Ein Ausflug

Interlinguale Kommunikation hätte man erleben können, aber der New Yorker Herr hat doch die lautere, ja sogar sehr penetrantere Stimme und alle anderen, der eine Franzose und die Russin zogen mit, sprachen gebrochenes englisch, genau nicht schlechter wie der  grauhaarige New Yorker. Es ging thematisch von einem Großkonzern zum nächsten. Keine zuhörbare Themen. Sie sitzen sich mit teuren Notebooks vor den Nasen gegenüber, essen Vegan und ertragen sich überhaupt nicht. Der New Yorker habe kein mobiles Telephone, die anderen finden das toll, super, ihn großartig, sogar bemerkenswert. Denn er habe nur ein Telefon, ein festes in New York. Aber bestimmt sind es nur seine wuscheligen Haare, dass er seit Jahren in Deutschland lebt und noch immer kein Wort deutsch kann und München aller anderen Ortschaften Deutschlands vorzog. Hassen tun sie sich gegenseitig sehr. Genau deswegen unterhalten sie sich. Es ermüdet, ich will doch nur in Ruhe mein Mohnkuchen essen, den Kaffee trinken und das eine kurze Buch lesen, nicht denen zuhören müssen.
Somit zahle ich, nachdem ich schnell den Kuchen wegaß, bewegte mich in Richtung Park um denn da die Ruhe zu erhaschen. Es gelingt. Unter dicken Bäumen, an einem langsam laufenden Flusslauf sitze ich auf einer Bank und lausche den Bäumen, den Tierchen und den vorbeiziehenden Leutchen.
Doch dann ereilt mich ein überrumpelnder Bewegungsdrang und ich laufe, laufe die Parkanlage entlang, hin und zurück. Und ich sehe Menschen über Menschen, einmal auf dem einen Stück Wiese, dann auf dem anderen. Sie sind viele und die Ruhe wird zur Unruhe. Alle machen mit, keiner ist woanders, alle liegen sie neben dem New Yorker, dem arroganten Franzosen und der in der Schweiz lebenden Russin. Sie bilden ein riesigen Ball an unerträglicher Menschenmasse.
Ich verlasse den Park, verlasse die Stadt, verlasse diesen Haufen Menschen. Und die Sonne lässt nicht nach.

Ein Tropfen…

Die Zeitung liegt im Zeitungsständer, vergilbt so vor sich daher, bleibt ungelesen irgendwem bestimmt und das Wellblech rostet an so einigen Stellen.
Die Flecken auf dem alten, lärmenden, nicht gepflegten Dielenboden wandern von Stelle zu Stelle und der Rauch der Zigaretten steht im Raum, ohne das wer davon was realisieren kann. Ein paar Schritte auf diesem Holzboden geben dem Schrittemacher das Gefühl von einem wohl fühlendem Bad in schmeidig französischen Chanson.
Die Tropfen des Blutes fallen langsam, sehr langsam auf das frisch gewaschene Unterhemd, welches vom Trockner, schon lange zuvor getrocknet, gefallen ist. Die Dose Bier leert sich in geschwindes Eile. Joe Strummer schmettert ein paar Songs in den Äther, in den kleinen Raum, das Radio hat noch genügend Saft auf seinen lauten Sprechern, durch das geöffnete Fenster erschallen Stimmen, neben diversen Geräuschen von Autos, Motorrädern und gar Dynamos der fahrenden Fahrräder ins Zimmer. „Burning Lights“ erschallt heller. Kaurismäki gibt hinzu die Bilder. Ein Abend mit Film. Die Träume bleiben den Kindern, auch wenn sie gewachsen sind. Und die Lichter brennen nicht nur im Sand, auch in den Wänden, den gestrichenen Wänden der kleinen Behausungen. Die Asche der Kippe verzieht sich in den Ritzen der Dielen. Und der Bass rollt weiterhin durch die Köpfe, auch mit Sonnenbrille auf der Nase. Das Bier liegt und nässt die Bücher, die gelesen die Flüssigkeit aufsaugen, als wenn sie durstig wären. Tropfen für Tropfen.

Ein langes, unsägliches Pfeifen

Da spaziere ich die Strassen entlang, eine Kreuzung hier nehmend, ein Unterführung da entlang gehend, ohne Zeil, ohne Plan, nur mit mir. Musik per Kopfhörer in Ohren gelegt, schallt diese mit immens hoher Lautstärke in die Richtung meines Gehirns. Sie ist laut, fast schon unerträglich und macht mich noch mehr gedankenlos, -verloren, dass mir die Augen aus ihren Höhlen förmlich herausquellen.
An den schauenden, starrenden Leute vorbei, versuche ich mich nur auf den Beinen zu halten, mir einen Weg zu bahnen, niemanden mitzuteilen. Die Musik soll mich tragen, ertragen, betragen, das Gehirn mir zum schmelzen bringen. Es ist nur dieses eine Lied, es spielt und spielt. Ich lege mich da irgendwo hin, neben eine halb leere Kolaflasche, auf den Asphalt, in den Schatten eines winzigen Gebäudes.
Das Musik spielende Gerät setzt aus und die Musik somit auch und ich liege weiterhin. Es piept, es pfeift, es läuft ein permanenter Ton durch mein Kopf. Laut ist es, sehr sogar, wie ein die Schallmauer durchschlagender Flieger. Aber es stört mich nicht, ich bleibe dran, höre es mir an. Ich schließe die Augen, bleibe im Schatten, habe seit Tagen nichts gegessen und höre nur noch eins.

 

 

 

 

 

Im Leerlauf sitzen

Diese Öffentlichkeit in den öffentlichen Verkehrsmitteln öffnen sich von Zeit zu Zeit missverständlich und sind letztendlich verwundert, dass man keine wirklich klare Stellung beziehen kann. Wir lassen uns doch nur gern befördern, wir wollen nichts mit den anderen zu befördernden Personen zu tun haben, wir legen uns Kopfhörer in den Gehörgang, legen uns Bücher oder gar Zeitungen in die Hände, legen gern mal unseren Kopf an die Scheiben und schliessen dazu unsere Augen. Warum sollten wir nicht nur mit uns selbst beschäftigt sein dürfen, während unserer Beförderung? Warum haben wir eine Aufgabe dabei zu übernehmen? Warum bleiben diese Minuten nicht uns allein übrig?
Manchmal lassen wir uns ja nicht allein befördern, wir sind dann zu zweit oder zu achtundsiebzigst, aber bleiben dann erst recht für uns, die Gruppe, für die Leutchen um einen. Die anderen können uns dann erst recht gestohlen bleiben.
Diese anderen Verkehrsteilnehmer stehen, sitzen, lungern dann da in diesen Verkehrsmitteln rum und machen nichts schlimmeres als zu schauen. Sie schauen einen an, schauen sich um, schauen aus den Fenstern, schauen ins leere. Manch einer brabbelt was vor sich hin, ein anderer singt halblaut was unverständliches und ein jener spricht uns dann noch an, dass man doch gefälligst durchrücken soll, den Platz freimachen müsste, man doch nicht allein die Öffentlichkeit sei.
Jaja, wir sind die Öffentlichkeit auf Grund unserer Gruppendynamik, unseres gegenseitiges Ausliefern, unserer Bewegungsfreiheit.

Der frühe Schlaf

Eingeschlafen, einfach weggepennt, am frühen Abend ohne auch nur kurz die Augen geöffnet zu bekommen, durchweg geschlafen bis hin in die frühen Morgenstunden um kurz nach der Öffnung der Ausstellungshallen diese zu betreten, Kunst mit früh aufstehenden, älteren Herrschaften zu betrachten, zu erfahren, zu geniessen, war dann ein gutes Stück weniger Sonntagserlebnisse.
Leer von Besuchern waren die Hallen, die Räume mit den riesigen Gemälden, der Doppelprojektion einer Videoinstallation, vieler netter Einzelstücke an Plastiken. Nach und nach kamen dann diese, diese Besucher, die dann genau im Bilde stehen bleiben, sich vor die Texttafeln, die man gerade liest, schieben, die dann laut reden, in Gruppen sich führen lassen und Unverständnis in ihre Gesichter läuft, diese verzehrt und unheimlich machen lässt, die mit Audioführungen planlos durch die Gegend laufen, einen überrennen und ständig an allen Ecken die Alarmanlagen auslösen, weil sie ständig immer irgendwas anfassen oder ihre Nasen in die Bilder hängen müssen.
Wenige Zeit später genervt von dieser Besucherschaft die Räumlichkeiten verlassen um dann auf dem Bahnhofsgelände die Sonntagszeitung zu kaufen und später bei einem guten Schluck Kaffee diese auch zu lesen, war zur Überraschung des Nervheitgrades der Bahnhofsgänger höher als die der Kunstausstellungsbesucherschaft. Jeder lief irgendwie von allen Ecken Quer zwischen Jedem und dessen Füßen. Wege waren gesperrt, Leute schrien über die Flure, Kinder trugen schwere Koffer, Rucksäcke oder schoben gar ihr Gepäck. Es war einfach nur Laut und unwegsam.

Es hängt ein Stein aus der Wand, der Brandmauer

Zwei Finger breit voneinander entfernt stehen diese Gestalten der Nacht vor den hell erleuchteten Schaufenstern und betrachten sich vor Zorn. Es klirren Splitter von Glas in der Ferne, Autos ziehen schreiend vorüber, die Schrifttafeln flackern ihr Licht auf die Strassen und diese Gestalten stehen sich gegenüber. Der Duft von frisch frittierten Kartoffeln zieht vorüber, der Geruch des Fleisches am Spieß gleich mit. Diese Gestalten stehen noch immer. Es rattert die U-Bahn unter den Füssen, Betrunkene schreien ihres Weges, Bitterkeit durchkühlt die Luft, die frühen Vögel singen ihre Lieder. Diese Gestalten bleiben. Die Hupe eines Busses, eines Linienbusses zerreisst die unmittelbare Stille, das Schmatzen eines Kaugummikauers folgt zugleich und die Schritte der Heimgänger schreiten im Takt.
Diese Gestalten wenden sich voneinander ab und gehen ihres Weges. Die Luft klärt sich, die Lieder der Vögel werden lauter, das Licht des anbrechenden Tages strahlt sich in die Nacht und setzt ein Zeichen des Erwachens.

Auch das noch

In aller Herrgottsfrühe aufstehen, sich orientieren können, das Badezimmer finden, den Wasserhahn aufgedreht bekommen, den weckenden Kaffee in der unauffindbaren Küche kochen hat schon was überwältigendes, aufregendes, katastrophales, insbesondere wenn man Magenschmerzen hat, die Nase blutet und man die ganze Zeit denkt, man sollte die Treppe runterfallen, damit die unerträglichen Schmerzen der Seele verschwinden. Hinzu kommt der Fakt, dass wenig Schlaf die Nacht ungenießbar machte, die wenigen Träume einen auch nur wieder tief fallen liessen und der Zigarettengestank der fünf gerauchten Packungen vom Vortag fortwährend in der Nase stand und auch noch immer steht.
Dann quält man sich auch noch zu einer Einrichtung, die einem eine frohe Botschaft übermitteln sollte, aber es dann doch nicht tat.
Und nach einer kleinen Tortour mit den öffentlichen Einrichtungen durch die halbe Stadt wieder zurück im Bett angelangt, bleibt einem der Schlaf weiterhin verwehrt, denn es klopft, es hämmert, es bohrt, das Haus wird umgebaut. Und wieder ist die Vorstellung da, die Treppe runterzustürzen, den Kopf aufzuschlagen, die Nase zu brechen, bluten tut sie ja schon eh.
Eine Treppe ist ein gutes Seelenschmerzmittel, man muss sie sich noch nicht einmal verdünnt mit Wasser zu Brust nehmen.
Langsam fallen die Augen zu, langsam gibt es doch ein Gefühl von Schlaf, langsam könnte das Kotzen einsetzen.

Ein ängstliches Verspäten

Die Verabredung macht ihn wirr. Er wartet, schaut nervös um sich, läuft ein paar Meter, dreht sich um, läuft die Meter wieder zurück, kehrt wieder um, läuft wieder zurück, dreht sich zu einer Ecke, an der er erst einmal verschnauft.
Es ist noch eine gute Strecke bis zum vereinbarten Treffpunkt. Er steht weiterhin an dieser Ecke, steckt sich eine Zigarette an, schaut gen Himmel, wieder auf den Weg vor sich, erblickt dort eine kleine Schachtel, er hebt diese auf und öffnet sie. Diese Schachtel ist leer. Er steckt sie ein.
Es ist nicht mehr viel Zeit um rechtzeitig am vereinbarten Platze zu sein. Er steckt sich noch eine Zigarette an, bleibt an Ort und Stelle. Er schliesst die Augen, schaut auf die große Uhr in der Öffentlichkeit. Er schafft es nicht mehr pünktlich. Er zündet sich eine weitere Zigarette an, nimmt die leere Schachtel, ascht da hinein. Er ist allein.
Einige Augenblicke und Zigaretten später geht er wieder weg von der Ecke und schlägt eine andere Richtung ein. Er läuft zügig mit der vollgeaschten Schachtel in den Händen. Er nimmt einen Umweg.
Ziemlich verspätet erscheint er am vereinbarten Ort. Sie ist nicht da. Er schaut um sich, weit und breit ist sie nicht zu sehen. Sie ist nicht da. Er blickt auf die Schachtel und wieder auf, nach ihr suchend. Sie ist nicht da. Er öffnet die Schachtel, zündet sich seine letzte Zigarette an und ascht wieder in die Schachtel. Sie ist nicht da. Er kippt sich all die Asche aus der Schachtel in seinen Rachen. Sie ist nicht da.
Er liegt im Bett, schläft und sie ist nicht da.

Wurstsuppe an der Feile, Akazienhonig in der Suppe

Dieser junge Herr, steht da so her und poliert mit einem Taschentuch sein Schuhwerk. Das Tuch verheddert sich beim polieren in einem seiner Fingernägel. Der Fingernagel ist leicht vom Finger weggebogen. Er steckt das Tuch ein, nimmt aus der gleichen Tasche ein Taschenmesser, öffnet die Feile und feilt sich die Nägel. Im nu kommt der Geruch von Wurstsuppe mit Buchstabennudeln um die Ecke gekrochen. Der Herr bleibt weiterhin stehen, mit noch angewinkeltem Bein, als wenn er sein Schuhwerk weiterhin polieren möchte und feilt. Der Geruch der Wurstsuppe schreitet weiter und weiter, dringt zu ihm vor. Der feilende Herr bemerkt diesen Geruch und verspürt sofort den Drang mit Akazienhonig eine Toilettenschüssel zu säubern. Er klappt das Messer zusammen, steckt dieses ein und sprintet zu nächsten Örtlichkeit. Er rennt und rennt und rennt, ihm wird kalt, eiskalt. Er bleibt stehen und muss erst einmal die Eiskristalle aus seinem Bart schütteln. Er setzt sich und überlegt. Er überlegt, wo er in dem Moment ein Rasiermesser her bekommen kann. So ein Rasiermesser findet er so richtig wichtig gerade, er denkt auch gar nicht mehr an den Akazienhonig. Er holt das Taschentuch wieder hervor und poliert weiter seine Schuhe.

 

 

Flugobjekte schippern, schrammen am klaren, so heftig blauen Himmel entlang

Da ist es wieder, das schöne, warme, vertraute Geniesserwetter, welches jedes Jahr von neuem daherkommt, wie ein Frisbee unerwartet von irgendwoher geschossen an den Kopf knallen kann. Es ermüdet mich und doch gehe ich spazieren, lasse das grelle Licht der Sonne in meine Augen strahlen, setzte mich auf ein Kaffee zwischen all den anderen Geniessern des Wetters. Und dabei ist der Himmel so schön wolkenlos, blau, einfach nur blau. Er erinnert mich an meine Kindheit, an die Zeit, in der ich noch sehr klein war, über die Felder sprang, zwischen Schweine und Kühe mit meinem Roller raste und gern gen Himmel starrte. Da flogen diese winzigen Flugzeuge, kleiner noch als Ameisen und sie hinterließen diesen weißen Streifen, denn ich immer wieder erklärt haben wollte. Ab und an durchstörte ein knallender Lärm der oftmals tief fliegenden Düsenjets, fast immer in Zweierformation vorbeirauschend, diese tiefblaue Ruhe mit diesen weit in der Ferne zerfliessenden weißen Streifen. Aber auch von diesem Knall war ich fasziniert. Es war somit für mich immer eine beruhigende Knalligkeit, wenn der Himmel wolkenlos, blau, weiß bestreift über unseren Köpfen rumlungerte. Und das tut er noch immer, auch wenn der Kaffee schnell abkühlt, die Leute ihre Nasen in Richtung Sonne strecken, die Jets nicht mehr vorbeihuschen und -knallen.
Noch immer stehe ich im Schatten und lausche mit meinen Augen dem Himmel, noch immer zähle ich die Streifen der Flugzeuge, betrachte diese als geometrisches Gesamtbild parallel zu den Strassen und noch immer bin ich an diesen Tagen so müde.

Türen stehen nicht offen

Auf dieser Rolltreppe stand er schon des Öfteren, jeden Tag mehrmals. Er fuhr die Treppe nach oben. Er fuhr mit der Treppe wieder nach unten und immer viele Leute um sich platziert, einige rennen die Stufen ab, ob hoch oder hinunter, meist aber hinunter. Er platzierte sich immer brav, rechts stehend, niemanden behindern wollend und lauschte den Gesprächen der Mitrolltreppennutzer. Fast allen wünschte er ein Handtuch zu geben. Er hatte immer welche dabei, seit dem er keine mehr verkaufen konnte, hatte er sogar noch mehr in seiner Tasche. Keine großen Handtücher, nur kleine, aber die Leute brauchten diese Handtücher, dessen war er sich sicher. Wie er so da mit der Rolltreppe fuhr, überlegte er immer wieder, wie er den Leuten nur klar machen könne, dass diese Handtücher extra für sie bestimmt seien.
Wie er nun so tagtäglich diese Rolltreppe auf und ab fuhr, gab er keinem ein Handtuch, sie blieben weiterhin in seiner Tasche ungeschenkt, unbenutzt und fuhren mit ihm die Treppen hoch und runter.

Ein Herr am auspendeln

In diesem Café sitzen wir, einige Gäste und frühstücken unser Frühstück. Manch einer sitzt an belegten Brötchen, einer an einer immer wieder wechselnden Flasche Bier, die meisten doch eher an einem starken oder auch schwachen Kaffee. Ich sitze ebenso da mit meinem Kaffee und der druckfrischen Tageszeitung und versuche etwas für mich interessantes herauszulesen. Nach drei vier Schluck vom Kaffee und dem kompletten durch die Zeitung Gewühl, schaue ich doch immer wieder auf, dabei erblicke ich diesen Herrn in dicker Baumwolljacke, einer kleinen Tasse Tee vor sich stehend und er durchblättert eine Wettzeitschrift, in der er etwas immer wieder notiert. Ich denke mir so, dass er sicherlich mögliche Wetten notiert, die er dann im laufe des Tages abschließen wird. Langsam und bedacht trinkt er der weilen seinen Tee. Hin und wieder schaut er auch mal halb auf, aber scheinbar kann er seinen Kopf wegen seinem deutlich sichtbaren Buckel nicht wirklich richtig in die Höhe bewegen, daher denke ich auch, dass er mich und die anderen Gäste gar nicht wirklich erblickt, was er möglicher Weise auch gar nicht beabsichtigt.
Jedenfalls schreibt er fleißig weiter an seinen Notizen, trinkt doch sehr bedacht seinen Tee, faltet seine Zeitschrift sorgfältig zusammen und legt diese neben sich auf das Sofa.
Ich meinerseits bin mit dem Kaffee halb fertig und mache mich fertig die Lokalität zu verlassen.
Indem holt der Herr eine Kette hervor mit einem goldenen Zylinder dran hängend, ein Pendel.
Er faltet die Zeitschrift neben sich wieder auf und hält dieses Pendel über die Zeitschrift und lässt es pendeln. Mal pendelt es links und wieder rechts, mal pendelt es hoch und runter. Es pendelt sehr unruhig. Daraufhin nimmt er die Zeitschrift wieder auf, breitet sich diese wieder vor sich auf dem Tisch aus und notiert sich dieses und jenes. Er macht auch ein ersichtlich glücklicheres Gesicht dabei. Die Zeitschrift packt er sorgfältig in eine Tasche seiner Wolljacke, nimmt den letzten Schluck von seinem Tee, bewegt sich gemächlich zur Geschirrrückgabe, stellt die leere Tasse an dieser ab und verlässt den Laden mit langsamen Schritte.
Bestimmt schliesst er gleich die beste Wette seines Lebens ab, ausgependelt ist diese zu mindestens.

Das in Flammen stehende Herz

Ich habe das Gefühl, dass ich ihr meine Welt geöffnet habe und sie einfach eingetreten ist, ohne Gewissen, ohne Verstand, nur mit der reinen Absicht diese meinige Welt zu beschmutzen, in alle Ecken getreten, jeden Winkel mit Schmerz und Leere hinterlassen, das schmerzende Feuer entfacht zu haben. Sie war nicht bereit für diese Welt, für diese zweisame Welt. Sie sah nicht den anderen Menschen zu dieser Welt, sie sah nur sich und die ihrigen Bedürfnisse. Dabei brennt das Herz lichterloh, auch wenn man denkt, dass es vergeht, irgendwann gelöscht sein sollte. Doch die Flammen steigen immer wieder, von neuem auf, durchziehen den ganzen Körper, dass die löschenden Tränen nicht im inneren löschen können. Sie fließen einfach nur raus und versinken im Stoff der Kleidung. Und das innere brennt vor sich hin.
Lecke du ruhig deine Wunden, die du dir selbst zu zuschreiben hast, so lange du sie noch lecken kannst. Mach dir ein schönes Leben, mach Party, hab Spaß, aber projiziere, übertrage, verschiebe nicht deine Freudlosigkeit auf die Anderen, mach deine Unsensibilität nicht zu der der Anderen, lass die auch an dich ran, die dir nichts böses wollen, die dir nahe stehen, auch wenn du es nicht als dieses wahr nehmen kannst, willst. Es könnte ja Schmerz bereiten, diese Anderen könnten ja einem im Weg stehen und auch noch bleiben.
Derweilen verbrenne ich, erliege den Schmerzen, versuche einen Schritt raus aus dem Gedankenrad. So kann ich nur hoffen, dass diese Flammen kleiner werden, dass sie eines Tages erlöschen, dass der Wind mich einfach nur wegfegt.

Fotoapparate, Schallplatten und wir reden analog

Das Schaufenster lächelt mit einem schwarzen Lächeln, mit alten Objektiven und gebrauchten Kameras. Preisschilder stehen herum und preisen die Ware billig und auch teuer an. Das Winterwetter umspült die Gegend, die schleichenden Autos, das spazierende Fussvolk. Ein älterer Herr schaut auf eine Kamera und spricht. Er spricht nicht zu sich, auch nicht zu jemand anderen, nur zu mir. Ich drehe mich zu ihm, nehme die Ohrhörer ab und er spricht und spricht.
Die eine Kamera ist die Beste von all den da, im Schaufenster. Die war damals schon teuer. Jetzt muss man noch immer viel zahlen.
Ja, scheinbar.
Die kleine Kamera da, die hatte ich dann, machte gute Bilder.
Aber die ist klein. Bestimmt waren die Bilder nicht so gut, wie von der anderen.
Man musste immer mit Film rumhantieren, Jetzt ist ja alles Digital.
Er zeigt mit seinen Händen, wie eine Filmrolle aufgerollt wird. Ich schallte die Musik aus, die digital schallende Musik. Wird wohl länger werden. Er dreht sich wieder zum Schaufenster, fixiert aber keinen Apparat.
Vor fünf Jahren, ja, vor fünf Jahren, da hatte ich digitale Bilder gemacht. Habe so nen Drucker, hab die ausgedruckt. Es fehlt jetzt nach fünf Jahren die Tiefe. Die Augenbrauen sind nicht mehr schwarz, damals war Tiefe drin. Jetzt sind sie braun. Man benötigt grün, blau, gelb und…schwarz. Jetzt sind sie braun und dünn.
Wie jetzt? In der Datei?
Was? Ja, auf dem Foto. Sie sind dünn geworden. Die Augenbrauen sind dünn geworden, haben keine Tiefe mehr. Ich habe da so nen Drucker. Die drucken ja auch nur noch.
Aber die Datei ist doch noch, oder? Dann kann man die nochmals ausdrucken.
Ja, aber die Brauen sind nicht mehr schwarz.
Filmrollen sind immer noch besser. Da kann man die Bilder noch entwickeln.
Ach, die machen das doch alles nur noch mir Drucker, bestimmt mit wenig Farbe. Die drucken nur noch.
Er entfernte sich mehr und mehr. Das Gespräch schien beendet, ohne Verabschiedung. Er drehte sich wieder mir zu.
In dem Haus da drüben, da habe ich mir einen Schallplattenspieler gekauft. Die haben zehn oder mehr an neuen Plattenspielern. Schallplatten sind langlebig. In dem einen Laden, dahinten, die Strasse rein, dann um die Ecke und nochmals um die Ecke…man kann auch die Strasse entlang, dann die Querstrasse rein, dauert aber länger. Da habe ich mir die Callas geholt. Da gibt es nur Schallplatten. CDs gibt es auch, aber nur Platten, die haben da richtig viele. Da gib es auch den Zimmer…Zimmerman, die Amerikaner haben nen anderen Namen für ihn. Scheisse!!! Wie heisst der den gleich noch?
Dylan, Bob.
Ja? Jedenfalls, der eigentlich Zimmerman heisst. Den haben die da auch.
Er entfernt sich wieder, er entfernt sich deutlich. Das Gespräch will er beenden.
Die haben Platten für zwei, drei, ein Euro und du hörst einen Kratzer, dann hört man sich das an, zu Hause, die haben auch da Plattenspieler, die kann man sich anhören. Die können ja nicht alle tausend Platten durchspielen. Du bekommst dann eine neue Platte. Da geht man einfach dort hinten die Strasse entlang, um die Ecke, dann noch mal um die Ecke, ist gar nicht so weit.
Aha, gut zu wissen.
Es gibt neue Plattenspieler, da kannst du dir die Platten alle anhören, die leben lange.
Er dreht sich wieder von mir ab, entfernt sich humpelnd und überquert die Kreuzung. Sein lichtes Haar wird von den Schneewehen zerzaust. Ich schalte meine digitale Musik ein und setzte die Ohrhörer wieder auf. Der Schnee peitscht. Die Leute laufen ihres Weges, die Autos schieben sich durch den Matsch, ich schaue dem Herren noch einmal hinterher, kann ihn aber nicht erblicken. Er ist verschwunden, bestimmt dahin, wo er Callas, Zimmerman und vieles mehr anhören kann und vielleicht seine Fotos neu druckt.

Ein Schatten im Schnee

Die Laterne leuchtet, der Schnee fällt in Hülle und Fülle, der Wind wehte Tage zuvor. Hände fassen in den angehäuften Schnee, Kälte sticht durch sie hindurch und fliesst die Arme hinauf, verteilt sich im ganzen Körper, kühlt ihn einfach nur durch. Ein Schluck vom Klaren, ein Griff zu den Kippen, wieder zwei Schluck, die Hände im Schnee, die Kälte bleibt aus. Der Schnee spendet Wärme, der Kopf ist leer, die Flasche bald auch. Alles liegt im Schnee, die fallenden Flocken bedecken die Hände, die gerauchte Packung Kippen, die getrunkene Flasche, den leeren Kopf, den aufgewärmten Körper. Das Radio im vorbeifahrendem Auto spielt Elvis, die Laterne leuchtet mit schwachem Licht und der Schatten schläft, schläft und schläft im ewigen Schnee.

Zwei Grad nach hinten und acht Hände zur Sonne

Da laufen sie, da schlittern sie, da kauen sie, einer nach dem anderen und sagen keine Silbe, keine Gereimtheiten, lassen alle Großartigkeiten hinter sich, blicken sich nicht einmal um. Sie waren die die Blüte vom Strauss, die Wonne im Groben, die Gemeinsamkeit im Alleingang, sie waren uns lieb. Doch ihnen war es nicht genug, sie wollten das andere mit dem einen und das eine mit dem anderen, alles in einem und anderen. Geblieben ist der Schmerz, die Grausamkeit, die Schlaflosigkeit. Ihnen war ein Bett gebettet, ein Mahl bereitet, helfende Hände gereicht, doch geblieben ist die Nutzlosigkeit, die Aufopferung, die Kälte.
Aber sie wollen nicht anders, sie spucken, lassen alles spürbare abprallen, geben ihrer sinnlosen Handlung den entsprechenden Sinn zum sprunghaften Blenden aller, die ihnen nicht verbunden, angenehm oder gar zerstörerisch anderen gegenüber gesinnt sind.
Sie lassen die Katze aus dem Sack gestückelt in feine Teile und gefroren.
Es bleibt nur die ständigen Selbstzweifel, dass sie einem am Herzen gelegen haben sollen, dass man sich ihnen ausgeliefert hat, ihnen nach Faden und Strich vertrauen schenkte, für immer und immer wieder die passenden Ausreden finden konnte.
Es bleibt aber der Griff nach viel mehr, als daran zu erbrechen.

Eine leere Morgenzeit

Es ist früh, es ist dunkel, das Blut läuft aus der Nase und sickert langsam in den Pullover.
Kindergeschrei schallt in alle Räume. Ein Hund bellt lautlos im Garten. Alle Fenster sind geöffnet. Die Spülmaschine spült vor sich her, ohne dass sich was zum spülen in dieser befindet. Die Ratten laufen auf und ab, knabbern hier, knabbern da. Ein süsslicher Geruch liegt in der Luft. Die Strassenreinigung spritzt den Dreck von den Wegen und bürstet diese fein. Die Katzen schleichen sich. Der Regen bricht ein. Das Brot ist noch nicht geschnitten und der Magen knurrt.

Das Sabbern

Kann mal wieder nicht schlafen, die dunklen Fäden schleimen sich aus meinem schmerzenden Mund hinab auf die frisch gewaschene Bettwäsche und machen nicht erkennbare Spuckeflecken auf dem dunklen Stoff, der Kiefer biegt sich in alle gefühlte Richtungen, das Radio schmeisst alle unhörbaren Lieder in den Äther und doch höre ich zu. Der Regen prasselt noch gar nicht gegen die Scheiben, die Schlaflosen torkeln lärmend die Strassen entlang und der Schmerz schmerzt weiterhin.
Ein Schluck vom kühlen Getränk zischt am Kiefer vorbei, direkt hinab in die saure Verdauung und kühlt die Röhre für den augenblicklichen Moment. Und der Schmerz schmerzt weiterhin und das Sabbern klingt nicht ab, die Wäsche wird genässt und der Gedanke an bald bringt auch nicht die nötige Kurzweiligkeit.
Ich springe auf und ab, der Boden biegt sich, ich schaue hinaus in die weite Welt, Tränen feuchten die Wangen, ich suche das Badezimmer auf, die Zähne sind zum wiederholten Male geputzt. Nur die Augen lassen sich nicht schliessen, das Träumen nicht einschalten, die Schmerzen nicht aufhören zu schmerzen.

feiner Geruch

Ein Eiskristall schwebt hernieder, langsam vor sich, flatternd im leicht säuselnden Wind und erreicht meine Nasenspitze, auf der dieser sich dahinschmelzend in die kleinen Hautporen verkriecht. Unerwarteter Geruch steigt plötzlich auf, eröffnet sich und gibt meinem Ich wieder die Erfahrung des längst vergessenen, fast verlorenen Sinnes für diese langsamen Gerüche. Der Staub, der feine graue Staub von den Dächern der Großstadthäuser macht sich breit, die silbernen Klingklangs ziehen ihre Bahnen, die violetten Getierausdünstungen springen einem wieder entgegen. Das alles macht einem Vergessen, daß einige Minuten zuvor die Leute einem Gegenüber in den Bars der Welt unentwegt die Sprache der Computer besprachen, Neuerwachsene sich nicht wirklich in großer Gruppe platzierten, Raucher in einem sehr kleinen Raum, dessen Wände Licht wie Brüste trugen, muskulös bepackt, braun gebräunt, aufgespritzt in den Ecken lungerten, wo sie sonst eigentlich so gar nicht in diesen Ecken lungern würden und daß diese feucht windige Luft einem die Finger zum frieren brachte. Dieser unaufregende Donnerstag in der Stadt ist auch nun vergangen, die sich zielvoll dahin Bewegenden marschieren dem nächsten Tag entgegen, die Lichter eröffnen den Sinnen Neuigkeiten von gestern, heute und morgen.
Es riecht, riecht und riecht angenehm, unangenehm und der Kopf zersägt sich im Inneren zu einer Geruchsmixtur.

Leergut

Die Straße entlang, den Weg zum Supermarkt, die Flaschen, geleert zurückzubringen, war was getan werden wollte. Die halb eingerisseneTüte war voll leerer Flaschen, tropfender Bierflaschen, einigen auslaufender Limoflaschen und einem klebrigen Joghurtglases.
Zu viele Leute gingen den gleichen Weg, viel zu viele und sie schubsten, stiessen gegen diese Tüte, dass sie immer weiter und weiter einriss, bis beinah alles Leergut auf Stein zerbersten hätte können. Der Annahmeautomat war doch dann ohne Scherben erreicht, das stinkende Leergut nach und nach in das noch mehr stinkende Einführloch gegeben, den Knopf für die Ausgabe des Bons über den zu erhaltenden Betrag gedrückt und diesen Zettel auch erhalten, ging es schnurstracks zur Kasse um den Betrag auszahlen zu lassen. Angestanden für den Moment, für einen kurzen Moment. Ein Typen an der Kasse liess sich eine Flasche Bier abkassieren; dem war kaum kalt, er hatte nur eine Unterhose und eine weit geöffnete, gefütterte Jacke gekleidet, schaute immer wieder in alle Richtungen, machte immerwieder ruckartige Bewegungen, als wenn er immer wieder Flaschen durch dei Gegend werfen müsste. Die Flasche Bier öffnete er gleich und trank sie auf dem Weg zum Leergutautomaten, gab die Flasche dann gleich wieder ab und kam sofort zurück zur Kasse, liess sich den Pfandbetrag auszahlen, legte aber auch weitere Artikel der Kassiererin hin um diese dann auch zu bezahlen. Die wartenden Kunden wurden ungeduldig, wollten auch ihr Pfand ausgezahlt bekommen, und zwar schneller als gleich.
Der nur in gefütterter Jacke und Unterhose gekleidet Typ machte sich dann auf der Rolltreppe gemütlich, indem er sich setzte und eine Packung Butterkekse öffnete und die einzeln verspeiste. Nachdem die Rolltreppenfahrt aufwärts beendet war, fuhr er abwärts und dann wieder aufwärts. Er aß die Kekse.

Zwei Seiten abgelaufen, kurz hinübergeschaut und doch wieder eine Falte mehr erlaubt

Es ist kein Zuckerschlecken, dass ein jeder in so einer kleinen Birne steht, lauscht, es kaum abwarten kann wieder auszusteigen, aus dem Zauber des Verlustes und dabei sich der Illusion hergibt, kein Etwas zu werden.
Mit jeder Bewunderung von anderen Läufern, Stehern, Sprechern bleibt die Obstfrucht auf der Strecke, zieht sich der bestimmte Kommentar durch den ganzen Körper, zeigt die Blume ihre verwelkte Seite.
Immer wieder durchleben sie alle die Lüge des Granits. Und morgen gehen sie doch dann alle wieder schön schlafen, damit sie ausgeruht den Himmel in seiner erhabenen Pracht am nächsten Tag betrachten können.
Dem Kreis verlaufen, ziehen sich die Schlüsse in den Bauch der Zerschlissenen.

Es war was es wird und ist wie es sein muss

Huch, war da nicht gerade ein schwarzes Loch, eine Kerbe im Fleisch, ein großer Leerlauf? Ja, das ist auch noch immer da und verlässt einen nicht. Die Summe dieser ganzen Umstände ergeben ein neues Ganzes aus den Umständen und doch ist es vertraut. Nichts wird anders und doch ist es neu. Wir sind aber in der Lage das als Gutes im Schlechten, als Schlechtes im Guten zu vereinen. Dann tanzen wir auch nur im Dreieck. Das können wir aber gut. Ein bisschen Schnee, ein wenig Regen, zwei kleine Strahlen der Sonne und der Tag wird dann doch zur Nacht, die Stunden bleiben bei den Minuten, die Kurve zieht sich zu einer Strecke. Es bleiben die Momente, es werden die Reaktionen und wir sind weiterhin.
Demnächst war alles getan und doch ist es nicht wahrlich vertraut.

Der Baum schreit leise in sich hinein

Ein vorsichtiger Blick in die Ferne gab den Schein eines heftigen Rückblicks in die ferne Zukunft und macht das Marmeladenbrot zu einer gravierenden Spielerei der ganzen Ungewissheit des eigenen Seins. Die Springer springen einfach dann auch nicht, haben es auch nie getan, werden es auch nie tun. Die anderen machen es den Springern gleich, bleiben bis sie nicht bewegt werden stumm da stehen. Ein bleiernes Ungestüm macht sich wiederum breit, so breit, dass es einfach nur den Becher aus Aluminium umkippt.
Was machen da nur die Beine? Sie bewegen sich, bewegen sich immer fort, ohne dass der Körper an sich die Energie aufzubringen bereit ist. Es wackelt, es schiebt sich, es entsteht eine Rhythmik, die ungewollt vor sich hin macht und nichts kann es aufhalten. Die Stuhlbeine geben Geräusche und versinken im Sand. Die Freude eines Spiegelbildes ist unerkennbar und macht Angst, lässt das Blut gefrieren, die ganze Situation explodieren, ohne dass sich wirklich etwas bewegt.
Nicht das Sein ist in Frage gestellt, sondern das Ungewisse. Lasst uns alle schreien ohne jeglichen Ton, ohne einem Bild.

nächtliche Bewegung

Ein schwarzer Streifen läuft in dieser wahnsinnigen Dunkelheit seines Weges entlang, sprüht dunkelgraue Funken, macht eine Biegung hier eine Biegung dort, lässt alle schwarzen Leute an den Ecken, Bordsteinen, im hellem Schwarz des aufsteigenden Nebels staunen, gaffen, dessen nicht vorhandene Augen ausfallen. Ein Streifen von unsagbarer Länge flitzt, zieht einen Schweif von unaussprechbarer Faszination, gieriger Eindringlichkeit hinab, hinauf, herüber, ohne dass die Allgemeinheit es wirklich wahr nehmen kann und bahnt sich seinen Weg.
Wir sind alle dabei. Wir alle machen uns nichts daraus. Wir lassen ihn machen.
Der Streifen verändert sich nicht in seiner Farbigkeit und verlängert nur die Gier seiner selbst.
Die dunklen Gestalten gingen gern mit, wenn deren Schnelligkeit ebenso da wäre. Der Streifen kann diese nicht mitnehmen, ihm bleibt nur seiner selbst.

Keyser Söze and the Rabbit

Und da bin ich wieder aufgewacht. Hab mal wieder alles verpasst. Nicht unbedingt alles, nur den Film, ab der Hälfte. Bin auch vielleicht früher ausgestiegen. Zum wiederholten Mal. Des öfteren bleibe ich nicht im Bild, versuche mich zwar aufrecht zu halten, aber den Kampf mit dem ermüdeten Körper verliere ich doch dann immer wieder. Es gibt ja genug Tage noch, da versuche ich es einfach noch mal, wenn dann nicht wieder so ein Hase mich verdächtigt so üblich verdächtigt, die Karotten im Supermarkt geklaut zu haben. Nicht nur eine, sondern gleich alle. Das habe ich aber nicht, bin nämlich gleich heute Morgen hin und die waren alle noch da, diese Karotten, sogar noch mehr als sonst. Der investigative Hase, das bezeichnende Karnickel oder was auch immer hat sich vertan, mich falsch verdächtigt, aber übel mitgenommen, bezichtigt mich immer wieder einer Tat, die ich dann aber doch gar nie getätigt habe. Diese Langohren machen ihre Arbeit auch nicht mehr, so wie sie von ihnen verlangt wird. Aber immer dann steht dieses Tier vor mir und hält mir sein digitales Quarzgerät vors Gesicht und meint, dass ich schnellst möglich mich schuldig zu fühlen und mich irgendeiner Tat zu bekennen habe.
Diesem Hoppeltier werde ich es aber zeigen, gleich beim nächsten Auftauchen seiner Seits zeige ich ihm wo der Hase hängt und gebe ihm die Karotten, die Quittung gleich hinzu. Morgen versuch ich zu mindestens diesen Film bis zum Ende durchzuhalten, in dem ich schon zuvor schlafe, dann schaue und falls dieser falsche Fuffziger doch auftritt, ihm die Nummer vom Kobayashi gebe.

 

 

 

Gourmet-Abend

Es schallen aus dem kleinen Radio der Küche ein paar vergangene Worte, die Maschine wäscht die Wäsche in ruhiger Gleichmässigkeit und immer weiter, das Besteck stösst gegen den Teller, gegen das biergefüllte Glas. Im Treppenhaus wird das Licht eingeschaltet, die Treppen werden steigend genutzt, ein Windhauch schmeisst Laub gegen das Fenster und die falsche Wiener bleibt geräuschlos, auch wenn das Messer hineinsticht. Das Brot knackt beim Biss, dabei fallen die Nüsse vom Brot auf den Teller und rollen mittig. Das Bier blubbert kleine Bläschen. Der Senf klebt an den falschen Wienern wie an richtigen und schmatzend werden diese verdrückt, genussvoll, ohne auch nur einen Rest zu lassen. Mit dem geschmierten Brotscheiben werden noch die letzten Senfreste vom Teller gekratzt. Das sich langsam aufwärmende Bier wird noch schnell bis auf den letzten Schluck verzerrt. Ein Essen am Abend mit nicht mehr.

Ein Strauss Blumen in farbloser Pracht

Es steht eine Vase voll Blumen in einem kleinem Schaufenster von einem netten Schuhreparaturladen neben der gut besuchten Fleischerei in dieser beschaulich unheimlichen Stadt, ohne dass es irgendwer wahrnimmt. Diese Blumen stehen schon lang nicht mehr in ihrer Pracht, sie sind schwarz, verwelkt, hängen mit den Blüten tief, sehr tief sogar. Auch sind die Scheiben schon lang nicht mehr geputzt worden und sie tragen den Dreck der Autos, des Fussvolkes, der Tiere, die an dieser Stelle, in dieser Strasse entlangkommen, vorbeischauen, obwohl sie nicht wirklich ihre Häupter diesem Geschäft gegenüber heben und mal diese Vase wahrnehmen, nur damit sie in dem Fleischerladen nebenan ihr täglich Fleisch erstehen und wieder aus der Gegend verschwinden können.
Dieser Schuhlreparaturaden ist schon seit geraumer Zeit geschlossen, denn der Inhaber musste sich in ein Krankenhaus begeben wegen einer schweren Fleischvergiftung, herrührend vom Fleisch des Nachbargeschäfts. Die Vergiftung veranlasste seinen Tod. Der Laden steht seit dem ohne kümmernder Hand neben dem Laden mit dem Gift und lässt die unangerührten Blumen welken und hängen. Der Schuster stellte an sich selten Blumen ins Fenster, aber kurz vor seiner Vergiftung kam ihm der Drang Blumen ins Schaufenster neben reparierten, niemals abgeholten Schuhen zu stellen. Die Trauer steht im Fenster zur Schau vom Schuster und keiner macht mit, keiner erfährt je von seinem Unglück und niemand ist vorgewarnt, dass dieses Schicksal sich denen gegenüber wiederholen könnte. Alle kaufen sie fleissig weiter ihr Fleisch im Geschäft nebenan und das Fenster des Schusters trägt die Trauer, die Vergiftung, das Schicksal ihnen vor Augen, die sie nicht heben, um es zu sehen.

Die zwei Gullydeckel

Die Bäume an diesem einen Strassenrand, an dieser kleinen übersichtlichen Ecke tragen noch ihr Gewand, aber der Bordstein senkt sich allmählich und daneben liegen diese beiden Gullydeckel eingelassen in der Strasse. Sie sind beide schwer, kaum hebbar und hintern die entlangkommenden Gänger daran in die Strasse zu fallen. Sie liegen da sehr gemütlich vor sich daher, ab und an tritt sie jemand und kein Irgendwas kann sie aus der Ruhe bringen. Trotzdem schlafen sie keine Minute, denn sie müssen immer acht geben, denn wenn sie es nicht täten, dann kann alles und jeden die Strasse verschlingen, auch die beiden Deckel. Just in einem unachtsamen Moment, da der linke Deckel sich was merken will und an sich nur eine Sache kann, also entweder die Strasse dicht machen oder was anderes, was aber eben nicht passieren darf, da er sonst mit allem um sich verschlungen werden würde, bricht er in die Strasse hinein und verliert sich im Gully. Der rechte Deckel bemerkt das und will seinem linken noch helfen und fällt ebenso gleich in den Gully und wird verschlungen von der Strasse. Dadurch ist die Strasse zweifach geöffnet und kann alles verschlingen, in ihren Abgrund saugen, sich selber sogar herunterschlucken. Die Bäume an dieser Ecke verlieren als aller erstes ihr Gewand, um dann gleich mit in den Grund abzurauschen. Jegliche Person, jegliches Tier, alle Pflanzen, die an dieser Strasse vorbeikommen, werden hinuntergezogen bis nichts mehr übrig bleibt als eben die Strasse selbst.

Ein Wartehäuschen, ein Wartender und das Warten an sich

Was schaust du so, so großäugig, so gespenstig, so gemein, wie du da so langsam, wirklich sehr langsam um die Ecke schleichst und in wirklich unanständiger Gemächlichkeit herbeigerollt kommst, du riesiges Ungetüm an Menschenschlucker und -spucker, du stinkender, russender Omnibus. Ja, du hast recht, es ist nicht nett, fein, zuvorkommend dich in Gedanken zu beschimpfen, wo du einen doch von Punkt hier nach Punkt dort befördern kannst und das auch tust. Aber wie ungern stehe ich nach dir sehnend so daher, in der Ungemütlichkeit, in dem Wahn der Lärmenden, in der Geschwindigkeitsucht der Riechenden, im Nebel der lauthalsigen, vorbeiziehenden Kutschen, im Dunst dieser anderen Monster. Du ziehst dann immer so ein fast schon feixendes Gesicht, wie ein Gesicht für so ein quietschendes Fahrmittel nicht sein muss.
Befördere mich einfach! Zieh von Punkt zu Punkt und lass deine Gäste mitziehen!
Ja klar, müssen wir dir dankbar sein für deine Aufnahmefähigkeit, für deinen Großzug, dass du uns auch alle mal hierhin, mal dahin bringst. Aber schau doch mal freundlich, einladend und nicht immer so, als wenn wir, die wir da mit dir wollen, etwas verbrochen haben und dann kommst du auch noch so kriechend daher.
Wir lieben dich nicht, müssen wir auch nicht. Wir wollen doch alle nur mit. So nimm uns, wie wir sind, was wir auch sind und schau freundlich!

Ein Schauer, ein Sturm, brechende Äste, fliegende Blätter

Ich habe gerade Weltuntergang vor der Tür, vorm Fenster, an der Mauer gegenüber, es regnet, scheppert, die welken Blätter gefallen vom herbstlichen Herbst zerreißen in der Luft vom stürmischen Sturm, das Licht wird von den dunklen aufkommenden Wolken gedimmt und ich wollte gerade mir eine Kleinigkeit im Supermarkt nicht unbedingt nebenan besorgen. Daraus wird wohl gerade nichts, denn nass, zerzaust, verunwettert werden möchte ich gerade nicht. Da bleibe ich doch stinkend in der Bude hocken, warte dadrauf, dass ich wieder die Fenster öffnen, frische, feuchte, abgekühlte Luft einlassen, in meine Lungen einatmen kann. Besorgungen sind da nicht so dringend, die kann ich auch morgen machen, oder einfach nur später. Auf dieses Warten mache ich mir erst einmal einen Kaffee um auch gewappnet, auf der Hut zu bleiben, denn auch solch ein Unwetter will abgewartet sein.
Und wie der Kaffee so fertig gebrüht in meiner Tasse pö a pö vor sich daher abkühlt, kitzelt sich die Sonne mit heller Kraft durch die sperrigen Wolkenmassen und erhellt innerhalb weniger Momente die blattübersäten Strassen und diese welken Baumüberreste schimmern feucht gülden mir in die Augen. Ein Herbsttag wie aus einem Bildernachschlagwerk.

Montag, am Morgen

Es lärmt, es schallt aus allen Ecken,die Montag-Morgen-Geräuschkulisse. Es bewegt sich was, das am Tag zuvor nicht hörbar war. Es bewegte sich nichts am Sonntag. Doch am Montag, da laufen die Arbeiter, die Einkäufer, das Fussvolk, die Bahnfahrer in alle Richtungen und machen Lärm, unangenehmen Lärm. Der Wochenanfangs-Rhythmus wird gespielt in aller Frühe. Die Strassenbahn bimmelt hier, Automobile rauschen dort entlang, ein Besen scheuert die Wege entlang, die Müllabfuhr brummt vor den Eingängen der Wohnblocks, das aufgeregte Klacken von Schuhen geben ein Tempo an, das Tempo der Aufgeregtheit, aber keines Aufbruches. Kleinkinder quatschen durcheinander, reden mit ihren Eltern, weinen auch mal, treten auf ihren Tretrollern, Dreirädern, Fahrrädern mit Stütze. Da rascheln welche mit ihren Zeitungen, ihren Tageszeitungen, wartend auf ihre Mitfahrmöglichkeiten. Ab und an rauscht ein Flugzeug am Himmel vorbei, brüllt ein Hundehalter sein Hund an, lässt ein Verspäteter seinen Schlüssel fallen, knallt eine Autotür, startet ein Motor, fallen Metallstangen aufeinander.
Es scheppert, klingt, klirrt, brummt, klackt an einem jeden Montagmorgen aus und in alle Winkel der Strassen, der Städte, des Landes. Es ist früh, es ist laut und alle machen mit.

Eine Seite auf der anderen und auch noch leer

Das Flugzeug fliegt tief, die Räder werfen einem den übel riechenden Geruch ins Gesicht, das Volk drauf zehrt den Gestank mit und alle anderen tänzeln um ihre eigene Achse.
Ein paar leere Gläser springen den Asphalt hinunter ohne eine Scherbe zu werfen, sie scheppern nur laut und klar. Das freut die Kinder, die am Wegesrand stehen und dessen Mütter die Nasen ihrer Kinder zuhalten. Der Geruch schiebt sich langsam auch ohne Hilfe seinen Weg an den leeren Gläsern vorbei, entlang den Asphalt bis hin zu den Müttern mit Kindern. Kein weiteres Fahrzeug zu sehen, nur immer wieder ein Rad hier, ein Rad da und wieder ein Rad hier, die den Geruch auch aufwirbeln, mit sich ziehen, in den Ecken verteilen. Die Kinder wollen wissen, wissen, woher es so riecht, warum es so riecht und wieso es nicht gut sei zu riechen. Die Mütter antworten nicht. Sie brauch nur zu wissen, dass es nicht gut ist. Mehr erfahren die Kinder nicht, brauchen sie auch nicht, denn sie müssen ja nicht alles wissen, die Mütter wissen ja auch nicht alles. Nur den Geruch, den kennen sie. Nur verraten werden sie nichts.
Die Mütter treiben ihre Kinder ins Bett und die Nase wird zugehalten. Die leeren Gläser bleiben am Rande des Asphalts liegen, nicht mehr beachtet von den Kindern, deren Nasen weiterhin zugehalten werden. Die Räder bleiben auch aus. Es herrscht Ruhe, stinkende Ruhe bis zu der Zeit, als ein tosender Lärm sich breit macht. Die Kinder schlafen schon längst mit einer Wäscheklammer auf ihren Nasen geklammert.
Den Müttern fröstelt es. Die stinkenden Ungetüme torkeln, springen, spucken, schreien, lachen, lärmen sich ihren Weg. Ein jeder Stinker bewegt sich zu seiner Frau und seinen Kindern. Den Frauen fröstelt es weiterhin. Die Kinder schlafen mit Klammer auf der Nase.

Ein Tag mehr und dann noch mal einen Zug dazu

Es stieg wieder nach oben, dieser Qualm, diese Rauchschwaden, der Nebel, der so fein und nur für kurz dahin schwebte, in die Lüfte, gen Himmel. Es war der Zigarettenrauch vom Nachbarn unter mir. Ich schaute kurz nach unten, er bemerkte es immer, ein jedes mal legte er seinen Kopf leicht in seinen Nacken und schielte verschmitzt schräg zu mir hoch, zog an seiner entspannt im Mundwinkel hängenden Filterlosen und pustete mir den Rauch förmlich in mein kleines unschuldiges Gesicht. Er lächelte wie man es von den Filmen mit den rauchenden Schönheiten her kannte. Er rauchte einen Film Noir, eine Suspense, einen Nouvelle Vague, etwas in schwarz-weiss ohne auch nur einen Hauch von sich dessen nicht bewusst zu sein. Er spielte mit einem, immer die Zigarette, immer diese Filterlosen ohne auch nur ein anderes Rauchwerkzeug zur Hand oder gar in den Mund, von denen irgendeinen Zug zu nehmen. Er rauchte und rauchte, am offenen Fenster herausschauend, zu mir aufschauend mit diesem Lächeln, diesem Filmlächeln.
Auf der Strasse, wenn man ihn traf, im Mundwinkel die Filterlose, lächelte er einen an, bewegte langsam mit viel bedacht ein jedes mal seine rechte Hand zur Kippe im Mundwinkel, zog einen kräftigen Lungenzug und sagte in einem sehr höflichen Ton, mit einer leicht kratzigen Stimme: „Einen wunderschönen guten Tag!“
Während dessen quoll ihm der Qualm aus dem Mund und der Nase an seinen Augen vorbei und verflüchtigte sich, wurde Eins mit der Atmosphäre. Jeden, den er kannte grüßte er. Die meisten kannte er nur vom Sehen, oft waren es doch nur die Nachbarn. Er rauchte jedenfalls überall, zu jeder Zeit.
Nach einigen Jahren, ich war dann schon nicht mehr sein Nachbar, denn das elterliche Haus war mir schon lang nicht mehr mein Zuhause, war ich zu Besuch in der Gegend, im Haus, bei meinen Eltern. Ich schaute aus dem Fenster, schaute nach unten zu dem rauchenden Nachbarn. Aber er rauchte nicht, er stand nicht am Fenster, schaute nicht zu mir hoch, lebte keinen Film, rauchte mir nicht ins Gesicht. Sein Rauch war schon viele Jahre verraucht. Mir berichteten meine Eltern, dass seine Wohnung nach seinem Verschwinden, Ableben, Tod, seine Wohnung nicht weiter vermietet werden konnte.
„Es roch da ja nur nach Rauch.“
Auch zu meiner Besuchszeit wohnte noch immer keiner in dieser Räucherkammer. Irgendwie roch ich, wie ich so nach unten aus dem Fenster schaute seinen Qualm, seinen Rauch, seine Filterlosen. Ich roch seine Kippen im Mundwinkel eingeklemmt und es erklang mit viel Qualm und Nebel: „Einen wunderschönen guten Tag!“
Ich roch sein Lächeln, den Film ein Fenster tiefer.

Zwei Schachteln und ein kleine Packung

Der Kaugummi klebt, klebt am Schuh. Er klebt an der Sohle, unter dem Schuh und macht dem Schuhträger sicher zu schaffen. Aber er läuft und läuft weiter. Der Schuh klebt bei jedem Schritt am Beton, Asphalt, am Kopfsteinpflaster, der Schuh ist zäh im Tritt. So ein Marathon hat sich der Schuhträger nicht vermutlich zuvor vorgestellt. Jetzt läuft er den Marathon mit einem klebenden Kaugummi am Schuh, unten an der Sohle und hindert den Schuhträger schnell zu laufen, marathonmässig wegzuschnellen. Er tritt förmlich auf der Stelle.Er zieht den Fuss mit besagten Schuh nach, immer nach dem Auftritt. Ein zäher Marathon für diesen Schuhträger. Die anderen Schuhträger ziehen an ihm vorbei, ohne Kaugummihindernis am Schuh. Auch nach einigen Metern, gar Kilometern verbessert sich seine Situation nicht, der Kaugummi klebt und klebt am Weg und an seinem Schuh.
Unerwartet bleibt dieser Schuhträger stehen zieht sich seinen Schuh mit dem klebenden Kaugummi aus, den anderen Schuh gleich mit und die Socken ebenso. Er wirft alles vier in eine Ecke und läuft, läuft los. Er rennt um den Marathon, holt alle anderen, die ihn zuvor überrundeten ein und läuft was seine Kräfte hergeben. Einige Meter vorm Ziel erreicht er mit einigen anderen die Spitze und er versucht der Anführer dieser zu werden. Doch ein Kaugummi auf der Strecke hinter ihn daran, denn er bleibt mit seinem Fuss an einem Kaugummi hängen, der Kaugummi bleibt an seiner Fusssohle kleben und klebt auch auf dem Asphalt. Er bleibt nach einigen klebenden Schritten stehen und versucht sich die Fusssohle vom Leib zu reissen.

Am Tag, wenn sich alles wegorientiert

Sie liegt neben ihrem Erbrochenem. Da liegt sie so und dreht sich nicht, bewegt sich nicht, ruckelt nicht ein bisschen, nicht ein Millimeter. Ihr Erbrochenes kann auch das von ihrer Freundin sein. Sie sitzt auf der anderen Seite von dem Erbrochenem. Beide schlafen, schlafen ihren übermässigen Genuss von kurz zuvor weg. Die morgendlichen Sonnenstrahlen kitzeln ihren Nasen. Sie schlafen weiter. Es kitzelt sie nicht. Die Sonne versucht es weiter. Sie kitzelt weiter. Beide bekommen es nicht mit und lachen auch nicht. Sie schlafen. Zu viel genossen an den Stunden zuvor.
Ein plötzlich auffauchender Wind durchschubst die Blätter an den Bäumen, die sich im Halbkreis um die beiden Freundinnen aufgebäumt haben, dass vier fünf Blätter fallen. Sie fallen und fallen und verfangen sich in den dunkelblonden Haaren der beiden. Es ergibt ein unfreiwilliges Bild von gestellt sein, für eine Photostrecke eines Modehauses, einer Szene aus einem Film mit wenig Handlung. Beide mit grünem Blatt im Haar schlafen und der Wind lässt die Bäume rascheln, während die Sonne am kitzeln ist.
Die Spaziergänger, die sporttreibenden Läufer, Kinder auf ihren fahrbaren Spielzeugen schauen sie nur für kurz an und bewegen sich weiter auf ihren Wegen entlang durch den Park, in dem die beiden schlafend liegen. Vögel dieses Parkes springen vorsichtig an die beiden heran. Sie wollen sich nähren. Haben es auf das Erbrochene abgesehen. Langsam, vorsichtig, überlegt springen sie Meter für Meter an das Erbrochenen ran und picken. Die beiden Schlafenden schlafen weiter mit Blättern im Haar. Neben ihnen die Vögel pickend. Ein Hovawart nähert sich, die Vögel fliegen von dannen, der Wind setzt aus. Der Hund schlabbert den Rest vom Erbrochenem weg, bellt vergnügt und läuft weiter seinen Weg, seinen Besitzern hinterher.
Die beiden erwachen vom Hundegebell, sehen die wieder vom Winde rauschenden Bäume um sich gereiht, erblicken das Fussvolk durch den Park marschierend, ob Kind, Läufer oder auch Spaziergänger und entfernen sich gegenseitig die Blätter aus ihren Haaren. Sie stehen auf, schauen sich an, schauen sich fragend an, denn ihnen schmerzt der Geruch von Erbrochenem. Sie sehen nichts, sie riechen nur, verschlafen, geschuldet dem Genuss, dem sie sich Stunden zuvor ergeben haben.

Ein und noch ein und noch ein

Die blauen Wolken ziehen die Straßen entlang, reissen dabei den Bäumen die gefallenen Blätter von den Wurzeln, werfen riesige Schatten gen grünen Himmel. Es sind nimmersatte Wolken, denen man immer und immer die Getränke aus Span auf die Stufen stellen sollte. Während ihres Zuges klirren alle Gläser, die zwischen den Spalten der Abflüsse schlafen. Sie klirren und klirren, dass sogar die ständig tauchenden Vögel aufschrecken und sich gegenseitig die Schuppen abpicken.
Fliegende, gelbe Schweinchen folgen den Wolken um sie einzuholen und auf ihnen sich fallen zu lassen. Doch zu ihrem Bedauern sind sie in der Folge nicht schnell genug und werden die Wolken nie zu ihrer Sterbezeit erreichen, einholen, überwinden.

Die Kassiererin III

Die Herrschaft führten Johann vom amtlichen Fahrzeug hin in seine Wohnung, in der sich auch Maja, die eine seiner Mitbewohner befand. Maja war überrascht, aber verstand die Situation in der sich Johann befand gleichermassen, nachdem die Herrschaften ihr ausführlich die Lage erklärten. Sie sprach zu den Herrschaften, dass sie sich um das fehlende Restgeld kümmern würde und meinte auch, dass es nicht notwendig sei, ihm deswegen ein Verfahren zu machen, den Ämtern auszuliefern.
,Das haben wir nicht zu verantworten, das liegt einzig allein an den Gesetzesmäßigkeiten unseres Arbeitgebers. Und wer nicht passend zahlt, nicht passend zahlen kann, dem wird ein Verfahren gemacht. Dazu gibt es nun mal die Ämter. Da kann ein jeder kommen und sich rausreden wollen.‘
Maja nahm ihr Geldbeutel und begleitete die drei Personen zu dem amtlichen Fahrzeug, in dem sich ein amtlicher Fahrer befand und sie fuhren zusammen in das Einkaufshaus.
Zusammen betraten sie, die Herrschaften wieder den Johann unter die Arme gehackt, und Maja mit Geldbeutel die Ladenräume. Die Schlange wartete noch immer. Beim Anblick der Personen machte sich ersichtliche Freude bei den Wartenden auf. Die Kassiererin schaute geschockt. Ihr Gesicht wurde fahl.
,Maja, was machst du denn hier. Wolltest du nicht arbeiten?‘
Maja gab der Kassiererin, die zugleich auch ihr Mutter war zu verstehen, dass sie gerade nicht arbeite und sie den Johann um zwei Cent auszahlen müsse, denn für Mitbewohner habe man da zu sein und ihnen auszuhelfen. Die Kassiererin, nahm die zwei Cent von Maja, schloss somit den Kassiervorgang von Johann ab und kassierte die nächsten Einkäufer. Maja und Johann begleiteten die Herrschaften noch in das amtliche Zimmer um die nächsten Schritte zu erfahren, worauf sich Johann alles vorzubereiten habe.

Noch mehr von diesen kleinen Büchern

Unerwartet traten immer wieder Fussgänger gegen diese Stapel an Büchern, an kleinen schwarzen Büchern, die den Anschein von Notizbüchern oder gar Kalender machten. Den Fussgängern schien es egal zu sein, es waren ja nur kleine schwarze Bücher, die auch kleine, leichte Steine hätten sein können, nutzlose Gegenstände. Sie traten unentwegt gegen diese Stapel, dass sie umkippen mussten, dadurch verstreuten sie diese Bücher über die ganze Fussgängerpassage. Ein jeder von den Fussgängern trat diese Bücher durch die Gegend. Somit lagen sie leicht umher. Es hatte auch keiner Anstalten gemacht mal einen Blick,´in die Bücher, geschweige denn auf die Bücher zu machen. Sie ignorierten sie mehr oder weniger, vielleicht auch daher kommend, dass keiner von ihnen lesen konnte und noch nie einer von den Fussgängern je ein Buch zur Hand hatte. Daher waren sie auch nicht neugierig, diese Fussgänger. Sie waren doch allein nur Fussgänger, die nutzlose Gegenstände durch die Gegend traten.
Wie dann die Nacht einbrach lief kein Fussgänger mehr auf der Fussgängerpassage und keiner konnte erfahren, wo die Bücher am nächsten morgen hin verschwunden waren, wer diese kleinen schwarzen Büchern mitgenommen haben könnte. Da aber die Fussgänger sowieso nicht an die Bücher interessiert waren, war es ihnen auch am nächsten morgen einerlei, wer was, wann, wo mit den Büchern getan haben könnte. Sie liefen dann nur wieder auf ihrer Fussgängerpassage und mehr auch nicht.

Ein Vöglein liegt am Wegesrand

Da liegt das Tier und es sonnt sich.
So richtig sonnen kann es sich ja nicht. Das sind ja richtig viele Federn, also so richtig fette Federn, die ein Vogel so als Gewand hat. Und die lassen bestimmt nicht so viel Sonnenlicht durch zur Haut. An sich benötigt ja so ein Federvieh ja keine Sonnenstrahlen auf der Haut. Braun werden bringt diesen Vögeln ja wenig. Man kann es ja nicht sehen, die braune Haut. Da sind ja zu viele Federn davor und oftmals bunte dazu. Dieser Vogel, der sich da sonnend am Wegesrand liegend ausruht, braucht auch keine braune Haut, hat ja ein schwarzes Federkleid, da sieht man die Haut erst recht nicht. Ausser es rupft ihm jemand die Federn aus. Nur dazu müsste man den Vogel schnappen können. Diese Viecher sind aber schnell, also auch schnell weg, wenn man denen nah kommt.
Wie auch immer, dieser Vogel liegt am Wegesrand und ruht sich aus, sonnt sich.

Die Kassiererin II

Die Herrschaften nahmen ihre Sonnenbrillen ab. Sie trugen sie auch nur, damit sie ein jeder erkennen konnte, wenn sie in den Einkaufsläden nach Einkäufern Ausschau hielten, die keine waren oder gar meinten welche zu sein, aber nicht genügend Geld dabei hatten um auch wirklich welche zu sein. Johann fühlte sich bescheiden. Den Herrschaften war es egal. Die Kassiererin hat ihnen den Auftrag gegeben, den jungen Herrn doch bitte zu verhören und ihm die restlichen zwei Cent abzuknüpfen.
,Sie gehen einkaufen mit der Absicht nicht alles bezahlen zu können und eben auch zu wollen! Warum?‘
Johann wurde überrascht von der Frage, denn es kann doch einem immer mal wieder passieren. Er hatte doch nie die Absicht nicht alles zu bezahlen zu können und zu wollen.
,Sie wissen schon, dass sie lügen und wir wissen, dass sie lügen. Also tischen sie uns keine Lüge auf, sagen sie die Wahrheit und geben sie das restliche Geld, damit wir das alles hinter uns bringen können und ihnen ein langwieriges Verfahren erspart bleibt.‘ Mit einem Verfahren hat Johann nun mal nicht gerechnet. Warum ein Verfahren, es fehlen doch nur zwei Cent. Die Herrschaften wurden erbost über seine lapidaren Antworten. Denn sie wussten, dass er sich nicht mehr retten konnte. Er war in dem ,Zwei-Cent-Strudel‘ aus dem man einfach nicht mehr herausfinden konnte. Und Johann fehlten genau diese zwei Cent. Die Herrschaft wollten genauestens wissen, was ihn dazu trieb einkaufen zu gehen ohne vorher sein Geld zum Bezahlen ausgezählt zu haben.
Johann war nicht bereit mit den Herrschaften das Thema so lange und ausführlich zu besprechen, er wollte eher das restliche Geld besorgen um dann endlich die Unannehmlichkeiten zu vergessen.
,Welche Unannehmlichkeiten meinen sie? Wir machen nur unsere Arbeit und die ist uns nicht unannehmlich, eher im Gegenteil, uns bringt es Freude für Gerechtigkeit zu sorgen.‘
Mit diesen Worten verstand Johann sehr gut, dass er es wirklich schwer haben wird aus dieser Geschichte wieder rauszukommen. Er versuchte den Herrschaften klar zu machen, dass er sich um das restliche Geld kümmern würde. Davon waren aber die Herrschaften sowieso ausgegangen, aber sie werden auch das staatliche Ordnungspersonal hinzu bitten, denn es kann nur über offizielle Wege, also entsprechende Ämter ein Verfahren geben. Johann dachte aber immer noch, dass er ihnen klar machen könnte, alles ohne amtlichen Wege zu klären.
,Das ist leider zu spät, sie hätten es sich vorher überlegen sollen, bevor sie uns aufsuchten, bevor sie die Getränke in ihren Einkaufskorb legten, bevor sie sich an die Kasse stellten, bevor die Kassiererin sie abkassieren wollte. Aber nochmals die Frage: Warum haben sie es getan, sie wussten es doch, dass sie nicht zahlen können. Wieso haben sie es trotzdem getan?‘
Aber Johann versuchte kein Geständnis abzuliefern, er wollte den Herrschaften nicht die Genugtuung bieten. Er ahnte schon, dass ihm Geld fehlen könnte, aber wusste es nicht. Das hatte er den Herrschaften aber nicht verraten.
Die Kassiererin trat in den Raum und fragte nach dem Geld, dem restlichen Geld, denn die anderen Einkäufer, die wirklichen Einkäufer standen noch immer an und warteten abkassiert zu werden. Da Johann sich noch immer nicht um die restlichen zwei Cent kümmern konnte, gab er ihr den Rest noch immer nicht. Die Herrschaften meinten, dass sie Johann nach Hause begleiten würden, dass er auch wirklich das Geld auftreibe und sie auszahlen könne. Die Kassiererin gab sich damit zufrieden und verschwand wieder an ihren Abkassiertisch. Der eine der Herrschaften verschwand in einem anderen Raum, schien zu telefonieren. Wie er wieder zurückkam nahmen sie sich Johann jeder unter einen Arm und führten ihn raus, an all den anderen wartenden Einkäufern vorbei, hin zu einem just in dem Moment vorgefahrenen amtlichen Automobil und fuhren mit ihm ab.