rahmen daher stehende Rad, welches fest angeschlossen auf sich warten ließ. Nur die Herren ließen nicht davon. Sie unterhielten sich weiter, weiter über dieses Flitzerad, wie bei einem unbekannten Automobil, das man in und auswendig  kennt, aber nie fahren wird. Halt ein Fachgespräch unter Fachwissenden, unter Männer, die es wissen. Der eine mit langem Haar, der andere mit Augenbrauengezupfe und der dritte im Bunde mit alkoholisierten Geschwanke. Ein Fachgespräch und Fachmänner über ein Rad.

M. bis B. und weiter nach L. und wieder die ganze Reise zurück – ein kurzer Reisebericht

Ein Schritt, noch ein Schritt, dann auch mal zwei zurück aber trotzdem weiterhin im Vorwärtsgang bewegte ich mich durch die Strassen Münchens. Das Gefühl war aber an diesem Samstag, ein Tag vor meiner Abfahrt eher eins, welches einem nur im eckigen, im kantigen Viereck führte. Alles ja so gesehen kein wirklich dramatisches Problem, mit Schnee und noch mehr Schnee in den Schuhen rutschend, ins Gesicht peitschend, die Kleidung nässend, dachte ich mir so beim Durchschreiten der Strassen dieser Stadt, denn der Tag darauf versprach mir ein Umschwung, ein neues Gefühl, andere, warme Eindrücke. So dachte ich mir es. So malte ich es mir aus. Besorgte mir schnell noch eine neue Zahnbürste mit harter Burste zum wohligen Zähneputzen in Berlin. Den Abend noch gut und schön was zu Abend essen gegangen mit netter Begleitung, auch sehr Früh das Schlafgemach aufgesucht, um den Folgetag in hoher Erwartung zu erwarten und an diesem rechtzeitig zu erwachen. Der Vormittag des Sonntags war recht unsonnig und unterkühlt. Wieder ein Schritt nach und nach, zwei Schritte diesmal folgend durchschritt ich diese Stadt bis zum Bahnsteig. Ein Zug stand noch auf dem Gleis. Dieser Zug fuhr pünktlich und fast zeitgleich fuhr der Zug ein, denn ich für mich mit nutzte, um Berlin zu erreichen. Sonne wartete an dem Tag auf mich. Ich freute mich mit hoffnungsvoller Freude auf die abendlichen Sonnenstrahlen, die auf mich einzustrahlen versprachen. Reingesprungen in jenen Zug, meinen reservierten Platz folgend platzierend mit kleinen Umständen, denn ich war vollgepackt mit Gepäck und mein Nachbarplatz war ebenso schon platziert von einem netten älteren Herr, der später sogar sich seine Brote aus seinem Gepäck nahm, auspackte, diese aß und sonst auch ruhig in seiner Abendzeitung blätterte, und dann Schlaraffenland ausgepackt, fehlten nur noch knapp sechs Stunden, die ersehnte Stadt zu erreichen. Ich tanz das Z.N.S. und der Himmel öffnete sich, die Wiesen waren Schneeleer und die Fahrt ging weiter und weiter. Eine ruhige Reise mit der Bahn. Der Herr setzte sich dann entschuldigend, aber sehr leib gemeint auf einen anderen Platz, für unseren gemeinsamen Freiraum, der dann jeder für sich in Anspruch nehmen konnte. Wissen sie, wo der Speisewagen ist? Der Herr wollte Kaffee, brauchte Kaffee, ich schickte ihn in die richtige Richtung, er bekam sein Kaffee, ich trank meine fruchtige Mischung, Schorle mit Frucht, nicht nur Apfel. Der Herr stieg in Leipzig aus, er verabschiedete sich höfflich. War zu erwarten. Wie wir dann so Leipzig erreichten kam der Regen, der leichte Schnee und aus Berlin wurde mir gleich berichtet, berichtet vom Schneetreiben und dass keine Sonne mehr am Himmel spazierend wandert. Und der Zug wurde voll, viele, viele Leute stiegen ein, so auch eine junge Dame, die sich neben mir platzierte. Ich half ihr beim Koffer, diesen nach oben in die Ablage zu hieven.  Sie bedankte sich, entschuldigte sich und entschuldigte sich. Ich weiß nicht wieso, denn der Koffer war schwer und es war schon ne Selbstverständlichkeit, auch wenn es ein Herr gewesen wäre, der Koffer war schwer. Sie saß mit dicker Jacke neben mir, es fröstelte mich. Sie telefonierte, die Sprache verstand ich nicht, den noch immer oder wieder hörte ich Musik. Zusammen ergab es eine Mischung aus telefonierter Musik. Es kam eine Wolke an Geruch vorbei, welche mich erschrecken ließ. Sie hatte argen Mundgeruch. Sehr stark sogar. Mir war, als ob der ganze Zug vollgefüllt wurde. Es roch, wie ich mich auch drehte und wendete. Man konnte dem flüchten. Sie spielte mit ihrem Apfelspielbrett Tetris. Es wurde kälter und kälter, das Schneetreiben wurde stärker und stärker. Die erhoffte Sonne ward nicht da, nicht in Berlin. Nur Schnee, Neuschnee und Schmelze. In meiner unterkunft wurde ich schon erwartet, tranken zusammen einen Kaffee, Tee, sprahcen, redeten über dies und das. Standen auf dem Balkon, beobachteten das Wetter. Kein Frühling, keine Wärme. Später auch noch kurz das Broschek aufgesucht und auch nichts weiter, als ein Bier getrunken.

Der nächste Tag, die Sonne kam heraus, es blieb kalt. Da lief ich so umher, durch die Stadt, durch Kreuzberg, kaufte mir was zum Frühstück, eine Packung Kaffee, kümmerte mich um dieses und jenes, ohne wirklich was genaueres geplant zu haben. Eigentlich nichts gemacht. Am Nachmittag noch nen netten Spaziergang durch Neukölln. Also ein Tag dem anderen folgend, ähnlich in dem was getan, erlebt wurde von mir. Je länger ich warte, desto verschwommener, unklarer, unpräziser sind die Erinnerungen an die Tage, an die schönen, während meines Aufenthalts in Berlin. Ja, ich ging spazieren, kaufte mal ein, besuchte meinen Eltern, hatte Begegnungen von mysteriöser Art. Auch waren einige Abend lang, ja, lang waren sie. Da mal was getrunken, hier mal was gequatscht, geplaudert. Der Donnerstag, dieser Tag war der erste warme, den ich in dieser Stadt erleben durfte während meines Aufenthalts. Es war schön und warm, ich saß im Arbeitszimmer, auf der Matratze (die ich übrigens auch ins Zimmer vom Einkaufsladen trug, extra für mich frisch eingekauft), auf der ich des Nächtens schlief, sah den warmen Tag, den Sonnenschein von innen, von dem Arbeitszimmer. Ich saß da und machte grafische Arbeiten, nur zum Spaß. Neuerdings erklangen Jazzklänge in der Wohnung, die noch nie zuvor so erklangen. Aber so war es und dann der Abend danach, ein Abend in Lichtenberg, ein Abend mit langer Unterhaltung in lichtenberger Frühjahrsluft, durchtränkt von Hundekackegeruch am Fußsteigrand, von Bierflaschengescheppere aus vielen Ecken, Jungendlichen auf den Strassen sich bewegend und laut kommunizierend. So ein erster Frühjahrsgeruch, so eine erste Frühjahrsgeräuschkulisse.  Das alles und viel mehr war dann da und auch wieder gleich versteckt. Aber es fühlte sich gut an, vertraut, es lies das Herz pochen. Auch gerade den Abend zuvor mit Freunden durch Kneipen Neuköllns gezogen zu sein, ein Bierchen dem anderen folgend verschlungen. Eine schöne Vertrautheit spürte ich aufkommen. Jawohl, so war es. Und ich vermisse es.

Am Samstag war es dann endlich soweit, die Buchmesse, Leipzig, das Durchwandern riesiger Hallen riefen uns früh und ließen uns rechtzeitig aus dem Bett,  aus dem wohlbehüteten Schlafe springen, auf den kahlen, kalten Bahnhof den erstbesten Zug in aller herrgottsfrühe nehmen. Wir waren da, waren aber nicht die ersten, nicht die einzigen, die diesen Gedanken hegten.Nach und nach wurden es immer mehr, mehr und mehr. Sie waren da, sahen den Zug und siegten über die Plätze. Es waren diese Kinder, die für wohl freien Eintritt, nach Leipzig, zur Buchmesse ebenso wollten und dies auch taten.  Wir ergatterten nur noch Stehplätze, Treppensitzplätze. Aber umzingelt von diesen Kindern in Schminke in Kostümen, umzingelt von diesen sogenannten Cosplayern, Manga-Fanatikern. Sie standen, sprangen, liefen durcheinander, selbst im Zug, sangen, lasen, unterhielten nicht nur sich ,sondern den ganzen Zug, die Bahn, die Fahrt, alle. Und sie schminkten sich, überall, in jeder Ecke. Meine Jacke, die ganze Zeit klebte mir so ein verschminktes Gesicht an meiner Jacke. Ich dachte, ich spürte es. Das wirklich unheimliche, komische war ja doch, dass keiner, aber wirklich keiner der verkleideten Kindern es raus hatten, sich so gut kleideten, schminkten, dass es einen weggehauen hätte. Nein, im Gegenteil, sie waren alle unspektakulär, zum Teil auch wirklich unansehbar. Die hätte ich so nie und nimmer irgendwo für frei, geschweige denn überhaupt reingelassen. Es war wie bei einem Oldtimertreffen mit nur alten Leuten ohne deren schicken Autos, wie bei einer Kaninchenausstellung ohne Kaninchen, wie bei einem Kaffeekränzchen ohne jeglichem Kaffee. Schade, konnten wir nur sagen, zeigen, verlautbaren. Beim Zugwechsel nach Leipzig stiegen dann sogar noch Fans von Dynamo Dresden zu. Da haben wir uns schon alle heftig bewaffnet,  denn es hätte echt ins Auge gehen können. Aber nichts, gar nicht passierte. Der Zug war zwar voll, niemand konnte mehr zusteigen, ich konnte sogar einer aufgeregten Dame, die nicht mehr einteigen konnte, von deren Lippen ablesen, dass sie nur sagte Scheiß Buchmesse! und somit auch keiner in der Lage war sich zu bewegen, besaßen unserer Meinung nach diese Fans einfach Angst, den diese Cosplayer konnten vielleicht zaubern, einen verzaubern, verhexen, ich hatte da auch so meine Befürchtungen. Oh, wie toll, verhexte Dynamofans. Hmmm. Es hätte soviel passieren können. Es hätte Sterne funkeln können, diese Kid hätten ihre Besen, Stäbe, was auch immer schwingen, in die Höhe halten, einen Zauberspruch loslassen und die Welt verändern können. Stattdessen regnete es, bei unserer Ankunft und die Cosplayer wurden ebenso nass, deren Schminke verlief und sie waren entzaubert vom Regen. Unbeirrt dessen, liefen doch zur Messe, in die heiligen Bücherhallen. An jeder Ecke saßen diese Cosplayer, Kinder und leckten sich ihre Wunden, ihre Regenwunden.

Unsere kleine Gruppe, unsere Fünfergruppe teilte sich auf, wir liefen alle durch die Hallen, liefen bis auch unsere wunden beinah Blut leckten und schmerzen wollten. Von einem Stand zum nächsten, wieder zurück, dann nach links, nach rechts, schnell noch nen Buch zur Hand genommen, wieder zurückgestellt, dann nach Stunden ne kurze Rast gemacht, verärgert über diese Intoleranz gegenüber sich Vegan (selbst die Rechtschreibprüfung kennt dieses Wort nicht) und sogar vegetarisch ernährenden Besuchern, dann schnell noch nen Freund abgeholt und weiter, weiter und weiter durch die Bücher, die Messe, zwischen diesen Kindern in Verkleidung. Das war Aufregend, das war Einzigartig, das war körperliche Anstrengung. Dem Benjamin, dem von Stuckrad-Barre beigewohnt, aber schnell wieder abgegangen.  Es war nichts, nicht worüber wir hätten lachen könne, was uns worttechnisch erfüllt hätte. Nein, das war es definitiv nicht. Doch dann war noch Ahne, dem bei seiner Lesung im Berliner Zimmer (ach, wie es mich so erfreute, so ein Zimmer auf der Messe, auf der Buchmesse ausfindig machen zu können) zugehört, -geschaut und sich von ihm auch amüsieren zu lassen. Ja, schön war es doch, ein netter, erfolgreicher Abschluss.

Soweit die Messe, wir suchten aber noch die Stadt auf. Noch schnell ein paar Freunde, Übersetzer vor den Hallen aufgesammelt, vor den Mangaleichen rechtzeitig abgefangen suchten wir in der Stadt einen Platz, Plätzchen zum essen. Wir fuhren und fuhren mit der Bahn, der Straßenbahn von Leipzig, durch Leipzig, endlos. Bis wir dann doch ein feines Restaurant aufsuchten und essen konnten, was uns die Welt so bietet. Vom griechischen Mahl über typisch italienische Gerichte bis hin zu Indischen Spezialitäten, es war alles dabei, alles bestellbar, vor Ort einnehmbar, auch lieferbar, nur nicht nach Berlin oder gar München. Wir stopften uns voll, eine russische oder auch bulgarische Bedienung brachte uns die Spezialitäten des Hauses, der Welt, von Leipzig. Sie bediente allein und wir aßen und tranken in guter Atmosphäre, im Herzen Leipzigs, zu weltlicher Speis, alkoholischen Trank, mit internationalen Freunden, mit kaputten Knochen, abgelesenen Äuglein, ermüdeten Schultern. Es war schön, einfach nur schön, auch lustig, sehr lustig.

Da mussten wir dann auch schon wieder los, in die Hauptstadt, gerade dann, wie es doch so lustig war. Somit auf dem großen Bahnhof zu Leipzig ein paar Bier für die Fahrt besorgt und schwups saßen wir dann wieder im Zug, auf der fahrt zurück nach Berlin, mit anderen kleinen Kindern, ungeschminkten, halbstarken, stark alkoholisierten, die da noch sangen oder es eher versuchten mit dem deutschen HipHop aus ihrem Mobiltelefon erklingenden, mehr kreischenden Gesang. Es war schmerzhaft, bis hin nicht zu ertragen. Beim Umstieg in die nächste Bahn vermieden alle Mitreisenden diese Kinder. Keiner wollte mit denen im gleichen Wagon sitzen. Wir suchten ebenso einen anderen Wagon aus. Da waren aber andere Kinder, die ebenso singen mussten. Aber diesmal ohne Mobiltelefon, aus freien Stücken. Als wenn sie gerade zu nem Casting für eine Talentsucheschau vorsingen wollen würden. Sie waren nicht gut, aber sie waren lustig und alles kniete nieder vor der Hauptstadt. Wir waren müde, schliefen fast alle, freuten uns mit diesen Kindern. In Leipzig war was los, da ging was, wir schliefen fest und wohlbehütet in Berlin.

Am Tag danach war noch ein kurzes Frühstück angesagt und Berlin in den letzten Zügen zu genießen. Denn am Tag danach war die Reise nach München wieder von mir aufzunehmen. Ich tat es. Ich fuhr. Eine weitere Fahrt mit nem Zug. Die Fahrt war ruhig, habe viel gelesen, den neuen Clemens, den neuen Meyer reinziehend erwartete mich wieder München. Doch kurz vor München kamen diese Leute, diese in Zivil. Ich wurde durchsucht. Keine Waffen, keine Drogen, nur den Clemens, den Meyer dabei. Niemand sonst wurde durchsucht, durchsucht auf Waffen, auf Drogen im Großraumabteil. Nur den neuen Meyer hatte ich dabei. Ich fühlte mich Willkommen, gegrüßt von Bayern, wideraufgenommen.

So war es dann auch vorbei, die Woche in Berlin, der Ausritt nach Leipzig, die Widerankunft in München. Nun sind es mehr als zwei Wochen her. Eine Reise hin und her und wieder zurück.

Die Schlange der Verspätung

Das war das Warten auf das Warten. Alles hatte Verspätung, jeder, jeder der Einzelnen. Alles ließ auf sich warten. Wir alle warteten zusammen auf die Verspätung. Die Verspätung kam dann auch verspätet. Und ich dachte schon, wäre verspätet dran. Wie ich so mich in die Gegend hinaus ließ, da war es kühl, aber ich schritt mit langsamen Schritte, schon in nem flotten Schritttempo meines Weges. Da war dann so ein Mann mit Tisch, einem Tisch mit Rädern an den Füssen, zum schieben, jener schob diesen Tisch mit vielen Kästen drauf, die waren gefüllt mit vollen Flaschen, klarem Wasser. Der Weg war uneben, unrein, nicht sauber zu bewältigen. Er bewegte sich, den Tisch, das Wasser langsam, behutsam, nichts sollte fallen in die Tiefe. Er musste sich gut anstrengen. Die paar Kästen hätte er aber auch tragen könne, mit ein zwei Wegen mehr, so dachte ich mir. Dann wäre es schneller gewesen. Aber er schob behutsam weiter, dass kein klares Wasser fällt auf die unebene Ebene. So schritt ich weiter und weiter, denn verspätet wollte ich die Verspätung nicht noch verpassen. Dann kam ich doch glatt über eine andere unebene Ebene entlang, die eben auch ihre Tücken besaß. Da kam ein anderer Mann, ebenso einen Tisch mit Rollen an den Füssen der Tischbeine am schieben. Kein Wasser stand drauf, keine Kiste hätte fallen könne. Nein. Es waren Tassen, viele kleine und große Tassen standen auf diesem Tisch. Die durften nicht fallen. Er schob ebenso über diese unebene Ebene behutsam und voller Konzentration. Er schob diesen Tisch in die Richtung eines Hauses, welches neubezogen wird gerade und Tassen dürfen da ja nicht fehlen. Tassen kann man aber gut in eine Kiste in Zeitung eingewickelt transportieren, nicht auf nem Tisch mit rollen schieben. Aber er tat es. Ich bekam ein klein wenig Angst. Ich schob mich schnellst möglich davon. Meine Verspätung wäre sonst wiederum noch verspäteter geworden. Aber dann saß ich da, auf die Verspätung wartend. Die Verspätung verspätete sich halt, also war ich somit am beobachten. Es stand eine junge Dame am Warten so daher. Sie beschäftigte sich mit einer Verpackung. Ihr jung geschnittenes Haar ließ mich im ersten Anschein sie als jung einschätzen. Doch wie sie ihren Kopf so hob, ward ihr ach so junges Dasein verflogen. Schnips. Von da zu mal. Von hier auf jetzt. Urplötzlich. Ganz schnell, unerwartet war sie gealtert. Viele Verbrauchsspuren erschienen in ihrem Gesicht. Die machten sie älter, als ihr Haar. Vielleicht war sie noch gar nicht so alt, vielleicht beschrieb ihr Haar ihr Alter, nicht ihr Gesicht. Sie stand angestrengt da und versuchte eine Packung zu öffnen. Sie kämpfte mit ihren Händen, ihren Fingern und der sich darin verfangenen Packung. Die Packung war verschlossen, verpackt. Aus der Entfernung konnte ich es nicht so recht entschlüsseln, erkennen, worum es sich dabei handelte. Ich meinte erst, es würde sich um eine neumodische, -artige Verpackung für neu auf dem Markt erschiene Kaugummis handeln, oder auch Gummifrüchte. Etwas was sich schwer zu öffnen lässt. Vielleicht waren ihre Finger, Hände einfach viel zu rutschig, fettig, zu sehr eingecremt. Sie rutschte mit den Fingern an der Packung entlang. Sie kämpfte einen Kampf wie bei David und Goliath gegen die Verpackungsindustrie. Und die Verspätung ließ uns eiskalt warten. Sie verzweifelte, ich verzweifelte beim puren Anblick. Ich wollte fast zur Hilfe eilen, aber da kam mir der Gedanke, dass sie vielleicht ja wirklich noch gar nicht so alt sein konnte. Sie würde es ja doch allein schaffen können. Also blickte ich wartend, erwartend, dass sie die Packung entpackt bekommt. Da habe ich einen kurzen Augenblick nicht geblickt, kurz die Nase geputzt, gesäubert, mit nem Taschentuch. Sie wusch ihre Hände, mit feuchtem Tuch, aus dieser beschriebenen Packung. Eine Packung voll feuchter Waschtücher zum sofortigen entsorgen im Müll. Ich fühlte mich verschaukelt, angearscht, von der Verpackungsindustrie hintergangen, geblendet, hinters Licht geführt. In dem Moment war ich David ohne Kampfhandlung. Aber in einem Punkt hatte ich Recht, ihre Finger. Es waren ihre Finger, ihre Hände, diese davidösen Hände, die den Kampf aus ihrer Notdurft heraus aufnehmen mussten. Wie dreckig, fettig, rutschig die Welt doch sein kann. Ein Kampf ums Säubern und abermals Säubern. Die Verspätung traf ein. Das Warten hatte ein Ende. Die Frau, diese junghaar-altegesicht Frau war rein.
Später, nicht allzu, erblickte ich eins wieder, ein Waschtuch, feucht, welches genutzt wurde zum Säubern von Händen einer jungen Dame. Deren Haare waren jung geschnitten, deren Gesicht ebenso. Sie war jung und entfette ihre Hände, Finger. In so ein paar Minuten im vollen Verspätungsrausch, was da alles so geschehen kann, ich war überfallen, -wältigt.
An diesen Feiertag, diesen kommenden, lassen die Leute so einiges mit sich machen. Eben noch ein Paar, ein Chef mit Schlips und eine Assistentin mit Bläser auf der Strasse entlanglaufend erblickt. Sie waren auf dem Weg zum Homeoffice. Er trug den Drucker, sie hielt die Packung voll unbedrucktem Papier. Ein Homeofficegang. Ein verspäteter Homeofficegang, meinte ich. Aber genauestens konnte ich es nicht wissen. Was wissen wir schon. Ein paar Minuten um mich geschaut und ein paar Dinge erblickt, dachte ich mir schon den Rest.

Übrigens während dieser Minuten erklang ein Lied aus meinen Kopfhörern, der Song zum Text zum Geschehnis, den Geschehnissen, zu der reinen Verspätung.

Das Phantom von M.

Da saß dieser Junge, mit seinem halblangen Haar in schwarz. Er war bestimmt besoffen, denn er schlief im sitzen und sein Kopf fiel, fiel andauernd nach vorne, wieder zurück und wieder nach vorn über. Ganz langsam nach vorn über viel dieser Kopf und war in windes Eile wieder zurück in bekannter, ganz normaler Stellung eines Kopfes. Die Augen waren geschlossen. Sein Nasenring, sein dickes Metall durch seine Nase blinzte im Lichte der Nacht. In dem Moment fiel es mir dann ein, ich kannte diesen Jungen aus vielen Ecken Münchens, vom Sehen her. Er erschien überall, überall da wo ich ihn nicht zu sehen erwartete, wie eben diese Nacht. Oft sah ich ihn am Tierpark, an der Isar, mal mit nem Kasten Bier in den Händen, mal mit nur einer Flasche, mit Freunden von Ihm (so wie ich es einzuschätzen vermochte), sah wie eh und je aus. Dann war er auch mal in der Stadt, inmitten der Stadt, aber sehr oft einfach nur vor dem billigen Lebensmittelladen anzutreffen. Immer ein oder zwei oder drei Bier dabei. Irgendwie dachte ich mir schon vor ner Ewigkeit von diesem Nasenringeinwohner der Stadt verfolgt zu werden. Er war eben auch mein fast erster Eindruck der Jugend dieser Stadt.
Nach dem sich einige viele Menschen mehr um ihm bewegten und regten, erwachte er, bewegte seinen Kopf auf, dann von links nach rechts, öffnete den Mund mit der linken Lippenhälfte voraus aufziehend und deutete einen gesungene Schrei nach. Er schien Musik zu hören, zu genießen, mit zu erleben. In dem Moment konnte ich es nicht so recht einschätzen, ob ich amüsiert sein sollte, Mitleid haben müsste oder doch nur als gegebene Gegebenheit hinnehmen sollte. Ich entschied mich nach weiteren Beobachtungen für das letztere. Er bewegte den Kopf immer heftiger, so dass selbst sein halblanges Haar im Zuge wehte. Die Leute um ihn wirkten zwar irritiert, aber nicht so dass sie sich von ihm abgewandt hätten. Die meisten waren eh angetrunken und in nem ähnlichen Bewusstseinsstadium. Sie bewegten sich fast mit.
Bin mal gespannt, wann und wo ich ihn das nächste Mal wieder antreffen werde, vielleicht in der Seifenabteilung von Karstadt (die übrigens hier nicht so gut sortiert ist, wie die, die ich in Berlin erfahren durfte), aber vielleicht auch in der Pinakothek der Moderne neben einem Stuhl, entwickelt in den zwanziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts oder einfach doch nur wieder irgendwo auf der Strasse von München mit ein paar Bier. Und er bewegte sich immer stärker mit seinem Oberkörper, zu einer sich zu bewegten Musik, scheinbar. Diese Jugend, diese münchener Jugend. Anzutreffen überall, Phantome der Strassen.

Schwarze Sterne und große Bäume

Ohh, manchmal ist es wirklich äußerst merkwürdig, da werde ich sehr, wirklich sehr früh wach und denke mir, dass viel Zeit noch zum Weiterschlafen, Ausschlafen ist und dann sitze ich so daher, lese in nem Buch, lausche den Vögel beim Beschallen des erwachenden Tages. Liegt es nun schon am Alter? Werde ich in kürzester Zeit ein Frühaufsteher, der fünf Uhr morgens die Küche putzt und dabei einen entkoffeinierten Kaffee nach dem anderen trinkt? Oder ist es nur für kurz und in wenigen Tagen komme ich nicht mal um elf Uhr in die Gänge?
An den Träumereien, den all nächtlichen, die sich übrigens in letzter Zeit wieder mal intensiv eingestellt haben, kann es nicht liegen, weil die nicht sehr im Alb sich befinden, also eher in so ner Zwischenposition. An der Arbeit liegt es ebenso nicht. Vielleicht ist die Wetterumstellung von verdammt heiß zu angenehm kühl die Ursache? Es ist mir gerade sehr angenehm mit dem Wetter. Diese Hitze entspricht nicht meinem Wohlfühlsein. Jetzt kommt der Herbst und ich werde früh wach. Na dann, lese ich mal weiter und genieße es, so lange es geht, denn ich glaube in den Wintermonaten werde ich nicht früh wach werden wollen, weil es so dunkel ist und ich zum Lesen das Licht anschalten muss. Mal schauen, vielleicht liegt es doch am Alter und werde dann selbst in der Winterzeit die frühen Stunden des Tages erleben können.

Der Schimmer von Ehrlichkeit

Es ist nichts unangenehmes, eher dient es zur Vorsicht, wenn jemand seine Hand vor dem Mund hält beim Niesen, Husten oder dergleichen. Nur beim Telefonieren? Was war mit dieser Frau? Sie saß da so im Bus telefonierte und hielt sich die ganze Zeit Schweinegrippemäßig die Hand vor, über den Mund und dem Telefonhörer. Vielleicht sollten nicht alle zuhören und verstehen, worüber sie sprach? Ja, ich verstand sie auch nicht, aber nur wegen ihrem argen Akzent. Dieser Dialekt war mir fast schon fremd. Aber sie sprach laut, jeder konnte sie hören. Selbst der lautstarke Bus konnte sie nicht übertönen. Also das schien nicht der Grund zu sein. Es war scheinbar ne alte Angewohnheit. Eine komische Angewohnheit, aber das haben so Angewohnheit an sich, gewöhnlich.

Später erfuhr ich, ohne mit diesem mittelalten Mann zu sprechen, dass er mal auf Toilette muss. Also vielleicht morgen oder nächste Woche. Das erfuhr ich nicht. Der Becher den er regelrecht zur Schau hielt, verriet es. So ein Becher kann wirklich mehr über diese Leute erzählen. Den Mann ohne Becher hätte ich nicht analysieren können. Bestimmt hätte ich ihn einfach abgestempelt, als vielleicht ein arroganten, aalglatten, nichtssagenden, unspannenden Herr des Alltäglichen. Ich wurde eines besseren belehrt. Er trug ein Pissbecher mit sich und zeigte es Öffentlich. Das machte ihn interessant und so menschlich. Solche Momente machen das Leben erlebbar.

Am schönsten fand ich aber eine später erfahrene Situation, in der sich kliene Kinder intensiv über Jesus unterhielten. Also ich schaute denen nur zu, hörte nämlich Musik währenddessen. Aber sie standen bei Jesus und hielten ein nach außen hin doch recht professionelles Gespräch über das Kreuzigen und die beste Möglichkeit Menschen zu nageln. Ihre Gestik verriet es. Nicht ein Pinkelbecher, oder gar ne Hand vorm Mund, sondern das reine unschuldige Gestikulieren neben Jesus am Kreuz. Ab und an benötigt man keine Ton für diese sprechenden Bilder. Da fällt mir ein, dass Sendlinger Tor nicht mehr mir wohlgefühlt ist. Es sendet irgendwie schlechte Vibrationen. Eigentlich ist es aber doch egal.

Jetzt, da es doch schon nächster Tag ist!Folgetag.  Also ist das hier jetzt nicht an dem Tag an dem es erscheinen sollte, erschienen, sondern am folgenden, da es schon spät ist. Schlafe somit sofort dann gleich.

Tausche Stadt gegen größere für die nächsten Tage

Liebes Madisar, ich verlasse dich heuer mal wieder und werde auch da, wo es hingeht, nette Menschen treffen können. Aber es wird kein Abschied für Dauer oder arg lang, es sind dann doch nur ein paar wenige Tage. Falls du liebes Madisar mir etwas mit auf den Weg geben magst, dann tue es sogleich. Lange werde ich erst mal nicht hier verweilen. Aber berichten werde ich von meiner Zeit am anderen Ort, so weit es mir möglich sein wird Zeittechnisch.
Liebe Kirchenglocken, danke für die vielen Schläge der Uhrzeit. Das werde ich dann wohl ein wenig vermissen. Aber ach, ich werde ja bald deinen Schlägen wieder lauschen.
So verbleibe ich bis auf weiteres.

Schwarzes Blattwerk der dunklen Baumstämme

Ein kleiner Stiller Schrei in das ach so dunkle Wäldchen in mitten der kleinen Stadt verlangt von mir ein jedes mal unbehagliche und arg viele Überwindungskräfte. Regelrecht unheimlich und voller Gier steht es so daher und beobachtet alle vorbei kommende Menschen und Tiere, obwohl es gar nicht zum Beobachten errichtet und geboren wurde. Ein jeder schreit seine Stille im Kleinen hinein. Wirklich ein jeder.
So gesehen, bin ich sehr selten, also so physisch noch nie da dran vorbei und so richtig weiß ich auch gar nicht wo es ist, dieses Wäldchen. Es hat mir auch noch nie jemand davon berichtet. Ich glaube langsam, dass es auch gar nicht gibt. Physisch. Aber es ist psychisch ganz unheimlich und groß. Es ist. Dessen bin ich mir so richtig gut sicher. Jedes mal fürchte ich es, dieses Wäldchen. Immer wieder daran vorbei gelaufen…gedacht und jedes mal geschrien, bis es nicht mehr ging, in aller Stille. Diese Pechschwarzen Blätter tanzen dann auch immer einem auf den Haaren und krallen sich schmerzhaft in die Kopfhaut und Arme. Manchmal landet auch eins, so Pechschwarz wie es nun mal ist, direkt auf der Nase und keine Atmung geht dann mehr durch die Löcher, die Nasenlöcher. Die Augen kleistern zu. Nicht, dass es ein Traum, ein Alptraum ist, nein, es ist echt und nur psychisch. Es sind schon nett anzusehende Blätter, auch das Wäldchen gibt etwas zutrauliches, an Zuneigung. Aber es ist unheimlich. Es steht da, keiner kennt es, keiner war so mal da, aber bestimmt haben alle schon mal das Vergnügen mit jenem gehabt, irgendwie, irgendwo.
Übrigens fallen die Blätter recht schnell, nach dem sie sich festgekrallt haben vom Körper ab, weg, zu Boden, verbleichen dabei und werden zu allgemein fallendes Laub.
Mir wird wieder unheimlich. Dieses Wäldchen ist plötzlich da und auch wieder weg. Die Blätter umschwirren einen und im nächsten Moment sieht man wieder den dicht werdenden Nebel am Horizont.

Schwarze Streifen

Wenn der Himmel blau ist, die Wolken schön weiß sind und die Sonne sich als großer gelber Fleck zeigt, ist die Welt so im ganzen doch in Ordnung. Die Leute grinsen in ihren schönen, aber auch hässlichen Gesichtern, die Tiere springen im saftigen Grün von links nach rechts, der Nachwuchs, die Kinder, die kleinen Leute fallen von oben nach unten in das erfrischende Wasser. Eine frohe, heitere, erquickende Stimmung herrscht in solch Momenten. Wie schön doch die Welt so ist. Wie friedlich die Mitmenschen sein können. Wie toll, dass es so viele nette Tiere gibt. Da mach ich mir eigentlich keine Sorgen, wenn mal dann doch regelrecht schwarz schimmernde Streifen in Form von heftigen Regen gen Erde fallen. Diese Streifen können den Gemütern dieser Welt nichts anhaben, denn gerade dann erinnern sich alle den schönen Momenten im Sonnenschein und umarmen sich spontan. Manchmal durchnässt stehen sich Menschen gegenüber im Bus, auf der Straße, im Supermarkt und lachen sich an, machen sich Komplimente, halten sich gegenseitig die Türen auf. Sie sind dann so höflich zu einander. Oder wenn es erst mal kalt wird. Im Winter. Dann werden die armen wilden Tiere gefüttert, bei Schnee sogar Dächer gebaut, einfach Schutz gegeben. Und gerade die Menschen rücken dann immer näher und machen sich es gemütlich und schwelgen wieder von den schönen warmen Tagen ihres Lebens. Ach ist das eine freundliche Gemeinde, die Bewohner dieser Welt. Gleich werd ich wohl zum Bäcker gehen und fragen, ob er mir auch mal das eine oder andere Brötchen einfach für nichts warm in die Hand drücken kann, mich in die U-Bahn setzen und ganz laut Musik hören, damit alle mithören und sich daran ebenso erfreuen können, einfach nur die Leute anlächeln und mich bei ihnen bedanken, dass sie Menü achtundneunzig vom Veganer gegenüber gewählt haben. Ach, da kann man doch nur glücklich sein.

Bonner Lebensstil

Ha, da lief ich mal so zur Belustigung durch die bonner Innenstadt und hatte fast das Gefühl in Berlin zu sein. An jeder Ecke war eine Person die vor sich her redete, ne Flasche billigen Bieres in der Hand hielt oder gar Leute ansprach, dass man sich auch oben hinsetzen kann. Also in einem dieser Selbstbedienungbäckergeschäften kam eine ältere Dame, nahm zuvor ein im leichten Regen (wie sollte es auch anders sein) im Aussenbereich des Geschäftes sich noch befindende Tablett ins Geschäft hinein, bereinigte es von den Papierresten, also Müll und räumte regelrecht auf. Dann riet sie einem Kunden mit Kind am Bauch gebunden doch auch in den oberen Bereich zu gehen, weil man da sitzen kann. Der Mann sagte einfach nur höfflich ‘ja’ zu ihr. Dann ging sie weiter und beschäftigte sich da, dann sprach sie mit der Kassiererin über Gott und die Welt dort, suchte sich hier eine Tüte bewußt aus, um dann sich ein Bröttchen zu kaufen. Eine arme, einsame Seele in Bonn auf der Suche nach anderen armen, einsamen Seelen. Ansonsten herrschte eine rege Ruhe im Arbeitsablauf der Leute, wie zum Beispiel der Postangestellte, bei dem ich nur eine Briefmarke für eine Postkarte kaufen wollte und ungelogen fünf Minuten abgefertigt wurde. Zu erst suchte er ganz ruhig nach der Breifmarke, dann knickte er noch ruhiger die überflüssigen Papierreste von der Briefmarke und riss diese gemütlich ab. Des weiteren klebt er die Briefmarke mit einer immer gelasseneren Ruhe auf die Postkarte, stempelte diese noch langsamer, als ich es jede hätte mir ausmalen können und tat dann diese zu den anderen Briefen, Postkarten, zu versendenten Gut. Beim Wechselgeld schaute er noch mal genauer hin, ob es denn auch wirklich das genaue Wechselgeld ist, was ich zurück zu bekommen habe. Ich stand zwischen den Punkten gleich einzuschlafen oder doch nervös zu werden. Aber es war dann geschafft und ich hollte in dem veregneten Bonn gleich dananch tief Luft, um dann bei einem ebenso gelassenene Busfahrer nen Ticket zu kaufen. Frei nach dem Motto, in der Ruhe liegt die Kraft und wenn nicht, trotzdem Ruhe bewahren. Da werde ich mal schauen, ob es ebenso in Köln abgeht.

Wieder mal ohne Abendessen

Wenn man mal wieder denkt, dass die Arbeit noch rechtzeitig vorbei ist und es einem in den Sinn kommt, am Abend noch mal schnell etwas einkaufen gehen zu müssen, der sollte nicht in München leben. Hier schließt so alles Punkt acht Uhr. Es ist bestimmt ein großer Schritt für Bayern, aber ein wahnsinniger kleiner für einen regelrecht ungeplanten Einkauf. Aber leider bin ich nicht gewillt, auf Vorrat einzuholen, denn dieser wird bei mir allein nur schlecht und WG-Mitbewohner haben andere Essgewohnheiten, dass wir also nicht in der Lage wären, für ein gemeinschaftlichen Einkauf zu sorgen. Ergo ist hungern angesagt. Nischt im Kühler. Nischt im Schrank. Nischt auf Vorrat. Ist ja auch nicht so schlimm, morgen ist ja auch noch ein Tag. Essen kann man ja nun wirklich jeden Tag. Und zur kleinsten Nahrungszunahme macht sich ja immer wieder so n Schluck Wasser gut. Vielleicht lege ich mich gleich Schlafen. Dann denkt man nicht darüber nach. Okay, nicht mehr denken, einfach nur…nicht mehr denken. Ja, so geht es. Leere im Kopf, dann weiß ich auch nichts mehr von der Leere im Bauch. Juchhu, selbst ausgetrickst.

Na, so ein Tag

Es ist zwar nicht kalt da draußen, aber mich fröstelte es jedoch, wie ich so die Gegenden abfuhr und den Leuten bei ihren sonntäglichen Aktivitäten zuschauen durfte. Oh, und es geht den meisten so richtig gut, scheinbar. Mit teuer aussehenden Fahrrädern ohne Sattel springen so Helm tragende auf Steinen umher, anstatt damit zu fahren. Andere laufen mit Navigationsgeräten durch die Innenstadt. Wieder andere sonnten sich bei verhangen Himmel neben dem dreckigen Fluss. Es ist schon ein merkwürdiges Bild, was einem so geliefert wird. Da werde ich mich gleich mal auf den Weg machen und im Kino Chelsea Girls vom Andy, dem Warhola anschauen. Komme dann hoffentlich mal auf andere Gedanken, sehe andere Bilder, werde motiviert.

Ne Begegnung mit nem Biber, aber ohne Zahnpasta

Da saß ich doch mal so an der Isar, nahe der Museumsinsel und schrieb so meine kleinen Tagesproblemchen und den ganzen anderen Kram in mein noch kleineres Büchlein. An dem Tag war schon einiges ein wenig durcheinander gelaufen. Who cares?

Die Isar floss so vor sich hin. Mal ein paar Enten in der Strömung cööl entlanggeschwommen. Dann erblickte ich doch so nen komischen Baumstamm, der recht ergonomisch, also eigentlich aquaplanisch wirkte, genau richtig um schnell die Isar entlangzuschwimmen. Plötzlich bewegte es sich von links nach rechts und trieb weiter und zeigte sein Schwanz. Ah ja, dachte ich, ein Baum mit Schwanz in ner super geschmeidigen Bewegung. Also doch nur n Biber. Wäre ihm aber schon gern hinterher geschwommen, um einfach mal zu sehen wie so sein Tagesablauf, ja in dem Fall Abendablauf so ausschaut. Dann aber doch nicht getraut, weil das Wasser dreckig aussieht, nen richtig gut Lauf gerade hat und mit hoher Wahrscheinlichkeit ziemlich kalt sein könnte. Das Wasser läuft gerade richtig gut. Dann doch das Buch eingesteckt, ins Forum fürs Filmfest gegangen und nen wirklich guten Takeshi gesehen. Er ist zwar alt geworden, kann es aber immer noch recht ordentlich mit dem Filmen.

Bin nicht allein mit dem Schmerzen am Fußende

Vorhin nur die Beobachtung gemacht, dass ein kleines Mädchen Schwierigkeiten hatte mit ihren Füßen und den Schuhen. Scheinbar scheuerten diese Schuhe. Sie zog mit ihren vielleicht 5 Jahren ein Schuh aus und die Socke. Sie zeigte ihrem Opa die rote Stelle und verzog ihr Gesicht, um dem Schmerzen Nachdruck zu verleihen. Diese stand neben ihr und schüttelte uninteressiert den Kopf, sagte aber scheinbar was, dass sie sich die Socke und den Schuh wieder anziehen ließ. Jedenfalls bin ich nicht allein mit den Schmerzen an den Füßen. Obwohl das Brennen gar nicht mehr ist. Es ist weggeträumt. Hab heute Nachmittag das Brennen einfach wegträumen können. Jetzt ärgere ich mich, nicht dem Mädchen gesagt zu haben, der Schmerz geht vom Träumen weg. Vielleicht war es aber das, was ihr Opa ihr sagte. Vielleicht. Also an alle, träumt Eure Schmerzen weg! Es hilft.

Das brennt unter den Fußsohlen. Mann, Mann, Mann.

Manchmal frage ich mich wieso das, also das Brennen. Es waren doch nur wenige Schritte, ein paar kleine Wege, mit doch recht annehmbaren Schuhen. Und dann das. Es brennt einfach nur. Vielleicht sind die Einlegesohlen keine von den Guten? Die erzeugen wohl mit den Socken zusammen extrem hohe Hitzewerte. Vielleicht sollte ich die Reibung beim Laufen mindern? Kleinere Schuhe besorgen? Die Schuhe enger schnüren? Barfuß laufen? Aber dann, ja aber dann werden die Füße ja kalt und ich hole mir ne Erkältung. Das geht nicht! Vielleicht hilft es ja mit den Schuhen ins Wasser zu gehen, dann ziehen die sich zusammen und sind fest mit Fuß verbunden. Das wäre doch ne Option. Es kann ja auch sein, dass die Socken einfach nicht den richtigen Halt geben. Es macht mich müde. Da denkt man darüber nach und es brennt einfach weiter. Beim Laufen brannte es nicht. Nach dem Ausziehen der Fußkleidung startete es mit nem ordentlichen Brennvorgang. Ich leg mich Schlafen. Dann bemerke ich das Brennen nicht mehr. So. Das werde ich jetzt tun.
Die 27,4 Kilometer auf und ab müssen ja auch verarbeitet werden. Also träume ich mir mal das Brennen weg.

Mit Soja-Bratwurst und fertigem Kartoffelauflauf den mir bekannten Aldi-Süd verlassen

Na da bewegte ich mich so in Richtung Laden, um für die abendliche Verköstigung meiner Selbst einzuholen, höre, sehe, spüre ich Damen mit Stimme und Artikulation von Berlinerinnen. Ja sie waren nicht Münchenerinnen. Wo sollte man den sonst die Berliner treffen, aufspüren, natürlich im Aldi-Süd, da Aldi-Nord nicht ist. Die Kassiererin wirkte Überrascht. Vielleicht wollte sie nicht verstehen. Aber das hat die Berlinerin mit links genommen, einfach ignoriert und weiter gemacht. Sie tauschte einfach Joghurt-Becher aus. Sie brachte kaputte wieder zurück zum Kühlregal. Ach wie dufte! Es war ein heimisches Gefühl. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, sich doch darüber zu freuen, wenn man Leute mit seinem Akzent hört, die sich geben, wie sie sind und nicht wie hier viele gern wären, die kaputte Joghurt-Becher wieder zurückstellen, denn es könnte ja ein anderer danach greifen wollen und nicht bemerken, dass diese kaputt sind. Was interessiert, wenn dem die auslaufen. Einfach herrlich, unbekümmert, nicht gestellt und doch mittendrin. Da genieße ich mein fertigen Kartoffelauflauf und die Soja-Bratwürste doppelt und dreifach. Manchmal braucht ein jeder mal so ne Dosis von zu Hause. Danke Damen!

Nehmt dem Kind das Spielzeug weg!

Also dieser Junge! Da läuft er so vorne weg. Zündet die ganze Zeit. Es riecht schon arg stark nach Schwefel auf der Straße. Er zündelt immer wieder von neuen. Sein in die gotische Höhe gegeltes Haar wankt von links nach rechts, als wenn sie sich einer fröhlichen Weihnachtshymne nach tanzen würden. Er zündelt immer wieder von neuen. Leider ist er nur von hinten zu betrachten. Nur sein großer Aufdruck in goldenen Buchstaben seines Shirts schimmert im Lichte des Mondes. Macho! Fünf Jahre! Gewagt für ein Kind. Nicht mal ein Bier in einer Hand, scheinbar. Ein Geltropfen tropft ihm auf die linke Schulter. Er zündelt. Jeder kann es hören, jeder kann es riechen, jeder weiß er macht es falsch. Nimmt ihm es weg! Er kann es nicht!
Doch dann fragt er doch wirklich die Leute auf der Straße. Er bekommt seine Zigarette nicht angezündet. Die Streichhölzer gehen immer wieder aus. Er ist nur elektrische Feuerzeuge gewohnt. Jetzt hat er aber keins. Nur Streichhölzer. Die sind so old school. Für ihn nicht brauchbar. Er fragt wirklich die Leute, ob jemand ihm die Kippe anzünden könnte. Er braucht mindestens einen Zug. Den Qualm will er inhalieren. Er will. Kann aber nicht. Niemand hilft. Niemand will ihn rauchend. Alle drehen sich weg. Manch einer mit böse dreinschauender Mine. Manch einer mit einem Schmunzeln. Die meisten mit großem Desinteresse. Gleichgültigkeit. Er zündelt weiter. Vielleicht, ja vielleicht schaffte er es. Die Zigarette bleibt unangezündet. Er zündelt, aber es klappt nicht.
Plötzlich ein Wolkenbruch. Es regnet. Alles wird nass. Auch seine Zigarette. Er schaut nach oben, nach unten, nach vorn und läuft weiter. Sein Haar liegt mittlerweile. Kein nach oben streben mehr. Jetzt zündelt er nicht mehr. Es regnet. Er wird nass, bleibt stehen, betrachtet sich einen Mülleimer. Mit hoher Schlagkraft schlägt er auf diesen Mülleimer ein. Es regnet. Er zündelt nicht mehr. Ein Feuer für die Kleinen!

Die Gier der Pusteblume oder wie schwer es ist den Garten zu beschmieren (es grünt so grün)

Ein kleines Pflänzchen bewegte sich im Sonnenschein hin und her und hoffte auf die große Größe, die doch dann einkehren sollte. Ein wenig Wasser den Tag zuvor, ein paar Nährstoffe noch dazu. Da geht es doch eigentlich in die Größe, in die Weite hinaus. Aber es hoffte vergeblich, denn es war nicht willig zu warten. Schnell sollte es gehen. Das dachte sich das Pflänzchen. Alle Glieder streckte es. Die Größe kam aber nicht. Sie wollte sich nicht zeigen. Alles war klein. Klein geblieben. Der Sonnenschein prallte hernieder. Ein regelrechtes Feuer brannte nieder auf das Pflänzchen. Es bräunte. Grün war nicht mehr. Grün wird nicht mehr sein. Groß blieb aus. Stattdessen brannte es immer kleiner. Das Pflänzchen wollte doch aber die versprochene Größe.
Mit letzter Kraft schickte es eine Botschaft hinaus zu den Ältesten, um Hilfe zu erbeten. Die Ältesten waren aber nicht bereit zu helfen. Sie kämpften ebenso mit der Feuerflut der Sonne. Außerdem war es ihnen sowieso egal, was mit den anderen war, ist und sein wird. Sie haben die Größe erreicht und was kümmert sie dann die anderen. Jede Pflanze ist sich selbst die nächste. Aber auch sie brannten weit ins kleine. Größe ade für die Pflänzchen in deren kleinen Welt. Braun wurde der Garten. Grün war nicht mehr. Grün wird nicht mehr sein.

An der Beere vorbei, hinüber zu den nicht ganz gelben Bananen

Der Mann saß gestern einfach so da. Auf dem Sitz. Ein erwartungsvolles Gesicht zeichnete sein Kopf. In den Händen hielt er eine grüne, spinatgrüne Porzellanschüssel. Am Arm hing ein Regenschirm. In der Schüssel war nichts. Sie war leer. Er saß so daher, mit erwartungsvoller Mine. Neben ihm saß ein junges Mädchen, vielleicht eher ein altes Mädchen, also eine junge Frau. Sie schnalzte, die ganze Zeit schnalzte sie mit ihrer Zunge. Sie saßen beisammen, ohne einander zu beachten. Sie wirkten nicht zusammengehörig. Einander schienen sie sich nicht zu kennen. Warum auch, nur weil sie mit ihrer Zunge schnalzte und er eine leere, spinatgrüne Schüssel in den Händen hielt. Das macht sie nicht zwangsläufig zu Bekannte, zu Leuten die einander kennen, die nebeneinander zu sitzen zu haben. Viel Spannender wäre gewesen, wenn ihm jemand in seine spinatgrüne Schüssel rote Beeren nur zum Auffüllen getan hätte. Ich konnte es nicht. Meine Beeren waren nicht rot. Meine Beeren passten nicht in die Schüssel. Meine Beeren waren keine Beeren. Es waren hell-grüne Bananen und birnengrüne Birnen. Selbst wenn ich es gewollt hätte, hätte ich dann nichts mehr an Obst zum Essen gehabt. Ich tat es nicht. Grün in grün wäre auch gar nicht so spannend gewesen. Rot in grün ist viel mehr an Spannung. Das ist so, als wenn man fünf durch drei Teile teilt und es nicht weiß wie. Beeren wären wirklich gut gewesen. Morgen besorge ich mal Beeren und wenn der Mann mit seiner spinatgrünen Schüssel wieder irgendwo zufällig ist, wo auch ich sein werde, dann kann ich es ihm ja unverbindlich anbieten. Das wird spannend. Da schnalze ich jetzt schon mit der Zunge.