Eine leere Morgenzeit

Es ist früh, es ist dunkel, das Blut läuft aus der Nase und sickert langsam in den Pullover.
Kindergeschrei schallt in alle Räume. Ein Hund bellt lautlos im Garten. Alle Fenster sind geöffnet. Die Spülmaschine spült vor sich her, ohne dass sich was zum spülen in dieser befindet. Die Ratten laufen auf und ab, knabbern hier, knabbern da. Ein süsslicher Geruch liegt in der Luft. Die Strassenreinigung spritzt den Dreck von den Wegen und bürstet diese fein. Die Katzen schleichen sich. Der Regen bricht ein. Das Brot ist noch nicht geschnitten und der Magen knurrt.

Das Sabbern

Kann mal wieder nicht schlafen, die dunklen Fäden schleimen sich aus meinem schmerzenden Mund hinab auf die frisch gewaschene Bettwäsche und machen nicht erkennbare Spuckeflecken auf dem dunklen Stoff, der Kiefer biegt sich in alle gefühlte Richtungen, das Radio schmeisst alle unhörbaren Lieder in den Äther und doch höre ich zu. Der Regen prasselt noch gar nicht gegen die Scheiben, die Schlaflosen torkeln lärmend die Strassen entlang und der Schmerz schmerzt weiterhin.
Ein Schluck vom kühlen Getränk zischt am Kiefer vorbei, direkt hinab in die saure Verdauung und kühlt die Röhre für den augenblicklichen Moment. Und der Schmerz schmerzt weiterhin und das Sabbern klingt nicht ab, die Wäsche wird genässt und der Gedanke an bald bringt auch nicht die nötige Kurzweiligkeit.
Ich springe auf und ab, der Boden biegt sich, ich schaue hinaus in die weite Welt, Tränen feuchten die Wangen, ich suche das Badezimmer auf, die Zähne sind zum wiederholten Male geputzt. Nur die Augen lassen sich nicht schliessen, das Träumen nicht einschalten, die Schmerzen nicht aufhören zu schmerzen.

feiner Geruch

Ein Eiskristall schwebt hernieder, langsam vor sich, flatternd im leicht säuselnden Wind und erreicht meine Nasenspitze, auf der dieser sich dahinschmelzend in die kleinen Hautporen verkriecht. Unerwarteter Geruch steigt plötzlich auf, eröffnet sich und gibt meinem Ich wieder die Erfahrung des längst vergessenen, fast verlorenen Sinnes für diese langsamen Gerüche. Der Staub, der feine graue Staub von den Dächern der Großstadthäuser macht sich breit, die silbernen Klingklangs ziehen ihre Bahnen, die violetten Getierausdünstungen springen einem wieder entgegen. Das alles macht einem Vergessen, daß einige Minuten zuvor die Leute einem Gegenüber in den Bars der Welt unentwegt die Sprache der Computer besprachen, Neuerwachsene sich nicht wirklich in großer Gruppe platzierten, Raucher in einem sehr kleinen Raum, dessen Wände Licht wie Brüste trugen, muskulös bepackt, braun gebräunt, aufgespritzt in den Ecken lungerten, wo sie sonst eigentlich so gar nicht in diesen Ecken lungern würden und daß diese feucht windige Luft einem die Finger zum frieren brachte. Dieser unaufregende Donnerstag in der Stadt ist auch nun vergangen, die sich zielvoll dahin Bewegenden marschieren dem nächsten Tag entgegen, die Lichter eröffnen den Sinnen Neuigkeiten von gestern, heute und morgen.
Es riecht, riecht und riecht angenehm, unangenehm und der Kopf zersägt sich im Inneren zu einer Geruchsmixtur.

Leergut

Die Straße entlang, den Weg zum Supermarkt, die Flaschen, geleert zurückzubringen, war was getan werden wollte. Die halb eingerisseneTüte war voll leerer Flaschen, tropfender Bierflaschen, einigen auslaufender Limoflaschen und einem klebrigen Joghurtglases.
Zu viele Leute gingen den gleichen Weg, viel zu viele und sie schubsten, stiessen gegen diese Tüte, dass sie immer weiter und weiter einriss, bis beinah alles Leergut auf Stein zerbersten hätte können. Der Annahmeautomat war doch dann ohne Scherben erreicht, das stinkende Leergut nach und nach in das noch mehr stinkende Einführloch gegeben, den Knopf für die Ausgabe des Bons über den zu erhaltenden Betrag gedrückt und diesen Zettel auch erhalten, ging es schnurstracks zur Kasse um den Betrag auszahlen zu lassen. Angestanden für den Moment, für einen kurzen Moment. Ein Typen an der Kasse liess sich eine Flasche Bier abkassieren; dem war kaum kalt, er hatte nur eine Unterhose und eine weit geöffnete, gefütterte Jacke gekleidet, schaute immer wieder in alle Richtungen, machte immerwieder ruckartige Bewegungen, als wenn er immer wieder Flaschen durch dei Gegend werfen müsste. Die Flasche Bier öffnete er gleich und trank sie auf dem Weg zum Leergutautomaten, gab die Flasche dann gleich wieder ab und kam sofort zurück zur Kasse, liess sich den Pfandbetrag auszahlen, legte aber auch weitere Artikel der Kassiererin hin um diese dann auch zu bezahlen. Die wartenden Kunden wurden ungeduldig, wollten auch ihr Pfand ausgezahlt bekommen, und zwar schneller als gleich.
Der nur in gefütterter Jacke und Unterhose gekleidet Typ machte sich dann auf der Rolltreppe gemütlich, indem er sich setzte und eine Packung Butterkekse öffnete und die einzeln verspeiste. Nachdem die Rolltreppenfahrt aufwärts beendet war, fuhr er abwärts und dann wieder aufwärts. Er aß die Kekse.

Zwei Seiten abgelaufen, kurz hinübergeschaut und doch wieder eine Falte mehr erlaubt

Es ist kein Zuckerschlecken, dass ein jeder in so einer kleinen Birne steht, lauscht, es kaum abwarten kann wieder auszusteigen, aus dem Zauber des Verlustes und dabei sich der Illusion hergibt, kein Etwas zu werden.
Mit jeder Bewunderung von anderen Läufern, Stehern, Sprechern bleibt die Obstfrucht auf der Strecke, zieht sich der bestimmte Kommentar durch den ganzen Körper, zeigt die Blume ihre verwelkte Seite.
Immer wieder durchleben sie alle die Lüge des Granits. Und morgen gehen sie doch dann alle wieder schön schlafen, damit sie ausgeruht den Himmel in seiner erhabenen Pracht am nächsten Tag betrachten können.
Dem Kreis verlaufen, ziehen sich die Schlüsse in den Bauch der Zerschlissenen.

Es war was es wird und ist wie es sein muss

Huch, war da nicht gerade ein schwarzes Loch, eine Kerbe im Fleisch, ein großer Leerlauf? Ja, das ist auch noch immer da und verlässt einen nicht. Die Summe dieser ganzen Umstände ergeben ein neues Ganzes aus den Umständen und doch ist es vertraut. Nichts wird anders und doch ist es neu. Wir sind aber in der Lage das als Gutes im Schlechten, als Schlechtes im Guten zu vereinen. Dann tanzen wir auch nur im Dreieck. Das können wir aber gut. Ein bisschen Schnee, ein wenig Regen, zwei kleine Strahlen der Sonne und der Tag wird dann doch zur Nacht, die Stunden bleiben bei den Minuten, die Kurve zieht sich zu einer Strecke. Es bleiben die Momente, es werden die Reaktionen und wir sind weiterhin.
Demnächst war alles getan und doch ist es nicht wahrlich vertraut.

Der Baum schreit leise in sich hinein

Ein vorsichtiger Blick in die Ferne gab den Schein eines heftigen Rückblicks in die ferne Zukunft und macht das Marmeladenbrot zu einer gravierenden Spielerei der ganzen Ungewissheit des eigenen Seins. Die Springer springen einfach dann auch nicht, haben es auch nie getan, werden es auch nie tun. Die anderen machen es den Springern gleich, bleiben bis sie nicht bewegt werden stumm da stehen. Ein bleiernes Ungestüm macht sich wiederum breit, so breit, dass es einfach nur den Becher aus Aluminium umkippt.
Was machen da nur die Beine? Sie bewegen sich, bewegen sich immer fort, ohne dass der Körper an sich die Energie aufzubringen bereit ist. Es wackelt, es schiebt sich, es entsteht eine Rhythmik, die ungewollt vor sich hin macht und nichts kann es aufhalten. Die Stuhlbeine geben Geräusche und versinken im Sand. Die Freude eines Spiegelbildes ist unerkennbar und macht Angst, lässt das Blut gefrieren, die ganze Situation explodieren, ohne dass sich wirklich etwas bewegt.
Nicht das Sein ist in Frage gestellt, sondern das Ungewisse. Lasst uns alle schreien ohne jeglichen Ton, ohne einem Bild.

nächtliche Bewegung

Ein schwarzer Streifen läuft in dieser wahnsinnigen Dunkelheit seines Weges entlang, sprüht dunkelgraue Funken, macht eine Biegung hier eine Biegung dort, lässt alle schwarzen Leute an den Ecken, Bordsteinen, im hellem Schwarz des aufsteigenden Nebels staunen, gaffen, dessen nicht vorhandene Augen ausfallen. Ein Streifen von unsagbarer Länge flitzt, zieht einen Schweif von unaussprechbarer Faszination, gieriger Eindringlichkeit hinab, hinauf, herüber, ohne dass die Allgemeinheit es wirklich wahr nehmen kann und bahnt sich seinen Weg.
Wir sind alle dabei. Wir alle machen uns nichts daraus. Wir lassen ihn machen.
Der Streifen verändert sich nicht in seiner Farbigkeit und verlängert nur die Gier seiner selbst.
Die dunklen Gestalten gingen gern mit, wenn deren Schnelligkeit ebenso da wäre. Der Streifen kann diese nicht mitnehmen, ihm bleibt nur seiner selbst.

Keyser Söze and the Rabbit

Und da bin ich wieder aufgewacht. Hab mal wieder alles verpasst. Nicht unbedingt alles, nur den Film, ab der Hälfte. Bin auch vielleicht früher ausgestiegen. Zum wiederholten Mal. Des öfteren bleibe ich nicht im Bild, versuche mich zwar aufrecht zu halten, aber den Kampf mit dem ermüdeten Körper verliere ich doch dann immer wieder. Es gibt ja genug Tage noch, da versuche ich es einfach noch mal, wenn dann nicht wieder so ein Hase mich verdächtigt so üblich verdächtigt, die Karotten im Supermarkt geklaut zu haben. Nicht nur eine, sondern gleich alle. Das habe ich aber nicht, bin nämlich gleich heute Morgen hin und die waren alle noch da, diese Karotten, sogar noch mehr als sonst. Der investigative Hase, das bezeichnende Karnickel oder was auch immer hat sich vertan, mich falsch verdächtigt, aber übel mitgenommen, bezichtigt mich immer wieder einer Tat, die ich dann aber doch gar nie getätigt habe. Diese Langohren machen ihre Arbeit auch nicht mehr, so wie sie von ihnen verlangt wird. Aber immer dann steht dieses Tier vor mir und hält mir sein digitales Quarzgerät vors Gesicht und meint, dass ich schnellst möglich mich schuldig zu fühlen und mich irgendeiner Tat zu bekennen habe.
Diesem Hoppeltier werde ich es aber zeigen, gleich beim nächsten Auftauchen seiner Seits zeige ich ihm wo der Hase hängt und gebe ihm die Karotten, die Quittung gleich hinzu. Morgen versuch ich zu mindestens diesen Film bis zum Ende durchzuhalten, in dem ich schon zuvor schlafe, dann schaue und falls dieser falsche Fuffziger doch auftritt, ihm die Nummer vom Kobayashi gebe.

 

 

 

Gourmet-Abend

Es schallen aus dem kleinen Radio der Küche ein paar vergangene Worte, die Maschine wäscht die Wäsche in ruhiger Gleichmässigkeit und immer weiter, das Besteck stösst gegen den Teller, gegen das biergefüllte Glas. Im Treppenhaus wird das Licht eingeschaltet, die Treppen werden steigend genutzt, ein Windhauch schmeisst Laub gegen das Fenster und die falsche Wiener bleibt geräuschlos, auch wenn das Messer hineinsticht. Das Brot knackt beim Biss, dabei fallen die Nüsse vom Brot auf den Teller und rollen mittig. Das Bier blubbert kleine Bläschen. Der Senf klebt an den falschen Wienern wie an richtigen und schmatzend werden diese verdrückt, genussvoll, ohne auch nur einen Rest zu lassen. Mit dem geschmierten Brotscheiben werden noch die letzten Senfreste vom Teller gekratzt. Das sich langsam aufwärmende Bier wird noch schnell bis auf den letzten Schluck verzerrt. Ein Essen am Abend mit nicht mehr.

Ein Strauss Blumen in farbloser Pracht

Es steht eine Vase voll Blumen in einem kleinem Schaufenster von einem netten Schuhreparaturladen neben der gut besuchten Fleischerei in dieser beschaulich unheimlichen Stadt, ohne dass es irgendwer wahrnimmt. Diese Blumen stehen schon lang nicht mehr in ihrer Pracht, sie sind schwarz, verwelkt, hängen mit den Blüten tief, sehr tief sogar. Auch sind die Scheiben schon lang nicht mehr geputzt worden und sie tragen den Dreck der Autos, des Fussvolkes, der Tiere, die an dieser Stelle, in dieser Strasse entlangkommen, vorbeischauen, obwohl sie nicht wirklich ihre Häupter diesem Geschäft gegenüber heben und mal diese Vase wahrnehmen, nur damit sie in dem Fleischerladen nebenan ihr täglich Fleisch erstehen und wieder aus der Gegend verschwinden können.
Dieser Schuhlreparaturaden ist schon seit geraumer Zeit geschlossen, denn der Inhaber musste sich in ein Krankenhaus begeben wegen einer schweren Fleischvergiftung, herrührend vom Fleisch des Nachbargeschäfts. Die Vergiftung veranlasste seinen Tod. Der Laden steht seit dem ohne kümmernder Hand neben dem Laden mit dem Gift und lässt die unangerührten Blumen welken und hängen. Der Schuster stellte an sich selten Blumen ins Fenster, aber kurz vor seiner Vergiftung kam ihm der Drang Blumen ins Schaufenster neben reparierten, niemals abgeholten Schuhen zu stellen. Die Trauer steht im Fenster zur Schau vom Schuster und keiner macht mit, keiner erfährt je von seinem Unglück und niemand ist vorgewarnt, dass dieses Schicksal sich denen gegenüber wiederholen könnte. Alle kaufen sie fleissig weiter ihr Fleisch im Geschäft nebenan und das Fenster des Schusters trägt die Trauer, die Vergiftung, das Schicksal ihnen vor Augen, die sie nicht heben, um es zu sehen.

Die zwei Gullydeckel

Die Bäume an diesem einen Strassenrand, an dieser kleinen übersichtlichen Ecke tragen noch ihr Gewand, aber der Bordstein senkt sich allmählich und daneben liegen diese beiden Gullydeckel eingelassen in der Strasse. Sie sind beide schwer, kaum hebbar und hintern die entlangkommenden Gänger daran in die Strasse zu fallen. Sie liegen da sehr gemütlich vor sich daher, ab und an tritt sie jemand und kein Irgendwas kann sie aus der Ruhe bringen. Trotzdem schlafen sie keine Minute, denn sie müssen immer acht geben, denn wenn sie es nicht täten, dann kann alles und jeden die Strasse verschlingen, auch die beiden Deckel. Just in einem unachtsamen Moment, da der linke Deckel sich was merken will und an sich nur eine Sache kann, also entweder die Strasse dicht machen oder was anderes, was aber eben nicht passieren darf, da er sonst mit allem um sich verschlungen werden würde, bricht er in die Strasse hinein und verliert sich im Gully. Der rechte Deckel bemerkt das und will seinem linken noch helfen und fällt ebenso gleich in den Gully und wird verschlungen von der Strasse. Dadurch ist die Strasse zweifach geöffnet und kann alles verschlingen, in ihren Abgrund saugen, sich selber sogar herunterschlucken. Die Bäume an dieser Ecke verlieren als aller erstes ihr Gewand, um dann gleich mit in den Grund abzurauschen. Jegliche Person, jegliches Tier, alle Pflanzen, die an dieser Strasse vorbeikommen, werden hinuntergezogen bis nichts mehr übrig bleibt als eben die Strasse selbst.

Ein Wartehäuschen, ein Wartender und das Warten an sich

Was schaust du so, so großäugig, so gespenstig, so gemein, wie du da so langsam, wirklich sehr langsam um die Ecke schleichst und in wirklich unanständiger Gemächlichkeit herbeigerollt kommst, du riesiges Ungetüm an Menschenschlucker und -spucker, du stinkender, russender Omnibus. Ja, du hast recht, es ist nicht nett, fein, zuvorkommend dich in Gedanken zu beschimpfen, wo du einen doch von Punkt hier nach Punkt dort befördern kannst und das auch tust. Aber wie ungern stehe ich nach dir sehnend so daher, in der Ungemütlichkeit, in dem Wahn der Lärmenden, in der Geschwindigkeitsucht der Riechenden, im Nebel der lauthalsigen, vorbeiziehenden Kutschen, im Dunst dieser anderen Monster. Du ziehst dann immer so ein fast schon feixendes Gesicht, wie ein Gesicht für so ein quietschendes Fahrmittel nicht sein muss.
Befördere mich einfach! Zieh von Punkt zu Punkt und lass deine Gäste mitziehen!
Ja klar, müssen wir dir dankbar sein für deine Aufnahmefähigkeit, für deinen Großzug, dass du uns auch alle mal hierhin, mal dahin bringst. Aber schau doch mal freundlich, einladend und nicht immer so, als wenn wir, die wir da mit dir wollen, etwas verbrochen haben und dann kommst du auch noch so kriechend daher.
Wir lieben dich nicht, müssen wir auch nicht. Wir wollen doch alle nur mit. So nimm uns, wie wir sind, was wir auch sind und schau freundlich!

Ein Schauer, ein Sturm, brechende Äste, fliegende Blätter

Ich habe gerade Weltuntergang vor der Tür, vorm Fenster, an der Mauer gegenüber, es regnet, scheppert, die welken Blätter gefallen vom herbstlichen Herbst zerreißen in der Luft vom stürmischen Sturm, das Licht wird von den dunklen aufkommenden Wolken gedimmt und ich wollte gerade mir eine Kleinigkeit im Supermarkt nicht unbedingt nebenan besorgen. Daraus wird wohl gerade nichts, denn nass, zerzaust, verunwettert werden möchte ich gerade nicht. Da bleibe ich doch stinkend in der Bude hocken, warte dadrauf, dass ich wieder die Fenster öffnen, frische, feuchte, abgekühlte Luft einlassen, in meine Lungen einatmen kann. Besorgungen sind da nicht so dringend, die kann ich auch morgen machen, oder einfach nur später. Auf dieses Warten mache ich mir erst einmal einen Kaffee um auch gewappnet, auf der Hut zu bleiben, denn auch solch ein Unwetter will abgewartet sein.
Und wie der Kaffee so fertig gebrüht in meiner Tasse pö a pö vor sich daher abkühlt, kitzelt sich die Sonne mit heller Kraft durch die sperrigen Wolkenmassen und erhellt innerhalb weniger Momente die blattübersäten Strassen und diese welken Baumüberreste schimmern feucht gülden mir in die Augen. Ein Herbsttag wie aus einem Bildernachschlagwerk.

Montag, am Morgen

Es lärmt, es schallt aus allen Ecken,die Montag-Morgen-Geräuschkulisse. Es bewegt sich was, das am Tag zuvor nicht hörbar war. Es bewegte sich nichts am Sonntag. Doch am Montag, da laufen die Arbeiter, die Einkäufer, das Fussvolk, die Bahnfahrer in alle Richtungen und machen Lärm, unangenehmen Lärm. Der Wochenanfangs-Rhythmus wird gespielt in aller Frühe. Die Strassenbahn bimmelt hier, Automobile rauschen dort entlang, ein Besen scheuert die Wege entlang, die Müllabfuhr brummt vor den Eingängen der Wohnblocks, das aufgeregte Klacken von Schuhen geben ein Tempo an, das Tempo der Aufgeregtheit, aber keines Aufbruches. Kleinkinder quatschen durcheinander, reden mit ihren Eltern, weinen auch mal, treten auf ihren Tretrollern, Dreirädern, Fahrrädern mit Stütze. Da rascheln welche mit ihren Zeitungen, ihren Tageszeitungen, wartend auf ihre Mitfahrmöglichkeiten. Ab und an rauscht ein Flugzeug am Himmel vorbei, brüllt ein Hundehalter sein Hund an, lässt ein Verspäteter seinen Schlüssel fallen, knallt eine Autotür, startet ein Motor, fallen Metallstangen aufeinander.
Es scheppert, klingt, klirrt, brummt, klackt an einem jeden Montagmorgen aus und in alle Winkel der Strassen, der Städte, des Landes. Es ist früh, es ist laut und alle machen mit.

Eine Seite auf der anderen und auch noch leer

Das Flugzeug fliegt tief, die Räder werfen einem den übel riechenden Geruch ins Gesicht, das Volk drauf zehrt den Gestank mit und alle anderen tänzeln um ihre eigene Achse.
Ein paar leere Gläser springen den Asphalt hinunter ohne eine Scherbe zu werfen, sie scheppern nur laut und klar. Das freut die Kinder, die am Wegesrand stehen und dessen Mütter die Nasen ihrer Kinder zuhalten. Der Geruch schiebt sich langsam auch ohne Hilfe seinen Weg an den leeren Gläsern vorbei, entlang den Asphalt bis hin zu den Müttern mit Kindern. Kein weiteres Fahrzeug zu sehen, nur immer wieder ein Rad hier, ein Rad da und wieder ein Rad hier, die den Geruch auch aufwirbeln, mit sich ziehen, in den Ecken verteilen. Die Kinder wollen wissen, wissen, woher es so riecht, warum es so riecht und wieso es nicht gut sei zu riechen. Die Mütter antworten nicht. Sie brauch nur zu wissen, dass es nicht gut ist. Mehr erfahren die Kinder nicht, brauchen sie auch nicht, denn sie müssen ja nicht alles wissen, die Mütter wissen ja auch nicht alles. Nur den Geruch, den kennen sie. Nur verraten werden sie nichts.
Die Mütter treiben ihre Kinder ins Bett und die Nase wird zugehalten. Die leeren Gläser bleiben am Rande des Asphalts liegen, nicht mehr beachtet von den Kindern, deren Nasen weiterhin zugehalten werden. Die Räder bleiben auch aus. Es herrscht Ruhe, stinkende Ruhe bis zu der Zeit, als ein tosender Lärm sich breit macht. Die Kinder schlafen schon längst mit einer Wäscheklammer auf ihren Nasen geklammert.
Den Müttern fröstelt es. Die stinkenden Ungetüme torkeln, springen, spucken, schreien, lachen, lärmen sich ihren Weg. Ein jeder Stinker bewegt sich zu seiner Frau und seinen Kindern. Den Frauen fröstelt es weiterhin. Die Kinder schlafen mit Klammer auf der Nase.

Ein Tag mehr und dann noch mal einen Zug dazu

Es stieg wieder nach oben, dieser Qualm, diese Rauchschwaden, der Nebel, der so fein und nur für kurz dahin schwebte, in die Lüfte, gen Himmel. Es war der Zigarettenrauch vom Nachbarn unter mir. Ich schaute kurz nach unten, er bemerkte es immer, ein jedes mal legte er seinen Kopf leicht in seinen Nacken und schielte verschmitzt schräg zu mir hoch, zog an seiner entspannt im Mundwinkel hängenden Filterlosen und pustete mir den Rauch förmlich in mein kleines unschuldiges Gesicht. Er lächelte wie man es von den Filmen mit den rauchenden Schönheiten her kannte. Er rauchte einen Film Noir, eine Suspense, einen Nouvelle Vague, etwas in schwarz-weiss ohne auch nur einen Hauch von sich dessen nicht bewusst zu sein. Er spielte mit einem, immer die Zigarette, immer diese Filterlosen ohne auch nur ein anderes Rauchwerkzeug zur Hand oder gar in den Mund, von denen irgendeinen Zug zu nehmen. Er rauchte und rauchte, am offenen Fenster herausschauend, zu mir aufschauend mit diesem Lächeln, diesem Filmlächeln.
Auf der Strasse, wenn man ihn traf, im Mundwinkel die Filterlose, lächelte er einen an, bewegte langsam mit viel bedacht ein jedes mal seine rechte Hand zur Kippe im Mundwinkel, zog einen kräftigen Lungenzug und sagte in einem sehr höflichen Ton, mit einer leicht kratzigen Stimme: „Einen wunderschönen guten Tag!“
Während dessen quoll ihm der Qualm aus dem Mund und der Nase an seinen Augen vorbei und verflüchtigte sich, wurde Eins mit der Atmosphäre. Jeden, den er kannte grüßte er. Die meisten kannte er nur vom Sehen, oft waren es doch nur die Nachbarn. Er rauchte jedenfalls überall, zu jeder Zeit.
Nach einigen Jahren, ich war dann schon nicht mehr sein Nachbar, denn das elterliche Haus war mir schon lang nicht mehr mein Zuhause, war ich zu Besuch in der Gegend, im Haus, bei meinen Eltern. Ich schaute aus dem Fenster, schaute nach unten zu dem rauchenden Nachbarn. Aber er rauchte nicht, er stand nicht am Fenster, schaute nicht zu mir hoch, lebte keinen Film, rauchte mir nicht ins Gesicht. Sein Rauch war schon viele Jahre verraucht. Mir berichteten meine Eltern, dass seine Wohnung nach seinem Verschwinden, Ableben, Tod, seine Wohnung nicht weiter vermietet werden konnte.
„Es roch da ja nur nach Rauch.“
Auch zu meiner Besuchszeit wohnte noch immer keiner in dieser Räucherkammer. Irgendwie roch ich, wie ich so nach unten aus dem Fenster schaute seinen Qualm, seinen Rauch, seine Filterlosen. Ich roch seine Kippen im Mundwinkel eingeklemmt und es erklang mit viel Qualm und Nebel: „Einen wunderschönen guten Tag!“
Ich roch sein Lächeln, den Film ein Fenster tiefer.

Zwei Schachteln und ein kleine Packung

Der Kaugummi klebt, klebt am Schuh. Er klebt an der Sohle, unter dem Schuh und macht dem Schuhträger sicher zu schaffen. Aber er läuft und läuft weiter. Der Schuh klebt bei jedem Schritt am Beton, Asphalt, am Kopfsteinpflaster, der Schuh ist zäh im Tritt. So ein Marathon hat sich der Schuhträger nicht vermutlich zuvor vorgestellt. Jetzt läuft er den Marathon mit einem klebenden Kaugummi am Schuh, unten an der Sohle und hindert den Schuhträger schnell zu laufen, marathonmässig wegzuschnellen. Er tritt förmlich auf der Stelle.Er zieht den Fuss mit besagten Schuh nach, immer nach dem Auftritt. Ein zäher Marathon für diesen Schuhträger. Die anderen Schuhträger ziehen an ihm vorbei, ohne Kaugummihindernis am Schuh. Auch nach einigen Metern, gar Kilometern verbessert sich seine Situation nicht, der Kaugummi klebt und klebt am Weg und an seinem Schuh.
Unerwartet bleibt dieser Schuhträger stehen zieht sich seinen Schuh mit dem klebenden Kaugummi aus, den anderen Schuh gleich mit und die Socken ebenso. Er wirft alles vier in eine Ecke und läuft, läuft los. Er rennt um den Marathon, holt alle anderen, die ihn zuvor überrundeten ein und läuft was seine Kräfte hergeben. Einige Meter vorm Ziel erreicht er mit einigen anderen die Spitze und er versucht der Anführer dieser zu werden. Doch ein Kaugummi auf der Strecke hinter ihn daran, denn er bleibt mit seinem Fuss an einem Kaugummi hängen, der Kaugummi bleibt an seiner Fusssohle kleben und klebt auch auf dem Asphalt. Er bleibt nach einigen klebenden Schritten stehen und versucht sich die Fusssohle vom Leib zu reissen.

Am Tag, wenn sich alles wegorientiert

Sie liegt neben ihrem Erbrochenem. Da liegt sie so und dreht sich nicht, bewegt sich nicht, ruckelt nicht ein bisschen, nicht ein Millimeter. Ihr Erbrochenes kann auch das von ihrer Freundin sein. Sie sitzt auf der anderen Seite von dem Erbrochenem. Beide schlafen, schlafen ihren übermässigen Genuss von kurz zuvor weg. Die morgendlichen Sonnenstrahlen kitzeln ihren Nasen. Sie schlafen weiter. Es kitzelt sie nicht. Die Sonne versucht es weiter. Sie kitzelt weiter. Beide bekommen es nicht mit und lachen auch nicht. Sie schlafen. Zu viel genossen an den Stunden zuvor.
Ein plötzlich auffauchender Wind durchschubst die Blätter an den Bäumen, die sich im Halbkreis um die beiden Freundinnen aufgebäumt haben, dass vier fünf Blätter fallen. Sie fallen und fallen und verfangen sich in den dunkelblonden Haaren der beiden. Es ergibt ein unfreiwilliges Bild von gestellt sein, für eine Photostrecke eines Modehauses, einer Szene aus einem Film mit wenig Handlung. Beide mit grünem Blatt im Haar schlafen und der Wind lässt die Bäume rascheln, während die Sonne am kitzeln ist.
Die Spaziergänger, die sporttreibenden Läufer, Kinder auf ihren fahrbaren Spielzeugen schauen sie nur für kurz an und bewegen sich weiter auf ihren Wegen entlang durch den Park, in dem die beiden schlafend liegen. Vögel dieses Parkes springen vorsichtig an die beiden heran. Sie wollen sich nähren. Haben es auf das Erbrochene abgesehen. Langsam, vorsichtig, überlegt springen sie Meter für Meter an das Erbrochenen ran und picken. Die beiden Schlafenden schlafen weiter mit Blättern im Haar. Neben ihnen die Vögel pickend. Ein Hovawart nähert sich, die Vögel fliegen von dannen, der Wind setzt aus. Der Hund schlabbert den Rest vom Erbrochenem weg, bellt vergnügt und läuft weiter seinen Weg, seinen Besitzern hinterher.
Die beiden erwachen vom Hundegebell, sehen die wieder vom Winde rauschenden Bäume um sich gereiht, erblicken das Fussvolk durch den Park marschierend, ob Kind, Läufer oder auch Spaziergänger und entfernen sich gegenseitig die Blätter aus ihren Haaren. Sie stehen auf, schauen sich an, schauen sich fragend an, denn ihnen schmerzt der Geruch von Erbrochenem. Sie sehen nichts, sie riechen nur, verschlafen, geschuldet dem Genuss, dem sie sich Stunden zuvor ergeben haben.

Ein und noch ein und noch ein

Die blauen Wolken ziehen die Straßen entlang, reissen dabei den Bäumen die gefallenen Blätter von den Wurzeln, werfen riesige Schatten gen grünen Himmel. Es sind nimmersatte Wolken, denen man immer und immer die Getränke aus Span auf die Stufen stellen sollte. Während ihres Zuges klirren alle Gläser, die zwischen den Spalten der Abflüsse schlafen. Sie klirren und klirren, dass sogar die ständig tauchenden Vögel aufschrecken und sich gegenseitig die Schuppen abpicken.
Fliegende, gelbe Schweinchen folgen den Wolken um sie einzuholen und auf ihnen sich fallen zu lassen. Doch zu ihrem Bedauern sind sie in der Folge nicht schnell genug und werden die Wolken nie zu ihrer Sterbezeit erreichen, einholen, überwinden.

Die Kassiererin III

Die Herrschaft führten Johann vom amtlichen Fahrzeug hin in seine Wohnung, in der sich auch Maja, die eine seiner Mitbewohner befand. Maja war überrascht, aber verstand die Situation in der sich Johann befand gleichermassen, nachdem die Herrschaften ihr ausführlich die Lage erklärten. Sie sprach zu den Herrschaften, dass sie sich um das fehlende Restgeld kümmern würde und meinte auch, dass es nicht notwendig sei, ihm deswegen ein Verfahren zu machen, den Ämtern auszuliefern.
,Das haben wir nicht zu verantworten, das liegt einzig allein an den Gesetzesmäßigkeiten unseres Arbeitgebers. Und wer nicht passend zahlt, nicht passend zahlen kann, dem wird ein Verfahren gemacht. Dazu gibt es nun mal die Ämter. Da kann ein jeder kommen und sich rausreden wollen.‘
Maja nahm ihr Geldbeutel und begleitete die drei Personen zu dem amtlichen Fahrzeug, in dem sich ein amtlicher Fahrer befand und sie fuhren zusammen in das Einkaufshaus.
Zusammen betraten sie, die Herrschaften wieder den Johann unter die Arme gehackt, und Maja mit Geldbeutel die Ladenräume. Die Schlange wartete noch immer. Beim Anblick der Personen machte sich ersichtliche Freude bei den Wartenden auf. Die Kassiererin schaute geschockt. Ihr Gesicht wurde fahl.
,Maja, was machst du denn hier. Wolltest du nicht arbeiten?‘
Maja gab der Kassiererin, die zugleich auch ihr Mutter war zu verstehen, dass sie gerade nicht arbeite und sie den Johann um zwei Cent auszahlen müsse, denn für Mitbewohner habe man da zu sein und ihnen auszuhelfen. Die Kassiererin, nahm die zwei Cent von Maja, schloss somit den Kassiervorgang von Johann ab und kassierte die nächsten Einkäufer. Maja und Johann begleiteten die Herrschaften noch in das amtliche Zimmer um die nächsten Schritte zu erfahren, worauf sich Johann alles vorzubereiten habe.

Noch mehr von diesen kleinen Büchern

Unerwartet traten immer wieder Fussgänger gegen diese Stapel an Büchern, an kleinen schwarzen Büchern, die den Anschein von Notizbüchern oder gar Kalender machten. Den Fussgängern schien es egal zu sein, es waren ja nur kleine schwarze Bücher, die auch kleine, leichte Steine hätten sein können, nutzlose Gegenstände. Sie traten unentwegt gegen diese Stapel, dass sie umkippen mussten, dadurch verstreuten sie diese Bücher über die ganze Fussgängerpassage. Ein jeder von den Fussgängern trat diese Bücher durch die Gegend. Somit lagen sie leicht umher. Es hatte auch keiner Anstalten gemacht mal einen Blick,´in die Bücher, geschweige denn auf die Bücher zu machen. Sie ignorierten sie mehr oder weniger, vielleicht auch daher kommend, dass keiner von ihnen lesen konnte und noch nie einer von den Fussgängern je ein Buch zur Hand hatte. Daher waren sie auch nicht neugierig, diese Fussgänger. Sie waren doch allein nur Fussgänger, die nutzlose Gegenstände durch die Gegend traten.
Wie dann die Nacht einbrach lief kein Fussgänger mehr auf der Fussgängerpassage und keiner konnte erfahren, wo die Bücher am nächsten morgen hin verschwunden waren, wer diese kleinen schwarzen Büchern mitgenommen haben könnte. Da aber die Fussgänger sowieso nicht an die Bücher interessiert waren, war es ihnen auch am nächsten morgen einerlei, wer was, wann, wo mit den Büchern getan haben könnte. Sie liefen dann nur wieder auf ihrer Fussgängerpassage und mehr auch nicht.

Ein Vöglein liegt am Wegesrand

Da liegt das Tier und es sonnt sich.
So richtig sonnen kann es sich ja nicht. Das sind ja richtig viele Federn, also so richtig fette Federn, die ein Vogel so als Gewand hat. Und die lassen bestimmt nicht so viel Sonnenlicht durch zur Haut. An sich benötigt ja so ein Federvieh ja keine Sonnenstrahlen auf der Haut. Braun werden bringt diesen Vögeln ja wenig. Man kann es ja nicht sehen, die braune Haut. Da sind ja zu viele Federn davor und oftmals bunte dazu. Dieser Vogel, der sich da sonnend am Wegesrand liegend ausruht, braucht auch keine braune Haut, hat ja ein schwarzes Federkleid, da sieht man die Haut erst recht nicht. Ausser es rupft ihm jemand die Federn aus. Nur dazu müsste man den Vogel schnappen können. Diese Viecher sind aber schnell, also auch schnell weg, wenn man denen nah kommt.
Wie auch immer, dieser Vogel liegt am Wegesrand und ruht sich aus, sonnt sich.

Die Kassiererin II

Die Herrschaften nahmen ihre Sonnenbrillen ab. Sie trugen sie auch nur, damit sie ein jeder erkennen konnte, wenn sie in den Einkaufsläden nach Einkäufern Ausschau hielten, die keine waren oder gar meinten welche zu sein, aber nicht genügend Geld dabei hatten um auch wirklich welche zu sein. Johann fühlte sich bescheiden. Den Herrschaften war es egal. Die Kassiererin hat ihnen den Auftrag gegeben, den jungen Herrn doch bitte zu verhören und ihm die restlichen zwei Cent abzuknüpfen.
,Sie gehen einkaufen mit der Absicht nicht alles bezahlen zu können und eben auch zu wollen! Warum?‘
Johann wurde überrascht von der Frage, denn es kann doch einem immer mal wieder passieren. Er hatte doch nie die Absicht nicht alles zu bezahlen zu können und zu wollen.
,Sie wissen schon, dass sie lügen und wir wissen, dass sie lügen. Also tischen sie uns keine Lüge auf, sagen sie die Wahrheit und geben sie das restliche Geld, damit wir das alles hinter uns bringen können und ihnen ein langwieriges Verfahren erspart bleibt.‘ Mit einem Verfahren hat Johann nun mal nicht gerechnet. Warum ein Verfahren, es fehlen doch nur zwei Cent. Die Herrschaften wurden erbost über seine lapidaren Antworten. Denn sie wussten, dass er sich nicht mehr retten konnte. Er war in dem ,Zwei-Cent-Strudel‘ aus dem man einfach nicht mehr herausfinden konnte. Und Johann fehlten genau diese zwei Cent. Die Herrschaft wollten genauestens wissen, was ihn dazu trieb einkaufen zu gehen ohne vorher sein Geld zum Bezahlen ausgezählt zu haben.
Johann war nicht bereit mit den Herrschaften das Thema so lange und ausführlich zu besprechen, er wollte eher das restliche Geld besorgen um dann endlich die Unannehmlichkeiten zu vergessen.
,Welche Unannehmlichkeiten meinen sie? Wir machen nur unsere Arbeit und die ist uns nicht unannehmlich, eher im Gegenteil, uns bringt es Freude für Gerechtigkeit zu sorgen.‘
Mit diesen Worten verstand Johann sehr gut, dass er es wirklich schwer haben wird aus dieser Geschichte wieder rauszukommen. Er versuchte den Herrschaften klar zu machen, dass er sich um das restliche Geld kümmern würde. Davon waren aber die Herrschaften sowieso ausgegangen, aber sie werden auch das staatliche Ordnungspersonal hinzu bitten, denn es kann nur über offizielle Wege, also entsprechende Ämter ein Verfahren geben. Johann dachte aber immer noch, dass er ihnen klar machen könnte, alles ohne amtlichen Wege zu klären.
,Das ist leider zu spät, sie hätten es sich vorher überlegen sollen, bevor sie uns aufsuchten, bevor sie die Getränke in ihren Einkaufskorb legten, bevor sie sich an die Kasse stellten, bevor die Kassiererin sie abkassieren wollte. Aber nochmals die Frage: Warum haben sie es getan, sie wussten es doch, dass sie nicht zahlen können. Wieso haben sie es trotzdem getan?‘
Aber Johann versuchte kein Geständnis abzuliefern, er wollte den Herrschaften nicht die Genugtuung bieten. Er ahnte schon, dass ihm Geld fehlen könnte, aber wusste es nicht. Das hatte er den Herrschaften aber nicht verraten.
Die Kassiererin trat in den Raum und fragte nach dem Geld, dem restlichen Geld, denn die anderen Einkäufer, die wirklichen Einkäufer standen noch immer an und warteten abkassiert zu werden. Da Johann sich noch immer nicht um die restlichen zwei Cent kümmern konnte, gab er ihr den Rest noch immer nicht. Die Herrschaften meinten, dass sie Johann nach Hause begleiten würden, dass er auch wirklich das Geld auftreibe und sie auszahlen könne. Die Kassiererin gab sich damit zufrieden und verschwand wieder an ihren Abkassiertisch. Der eine der Herrschaften verschwand in einem anderen Raum, schien zu telefonieren. Wie er wieder zurückkam nahmen sie sich Johann jeder unter einen Arm und führten ihn raus, an all den anderen wartenden Einkäufern vorbei, hin zu einem just in dem Moment vorgefahrenen amtlichen Automobil und fuhren mit ihm ab.

Die Kassiererin

Johann stand an der Kasse bei den Getränken, er hatte einen Einkaufskorb voll Getränke, unter denen auch Bier. Er kauft für sich und seine Mitbewohner die Getränke. Er war diese Woche dran. Die anderen beiden holten dafür Klopapier und Spülmittel die Woche. Für Essen musste sich jeder selbst sorgen. Johann stand so in der wartenden Schlange der Einkäufern, dass er noch zwei Leute abwarten musste. Da fiel ihm auch ein, dass er vielleicht nicht genügend Geld dabei haben könnte. Aber wenn nicht, dachte er sich so, dann kann er ja auch ein oder zwei Flaschen vom Bier an der Kasse lassen und nicht bezahlen. Wie er nun an der Kasse angekommen ist, musterte und begrüßte ihn schon die Kassiererin mit ihrer bayrischen Unfreundlichkeit (die von den Bayern selbst als Freundlichkeit verstanden wird, obwohl sie in ihrer Art und Weise kein bisschen freundlich daher kommt), das sich Johann fast in die Hosen machen musste. Sie versprühte eine Kälte, dass hätten eigentlich alle in einen Gefrierschockzustand fallen müssen. Sie scannte die Ware, er schaute ihr dabei in einer regelrechten Starre zu. So hoffte er die ganze Zeit, dass es nicht zu viel wird und er genug Geld dabei hat.
Wie sie ihm den Preis sagte, suchte er in all seinen Taschen nach all seinem Geld ab. Aber es fehlten einfach zwei Cent. Er konnte diese zwei Cent einfach nicht auftreiben. Überall suchte er ab. Die Einkäufer in den hinteren Reihen der wartenden Schlange wurden schon unruhig. Es kamen schon gleich ein paar heftige Pöbeleien, die Johann noch eher zusammenzucken ließen. Er traute sich kaum der Kassiererin zu sagen, dass ihm die zwei Cent fehlen. Sie schaute immer Grimmiger. Er schaute immer Verängstigter.
Da blieb Johann nicht weiter übrig, als dass er ihr sagte, das eine Bierflasche da bleiben muss. Sie schaute ihn nun richtig verärgert an.
,Das geht nicht! Das können wir nicht machen! Dazu habe ich keine Berechtigung. Was einmal eingescannt wurde muss auch bezahlt werden. Da könnte ja jeder kommen um uns einfach mal zu ärgern. Alles auf das Förderband legen und dann sagen kein Geld dabei zu haben. Das ist unverschämt und unerhört. Das machen wir nicht!‘
Johann konnte aber nichts machen, ihm fehlten diese zwei Cent. Darauf fragte ihn die Kassieren ob er einen weiten Weg nach Hause habe um das restliche Geld zu besorgen. Das verneinte Johann, er müsse nur drei Stationen mit dem Bus fahren, dann könnte er schnell bei seinen Mitbewohnern die zwei Cent ausleihen. Daraufhin schickte ihn die Kassiererin nach Hause und wollte dann so lange mit dem Kassieren warten. Johann sprintete los und die Einkäufer in der Schlange wurden immer ungeduldiger. Die Kassiererin erklärte es dann den Wartenden und bat um Nachsicht. Alle blieben danach ruhig und warteten.
Johann hatte leider Pech mit dem Bus, der fuhr ihm vor der Nase weg. Somit musste er zehn Minuten warten. Der später Bus kam dann auch noch mit einer Verspätung von fünf Minuten. Somit wartete er fünfzehn Minuten. Der Busfahrer öffnete die Türen und fragte nach den Fahrkarten, Johann zeigte seine und er Fahrer ließ ihn nicht weiter einsteigen, denn die Karte war abgelaufen, vom letzten Monat, sie einfach nicht mehr gültig. Johann hatte vergessen sich eine neue Karte für den neuen Monat zu kaufen. Somit rannte er zurück zum Einkaufsraum um die Kassiererin zu bitten, alle Getränke zurückzunehmen, denn er benötige das Geld für eine Fahrkarte. Wie er aber die Räumlichkeiten betrat, waren auch gleich zwei Herrschaften zur Stelle, die ihn abführten in den hiesigen Befragungsraum. Die Kassiererin hatte in der Leitung bescheid gegeben, dass es einen Einkäufer gibt, der nicht das komplette Geld zum Bezahlen bereit hielt.
Johann wurde also in den Befragungsraum gebracht. Die Kassiererin warte weiter, dass sich das mit dem Geld soweit klärte. Somit warteten auch die anderen Einkäufer mit ihren Bezahlungen.

Ein ersichtlicher Duft

Die Blumen im nahe liegenden Blumenladen leuchten, so dass man aus der Ferne schon angelockt werden muss. Frau Etwas läuft tag tägliche an diesem Blumenladen vorbei und kann nicht von den visuellen Eindrücken lassen, die die Blumen mit ihrer Farbenpracht ihr tag täglich bieten. Ein jedes mal bleibt sie vor dem Laden stehen schaut alle Sorten genauestens an, blickt in den Laden hinein und betrachtet auch die drinnen stehenden genauestens. Die Blumenladenbesitzerin ist darüber nicht wirklich erfreut, denn Frau Etwas kauft nie eine einzige Blume, sie betrachtet sie nur. Nicht einmal gerochen hat sie an irgend eine der Blumen. Sie betastet sie auch gar nicht. Daher wird auch die Besitzerin nichts machen wollen, so lange sie keinen wirklichen Grund finden kann der Frau Etwas unter Zwang zu verkaufen.
Doch wie es so ist, muss auch die Besitzerin mal ihren Laden schliessen, denn es erwartet sie einen mehrwöchigen Aufenthalt im städtischen Krankenhaus und da sie sich kein Personal leisten kann, schließt sie ihren Blumenladen. Frau Etwas kann es gar nicht fassen, denn die Blumen ihr immer die nötige, tägliche Dosis an visueller Erbauung gegeben. Nun ist keine Blume zu sehen, zu erahnen. Fast alle Blumen hat sie Besitzerin verkauft, einige auch in einem Kühlhaus untergestellt. Damit ist Frau Etwas sehr unzufrieden und versucht alles möglich Erdenkliche, die Frau Besitzerin aufzusuchen um sie deswegen zu beschimpfen. Aber irgendwie kommt sie nicht dadrauf, dass es das städtische Krankenhaus sein kann. Daher sucht sie sich einen anderen Blumenladen, an dem sie sich visuell erfreuen kann. Während ihrer Suche durch die halbe Stadt kommt sie an einer Teestube vorbei, die voll bestückt ist Minze in jeder Ecke. Sie setzt sich hinein und erfreut sich nun am Minzduft, der von Minzpeitschern hinzu verstärkt den Raum benebelt. Dafür trinkt sie auch ab sofort jeden Tag einen Tee und liesst die im Laden ausliegende Zeitschrift für Gartenarbeiten und Blumenzucht.

Am Brunnen auf den glatten Steinen

Er tanzte, er bewegte sich, er machte sein Bewegungen nach der Musik, die ihm in seine Ohren via Ohrsteckhörer schallte. Die Kabel seiner Ohrsteckhörer sahen aus, als wenn ihm eine weisse Flüssigkeit in seine Hosentaschen laufen würde. Er bewegte sich einmal hin, einmal her, wirkte nicht müde dabei. Sein Kopf war gesenkt, die Augen geöffnet, wie sein Mund. Mal schaute er doch nach oben, schnell links, schnell rechts um sich seiner Unauffälligkeit sicher zu sein. Leute liefen an ihm vorbei, sprangen mit ihren Beinen kurz in den abkühlenden Brunnen neben ihm, liessen ihre Hunde an den Ecken kacken,machten sich gedankenfrei an ihm vorbei. Er tanzte weiter. Auf einmal riss er seine Arme hoch, der Kopf blieb gesenkt. Er sang nicht mit. Danach drehte er sich um dreihundertsechzig Grad um gleich dadrauf sich an die Nippel zu fassen. Er tat es einfach, zwar über seinem T-Shirt, aber er tat es. Er quetschte sie, zog daran und schaute kurz auf. Seine Arme streckte er gen Boden aus, schüttelte diese und tanzte weiter. Er tanzte weiter und weiter vor den Einkaufspassagen, am Brunnen, bei den glatten Steinen. Seine Tasche lag neben ihm und schien halb gepackt.

Zwei Uhr nachmittags, Zeit für zwei Kaffee, die Sonne strahlt

Es ist warm, die Straßen sind leer, alles reflektiert grell. Um ein Uhr schon einen kleinen Gin Tonic getrunken, laufen sie allein die Promenaden entlang. Der Sommer verlangt von ihnen nicht anderes, als dass sie sich die Gegenden betrachten, Häuser mit Verzierungen photographieren, Vögel beim Picken von Brotkrumen zuschauen.
Eine Stunde später verlangt es ihnen nach etwas aufmunterndes, einem wahrlichen Koffeinschock. Sie halten Ausschau, während sie Bilder machten von den Häusern ohne Menschen davor und immer in Begleitung hungriger Vögel. Ihre Mission ist einen ordentlichen Koffeinschock zu bekommen. Leider findet man um diese Zeit nichts, was nur annähernd an ein Café mit gut servierten Kaffee aussieht. Es ist verzweifelnd für sie, denn sie werden von Schritt zu Schritt müder.
Doch endlich erspähen sie einen Bäcker und stürmen regelrecht diesen, doch es keine Bedienung da und es befindet sich auch kein Brot, nur zwei Brötchen und zwei Stück Kuchen in der Auslage. Von Kaffee ist ebenso weit und breit nichts zu erkennen. Andere Getränke genauso wenig.
Ihnen wird es unheimlich, sie setzen sich erst einmal in die gute Stube und warten, warten, dass irgendwer vorbeischaut, ihnen Kaffee serviert.
Nach vielen Stunden liegen sie dürstend vor der Auslage mit den zwei Brötchen und zwei Stück Kuchen und es liess sich noch immer keine Bedienung blicken. Sie können auch gar nicht mehr klare Gedanken fassen, denn ihr Verlangen nach Kaffee stört ihr Denkvermögen. Sie bleiben liegen vor der Auslage.
Nach zwei Tagen erscheint eine offizielle Person und erblickt diese Verdursteten vor der Auslage und macht sich gleich an die Arbeit ihre Personalien aufzunehmen. Diese Informationen schickt er gleich per schlauen Telefon in die Zentrale, in der es nach kräftig gebrühten Kaffee riecht. Dieser Offizielle öffnet sich gleich darauf seine Thermoskanne und gießt sich einen großen Schluck Kaffee ein.

zu warmer Analogkäse

Das kann doch gar nicht der Käse auf meinem Teller sein, dachte ich mir. Dieser Geruch, dieser schwere, scharfe Schweißgeruch, denn können doch nur Menschen absondern, aber kein Käse wie dieser auf meinem Teller. Analogkäse kann doch gar nicht riechen. Und ich hatte explizit Analogkäse bestellt. Vielleicht hatte es auch der Kellner verwechselt und hatte mir einen von diesen Schafsmilchkäsesorten gebracht, dachte ich da noch hinterher. Die Bedienungen in den U-Bahnen waren auch schon mal besser. Das hat man nun davon, wenn man nach langer Zeit mal wieder die U-Bahn nutzt und es ist ja auch weiss Gott keine allzu lange Strecke die ich da fuhr. Bin doch nur von Nürnberg nach München gefahren, da kann man sich doch mal was Kleines zum Essen bestellen und Analogkäse war die netteste Wahl meiner Seits. Aber dieser Schweißgeruch, der stieg mir bis hinter die Nase und kam mir an den Ohren und allen anderen Poren wieder heraus. Wie unangenehm es doch sein kann. Diese U-Bahn-Passagiere können das Schwitzen auch nicht mal für diese wahrlich kurze Strecke unterbinden. In jeder Spiegelung konnte man die Schweißflecken sehen und überall hin schwitzten diese Flecken, überall hin. So dachte ich mir, dass ich den Kellner mal um die Rechnung bitten sollte. Was ich dann auch tat. Der Kellner bestätigte mir dann noch, dass er wirklich Analogkäse serviert hat.
Am Dorfplatz stieg ich dann aus und an der Ein- und Ausgangstür der U-Bahn stand eine vernebelte Frau mit nordischen Wanderstock in der rechten Hand und schlenkert diesen mit voller Wucht in meine Beine, natürlich unabsichtlich. Sie bemerkte ihr Tat noch nicht einmal. Da versuchte ich mit meiner Verletzung so schnell wie möglich zu flüchten, bevor noch ein anderer auf die Idee hätte kommen können, mir mit seinem stinkenden Oberkörper näher zu treten und vielleicht noch seine mit alten Essenreststücken behaftete Spucke mir ins Gesicht zu spucken.

Am Sand, bei der Kiste, überall da waren sie und sind es noch immer

Der Automat zur Rücknahme der geliehenen Bücher ist die der aller schnellste, daher gibt es ja auch gleich drei nebeneinander. Nur wenn es viele Rückgeber gibt, dann sind alle drei ebenso langsam, als wenn es keinen Automaten geben würde. Brav stellt man sich dann in eine Reihe und wartet, dass ein Automat frei wird um dann auch seine Bücher zurückgeben zu können. Ich wartete und wartete, dabei schaute ich auf ein Automaten, der irgendwie danach ausschaute, am ehesten frei zu werden. Hinter mir wurde die Schlange Rückgebern immer länger. Dann wurde unerwartet ein anderer Automat, als der von mir ausgeschaut wurde frei. Und prompt stürzte eine alte, verkommene Schachtel auf den Automaten und bediente diesen. Sie gab ihre DVDs zurück. Ich sprach sie an, so unhöflich wie sie war, reagiert nicht einmal. Sie sah nicht einmal vom Automaten auf. So war ich dann doch gezwungen den von mir ausgeschauten Automaten zu bedienen. Der funktionierte auch tadellos. Wie sich diese alte Schachtel vom Automaten wegbewegte, bemerkte ich erst, dass sie noch nicht ganz so alt zu sein schein, wie ich Anfangs dachte.
Somit wollte ich mich nicht mehr damit befassen und darüber ärgern, diese Leute sind halt unerzogen, auch noch im hohen Alter nicht umerziehbar in Bezug auf Höflichkeiten.
Später befand ich mich dann an den Regalen in der Bibliothek und musste feststellen, dass sich die Schachtel immer allen Leuten irgendwie in den Weg stellen sollte. Leute die am Regal was suchen wollten, da war sie schon dazwischengesprungen und ließ diese suchenden Personen nicht ran. Personal, welches zurückgegebene Leihmaterialien einsortieren wollten, kamen ebenso nicht an die Regale. Diese Frau war immer zur Stelle und immer davor, im Weg, verstellte allen alles. Ich vermutete, dass sie auch immer Materialien lieh, um diese dann wieder gleich abzugeben. Sie war geltungsträchtig.
An den Rolltreppen zu und von den S-Bahnen war wieder eine geltungsträchtige Person, die alle Leute auf der Treppe ansprach, ob sie sich denn auch alle bewusst seien, dass diese Rolltreppen was ganz besonderes wären und sie die Energie bemerken, die sie versprühen. Dann konnte ich aber mehr nicht wahrnehmen, denn ich schritt ein wenig schneller auf dieser Treppe von dannen. Wollte diesem Herrn auch gar nicht weiter zuhören. Hatte selbst mit der Hitze, der unerträglichen Sommerlichkeit zu tun. Davon ging ich nun mal aus, dass diese Leuten einfach mal überhitzt wurden, zu Heiz liefen, zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen haben. Nicht jedem schmeckt diese Temperatursteigerung, nicht jeder kann damit umgehen, auch wenn es viele behaupten.
Soweit wünsche ich allen Erhitzten ein frohes Einschlafen und eine „kühle“ Nacht.

Die Schmelzvorrichtung befindet sich in der Kammer draußen

21.August
Ist das Stück groß genug?
Ehm, nein viel zu klein, können sie noch etwas dranschneiden?
Kann ich machen, aber ich kann ihnen genauso davon abraten.
Ach, vielleicht haben sie recht. Wobei, ein wenig mehr wäre schon gut.
Dann nehmen sie also noch was dazu. So die Hälfte vom Ganzen dazu?
Oh ja. Warten sie! Ich nehme die Hälfte von der Hälfte vom Ganzen dazu.
So viel?
Genau, dann habe ich beides, ihrem Rat irgendwie gefolgt und mehr bekommen.
Wenn sie meinen. Möchten sie denn dann noch etwas?
Mhm, ja ich nehme noch was davon. Aber bitte nicht so viel.
Wieso?
Das ist beim letzten Mal schlecht geworden. Da habe ich auch die Hälfte von der Hälfte…
Da haben sie mehr genommen?
…Na die Hälfte der Hälfte vom Ganzen mehr!
Das hätten sie nicht tun dürfen! Da nimmt man nicht mehr, das wird immer schlecht.
Jetzt weiss ich es ja auch.
Sonst noch etwas?
Genau zwei Schluck von dem großen Stück da, bitte!
Wird gemacht. Zwei Schluck! Jetzt ist es ein klein wenig mehr geworden.
Das macht nichts, so lange es kein weiterer Schluck ist.
Nein, nein, keines Wegs. Ist nur so ein ganz kleiner, weniger als die Hälfte geworden.
Ach, das geht schon. Zur Not kann ich es mit einer Messerspitze von dem Stück hier mischen, das wird dann ein richtiges Festmahl für mich. Vielen Dank! Bis nächste Woche, dass sie mir nicht die Ratschläge an Andere vergeuden.

20.August
Mit ein bisschen Brot und Spucke kann man so einiges am Haus reparieren, dachte sich der kleine Karl. So tat er es auch. Er spuckt was das zeug hielt in jede Ecke, an jede Wand, überall hin, dass auch wirklich alles mit seiner Spucke bedeckt wurde.
Danach klaute er Brote beim Bäcker und zerkrümelte diese auf seiner Spucke.
Einige Tage später fing es an zu riechen und der kleine Karl verliess das Haus für immer.

19.August
Am schwarzen Brett ist ein kleiner Löffel angepriesen. Es hängt der Zettel schon ein gute Weile da am Brett, das ist deutlich erkennbar an seiner vergilbten Farbe. Scheinbar will keiner diesen kleinen Löffel, selbst dafür, dass er verschenkt werden soll. Aber vielleicht hat nur noch keiner den Zettel entfernt und der Löffel ist schon seit langer Zeit verschenkt.
Der gute Herr Dick denkt sich aber, man kann trotzdem mal anfragen, denn verlieren kann man dabei ja nichts. Er notiert sich gleich die Adresse und die sonstigen Daten vom Zettel und macht sich gemächlich auf den Weg zu den Löffelverschenker. Das Verschenken an sich ist schon sehr aus der Mode gekommen und vielleicht können die Leute einfach keine Geschenke mehr annehmen, denkt sich auf dem Weg zum Löffel der Herr Dick.
Beim Löffelverschenker angekommen, klingelt Herr Dick dezent zweimal, um nicht die Aufmerksamkeit der Nachbarn auf sich zu ziehen. Der Löffelverschenker öffnet die Tür und wirkt sehr verwundert.
„Haben sie den Löffel noch? Oder doch schon abgegeben?“
„Welchen Löffel?“
„Den Löffel vom schwarzen Brett!“
„Oh ja, das habe ich ja glatt vergessen. Den Löffel habe ich noch nicht verschenkt. Da kam ewig keiner und so habe ich ihn voll vergessen.“
„Kann ich den dann haben?“
„Wie viel wollen sie denn zahlen?“
„Wie? Den Löffel haben sie doch als Geschenk angepriesen.“
„Ja, das ist doch schon sehr lang her. Mittlerweile kostet der Geld.“
„Wenn das so ist, dann nehme ich den Löffel nicht.“
„Jetzt machen sie mich aber traurig. Endlich kommt mal einer und dann will er den guten Löffel doch nicht.“
„Ja, aber als Geschenk, aber nicht gegen Bezahlung.“
„Sie müssen den jetzt aber schon nehmen!“
„Nein, das mache ich nicht. Guten Tag!“
Herr Dick dreht sich von der Tür des vermeintlichen Löffelverschenkers und will sich auf den Weg nach Hause machen, in dem Moment springt der Löffelverschenker aus der Tür auf Herrn Dick und kitzelt ihn, dass Herr Dick ewig lang lachen muss.
„Jetzt müssen sie den Löffel definitiv nehmen, denn nicht jeder wird von mir gekitzelt.“
Herr Dick reicht dem Löffelverschenker sein Portmonee und der nimmt sich reichlich, genau eins achtundzwanzig. Der Löffelverschenker wirft dem Herrn dick noch den Löffel auf den Boden und knallt hörbar laut die Tür, dass alle Nachbarn ihr Türen öffnen.
„Sind sie der Herr, der den Löffel haben wollte?“
„Ja, aber geschenkt wollte ich den Löffel.“
„Nun haben sie ihn aber bezahlt. Jetzt müssen sie auch sehr vorsichtig sein. Sie dürfen den Löffel nicht kaputt machen!“
„Er ist aber bezahlt, ich wollte ein Geschenk, ein Löffelgeschenk!“
„Jetzt seien sie aber zufrieden! Ansonsten rufen wir die Polizei oder sogar die Wehrmacht.“
„Jawohl, ich nehme den Löffel und halte ihn in Ehren.“
„Das wollen wir gemeint haben und jetzt verschwinden sie.“
Mit diesen Worten knallen alle Nachbarn ihr Türen, dass die Wände wackeln.
Herr Dick nimmt den Löffel, der schon sehr angerostet und eigentlich nicht mehr als solcher zu gebrauchen ist. Herrn Dick tränen die Augen. Gern würde er den Löffel in irgend einen Müll werfen, doch die Angst hindert ihn daran. Seine Tränen tränen weiter.

18.August
Dreizehn Steine lagen am Wegesrand. Es könnten aber auch zwölf gewesen sein. So recht konnte sich kurze Zeit später keiner mehr erinnern, denn diese Zahl war für alle Beteiligten eine viel zu Hohe, die nicht mehr zählbar war für sie. Zehn war eine Zahl die so einige noch mitnehmen konnten, aber mehr ging bei denen dann aber auch nicht.
Wie dann so der Wind kam waren dies Steine am Wegesrand verschwunden, alle samt. Erst wunderte sich keiner darüber, kurz dadrauf waren alle irritiert, denn es fehlte doch was am Wegesrand. Die Steine waren verschwunden. Alle machten sich daraufhin au dem Weg sie zu suchen. Einige fragten die Felsen in der Ferne, andere fragten das Geröll neben den Restaurants auf den Wegen, wiederum andere fragten den Schutt der Haufen bei den Nobelhotels. Keiner wusste was von diesen Steinen. Niemanden sind dies aufgefallen, vielen war nicht klar von vielen Steine die Rede war.
Nun kamen doch einige auf die Idee den Wind zu fragen. Der Wind zögerte erst mit der Antwort, gab dann aber die richtige Preis.
Alle waren daraufhin überglücklich die Antwort erfahren zu haben.

17.August
Den Sommer will die A. unbedingt nutzen und stellt ihr Zelt bei argen Schneetreiben neben all den vielen anderen Zelten auf dem Zeltplatz bei einem See inmitten Bayerns auf. Mit kurzer Hose stapft sie durch den Meter hohen Schnee zu den Waschräumen, wäscht sich von der hohen Anstrengung ein Zelt für zwei Personen aufgestellt zu haben den Schweiss vom Leib, putzt sich die Zähne und kleidet sich für einen ordentlichen Grillabend entsprechend ein. Das Treiben der Flocken hat nachgelassen. Die Abendlaternen der vielen Zeltplatzbewohnern leuchten dreist gen dem sich zeitlich nähernden Sternenhimmel. Es herrscht ein reges Stimmengewirr unter den Leuten. Der Wind pfeift hinzu, die Temperatur steigt.
A. und ihre Freundin S. (einer ihrer zuverlässigsten und längsten Wegbereiterin, die sie aus uralten Tagen von ihren großen Ausflügen in die Münchener Nachtwelt her kennt; um genau zu sein währt ihre Freundschaft schon geschlagene 3 Wochen) platzieren sich mit einem Einweggrill genau vor ihrem Zelt, heizen diesen langsam aber beständig an und legen viele nette tiefgefrorenen Speisen, wie zum Beispiel Erdbeeren, eine kleine Pizza und als Beilage Blätterteigstücke auf diesen. Zu den Grillspeisen trinken sie beide einen guten Schluck einer billigen Sorte vom schlechtesten Whisky den sie hätten auf dem Weg zum See im Schnee bekommen können.
Während sie ihre so gut durchgegrillten Speisen verspeisen fliegen allmählich die gemeinen Schneestechmücken vom See her ihnen entgegen, um sie und die anderen Zeltplatzgäste dann auch bald, in den nächtlichen Stunden zu stechen. Noch blenden die Laternen und aufgestellten Einweggrills diesen Stechtieren, dass sie sich schützend hinter den um den Zeltplatz umliegenden Büsche verstecken. A. und S. trinken noch weiter Schlücke ihres Whiskys und legen sich auch alsbald Schlafen, denn die Temperatur steigt mehr und mehr und die schöne weisse Landschaft wird mit der erhöhten Temperatur folglich schmutziger, so dass deren Anblick den beiden nicht mehr gefallen kann. Hinzu erlöschen auch pö a pö die Laternen, dass auch nicht mehr viel ersichtlich wird. Sie freuen sich schon auf den Neuschnee am Folgetag und den zugefrorenen See, dass sie sich dann so richtig erholen, im Schneetreiben sonnenbaden, mit einem Mietruderboot auf dem See überallhin rudern können.
Den Einweggrill lassen sie langsam ausgehen, ihrer Zeltlaterne erlischt von allein und ihre Zeltvorrichtung ist vor jeglicher Art Mücke schützend, so dass sie einen ruhigen Schlaf haben können, ohne dass sie zerstochen werden.

 

 

Sofort und doch ganz langsam

Die Augen fliegen bis über alle Augen. Die Ohren ziehen sich lang ihrer eigenen. Und immer dabei den Mund weit aufhaben, dass man sich auch wirklich die Salven nicht zu Gemüte führen will. Genau so liegen die grünen Nadeln mitten auf dieser Stelle, die für sie bestimmt ist. Es ist eine Stelle die nicht fern aber auch nicht nah bei mir liegt. Ich versuche es immer wieder mich da raus zu halten, leider klappt es nie so recht. Immer wieder trete ich auf diese Stelle, genau auf diese Stelle. Hin und wieder auch daneben, dann ist es auch nicht allzu schlimm. Wenn es dann aber doch passiert, dann so richtig und sehr oft hinzu. Dies grünen Nadeln sind keine von Bäumen gefallene, kein Laub, kein festes.
Es sind diese aus Metall, grün lackiert, aber für diese eine Stelle bestimmte Nadeln, die man so nirgends wirklich finden kann. Viele sind es ja auch noch. Aber was soll ich ewig die Nadeln beschreiben. Sie bohren sich dann einfach ins Fleisch, schmerzen, lassen die Haut bluten und haben da auch kein schlechtes Gewissen.
Morgen kauf ich mir Pflaster, vielleicht auch mal festes Schuhwerk. Dann geht es auch vielleicht schmerzfreier zu mit dieser Stelle.

 

 

Der Geruch, am Rand, beim Stein

Da stehen wir, an dieser Stelle, wo auch mal andere standen und ebenso irgendwann, in naher Zukunft stehen werden und warteten. Wir warteten auf den neuen Lieblingsfilm, unseren Lieblingsfilm. Wir haben so viele davon und dieser wird auch einer sein, ein toller Lieblingsfilm, der Lieblingsfilm für diesen Abend. Einige rauchen, andere trinken, keiner isst. Der Urinstein, der irgendwo in der Ecke, in einer nahe liegenden Rinne riecht. Die ganze Ecke riecht nach Urinstein. Der Rauch der Zigaretten macht es erträglich, lässt es vergessen, gibt einem den Schein von Wohlfühlgeruch. Leute laufen leuchtend auf und ab, an uns vorbei, in die Räume, aus den Stätten, über die Kanten. Eine Gestalt bleibt stehen, wir schauen durch den Qualm der Kippen, böse drein, Kühl ihm ins Gesicht. Er erwidert kühler, verkrochen aus seiner Kapuze aber desinteressiert, zieht weiter in andere Räume, die fern in der Dunkelheit liegen mögen. Wir drehen uns zu uns und schauen gen Boden, lassen fertig gebrannte Kippen fallen und schlugen weiter unsere Getränke.
Ein Rempler später schauen wir diese Leute nicht an, wir wollen keine Gespenster in unseren Kreis, keine die nicht unseren Lieblingsfilm teilen wollen. Sie rempeln dann auch nicht weiter, wenn Keiner erwidernd rempelt. Sie schieben sich weiter die Wege entlang und hoffen auf andere Rempeleien, Rangeleien, Ringereien.
Das Geräusches erhellt und wir Schlagen auf, auf zum Lieblingsfilm des Abends, weg von diesen leuchtenden Gestalten, fern in die Räume, die unseren Abend für wenige Momente versüssen werden. Die Kippen bleiben liegen, unausgetreten, bis die Personen kommen, die diesen Müll der Welt von diesem Abend beseitigen, die die Schrecken der Leute wegtragen, die die Scheisse des Einzelnen entsorgen, die all das auch nur für ihren Lieblingsfilm eines Abends tun, für den einen Lieblingsfilm am Abend bis zum nächsten.

Zwei schwarze Löcher neben diesem grellen Licht

Wenn es so heiß ist, also Sommer sein muss, dann laufen ja diese Menschen gern in kurzen Klamotten, mit wenig Stoff am Leib, oft gar ohne jeglichem Kleidungsstück umher, zu Ungunsten vieler anderer Augenweiten. Das mag diesen überhitzen Gemütern ja angenehm scheinen und hinzu werden ihre Häute auch noch bräunlicher oder bekommen im Geringsten überhaupt eine Farbe, die meist dann doch eher dem rötlichen entspricht.
Somit schlagen wir uns mit diesen kleidungslosen Sommeremporkömmlinge jedes Jahr auf ein Neues durch und können immer nur wieder versuchen diese Geschöpfe zu ignorieren oder mit Absicht nicht anzuschauen, obwohl wir sie doch immer anschauen müssen, weil wir alle irgendwie ja nicht anders können und die es ja auch hinzu hervor provozieren. Somit sehen wir viel nackte Haut, die wir gern nicht sehen wollen, wenn wir es warm haben und es ja somit doch nicht möchten. Wärme ist ja auch nicht gleich Hitze. Bei Hitze wird das alles noch mal so schlimm. Da sind ja sogar die Leute unbekleidet, die sonst immer bekleidet durch das Leben schreiten. An solchen Tagen gilt doch eins, sich ein kühles Plätzchen suchen, irgendwo zu Hause oder an einem unbevölkerten Fleckchen Erde. Wenn man aber lieber sich unter die Leute mischen möchte, ob sich vielleicht irgendwo eine Abkühlung zu holen oder sich gar ein Eis zu können, dann hat man leider das Problem der Sommeremporkömmlinge. Den einzigen Lichtblick kann es bei einem hitzigen Tag zu etwas späteren Stunde, gegen Nachmittag auf dem Wege der Erfrischung zu sein, denn da selbst schaffen es auch die härtesten Entkleideten nicht mehr über Feld und Wiese zu springen. Genau dann sind Strassen, Wege, Ecken wie leergefegt.
So denn, besorgen wir uns mal ein Eis.

 

 

Der Teller ist noch nicht leer – der Wochenendsalat muss weg

Mitten auf dieser Einkaufstasse, die allen anderen Einkaufsstrassen in den vielen Kleinstädten oder auch Großstädten Deutschlands so zum verwechseln ähnlich ist, waren diverse Restaurants, Tagesbars, Imbissbuden mit Sitzgelegenheiten, Essstuben sommerlich geöffnet, indem sie einfach Stühle, Tische, Mobiliar mit Sonnenschirmen versahen, saß dieser kleine Junge mit seinen schon in die Jahre gekommenen Großeltern an einem dieser sommerlich eingerichteten Tische, um da ein gutes, aber auch teures Mittagessen zu verspeisen.
Die Leute, Einkäufer, Schaufensterbetrachter, Umtauscher liefen in alle Richtungen, um sie her tänzelnd, mal hektisch, mal langsam, mal zufrieden, mal mit hoher Gesichtsröte
um ihren Tisch und die der anderen Gäste dieser Gaststube und deren Außenbereich.
Dieser Junge wollte ja unbedingt Frittiertes, am besten Kartoffeln in Streifen. Die Großeltern wollte eher für ihn das Gleiche wie sie für sich selbst ausgesucht haben.
Er war bockig. Er wollte nicht auch Eisbein mit gekochten Kartoffeln. Kartoffeln frittiert war für ihn viel leckerer. Daraufhin bestellten die Großelter sich jeweils ein Einsbein mit gekochten Kartoffeln, jeweils ein großes Glas Bier vom Fass und ihm ein kleines Glas Wasser von der Leitung sowie ein gemischten Salat. Es wurde also nicht warmes zu Essen für ihn. Somit schaute er traurig diesen vielen Leute am Hin- und Herlaufen zu.
Einige beachteten ihn, die wenigsten aber. Selbst die ihn beachteten hatten kein Bedarf sich noch neben den anderen vielen Leuten um sie drumherum mit so einem kleinen Jungen wirklich auseinander zu setzen. Daher hatte er gar kein Verbündeten und musste sich selber durchschlagen, sich gegen seine Großeltern auflehnen, rebellieren.
Wie dann das Eisbein mit gekochten Kartoffeln kam, wurde ihm auch gleich der Salat serviert. Die Getränke kamen wenige Sekunden später. An sich mussten sie nicht wirklich warten auf ihre Bestellung.
Die Großeltern legten gleich so richtig los und aßen was das Zeug hielt. Der Junge schaute weiterhin überall hin, nur rührte er seinen Salat nicht an. Die Großeltern ignorierten es erst, doch nachdem sie beide schon fast fertig waren und ihre Teller fast leer geräumt haben bemerkten sie, dass ihr Enkel rebellierte.
Ihm war es auch in dem Moment egal, dass sie es dann doch bemerkten. Ohne ein Wort zu verlieren nahm die Großeltern das Besteck, hielten ihn richtig fest, dass er nicht hätte fliehen können und schoben ihm die Salatblätter unter den Augen dieser ganzen Leute mit aller Gewalt ihm in den Rachen. Nach nur 2 Minuten hatte der Junge den Salat im Magen und verdaute. Da kippten sie ihm noch das Wasser hinterher und setzten sich um auch ihr Mal zu beenden. Nach dieser Aktion schaute der Junge weiterhin um sich, die Leute an, nur mit tränenbehafteten Äuglein.

Einsam auf der Strasse

Da lag dieses schwarze Buch. Auf der Strasse lag es einfach. Alle Vorbeilaufende schauten dahin. Alle waren interessiert. Keiner wollte es anfassen, dieses schwarze Buch, welches einfach so auf der Strasse lag. Es war ja nicht so, dass da ständig Autos darüber fuhren und sich daher keiner traute mal schnell hinzuspringen und es zu schnappen. Selbst Pferdekutschen war weit und breit nicht zu sehen und auch nicht mal annähernd dadrüber gerollt. Es lag da einfach genau da, wo an sich nur Fussgänger entlang bewegten. Jeder hätte da mal so hinan greifen können und es mitnehmen. Aber dies tat keiner. Dieses kleine schwarze Buch lag. Jeder, aber auch wirklich jeder hätte es mitnehmen können, drinnen rumblättern, sich dinge rausschreiben oder gar in dieses Buch reinschreiben. Alle waren interessiert, nur keiner wagte es, sich diesem kleinem schwarzen Buch überhaupt zu nähern.
Doch in einem Moment trat dem Buch eine Möwe entgegen und schaute links, schaute rechts, sprang direkt drauf und schaute wieder links, schaute rechts, pickte neben dem Buch auf der Strasse etwas. Wie es so daher kam flog dieses Tier wieder von dannen.
So war dieses kleine schwarze Buch bis in die später Abendstunden auf der Strasse und blieb bis die dunkle Nacht einbrach, dass man es auch nicht mehr sehen konnte, denn die Nacht war so pechschwarz wie auch dieses kleine Buch. Von da an war es auch nicht mehr gesehen. Die dunkle Nacht wird es wohl da verloren haben und es beim Einbruch seiner wieder eingesteckt haben.

die eine Situation

Da kam mir plötzlich diese Übelkeit, vermutlich hervorgerufen von dieser Banane, dieser wirklich überreifen Banane, deren Ummantelung schon so schwarz war, dass man hätte denken können, es wäre ein schwarzes Loch in Krumm. Und dann das Innere, das Fleisch, dieses Fruchtfleisch, es roch ja schon nach Übelkeit, Vergorenem. Zu meinem Bedauern musste ich sie aber essen, denn meine Eingeweihten verlangten Essen und das war halt das erst beste, was ich so schnell greifen konnte und alles andere war Meter weit weg, entfernt in der Entfernung, dass ich mir definitiv nicht die Zeit nehmen konnte, dahin zu eilen um richtiges Essen zu bekommen.
Also aß ich diese Banane. Beim schlugen kamen mir auch ein paar Mal Würgegefühle hoch. Da stand ich schon kurz vorm erbrechen. Wie die Banane nun weggegessen war, versuchte ich mir schnell noch ein Glas Leitungswasser hinterher zu giessen. Das Wasser aus dem nahe liegenden Hahn war braun und sah eher ungeniessbar aus. Ich füllte trotzdem ein Glas damit, es roch auch ein wenig und kippte es mir in die Speiseröhre, auf dass ich so schnell wie nur möglich den Geschmack dieser überreifen Banane los werde. Dabei entstand ein Gemisch aus braunem Leitungswasser und einer übergelben Banane. Beides zusammen gaben mir gleich darauf ein Wohlgefühl, kein ekligen Geschmack im Mund mehr, keine Erbrechreize. Alles wirkte gut.
Nach guten zwei Stunden überkam mich dann diese Übelkeit. Das Gemisch schien sich zu einem Gebräu aufgetan zu haben. Es rumorte, drückte, blubberte.
Da stand ich nun mit meiner Übelkeit und keiner um mich konnte meine Probleme verstehen. Alle hörten diese Geräusche aus meinem Magen. Mir fiel es einfach schwer den anderen zu erklären, was die Banane und das Leitungswasser so in mir tat.
Sie alle schauten nur kurz und gingen weiter. Ihnen war ich unheimlich.
Nach nur wenigen Minuten geschah es, mir ging es danach auch gleich wieder besser und ich lief weiter, vergass die Banane, das Wasser., schlief gemütlich in meinem frisch bezogenem Bett.

Ein Stück davon, bitte!

Sie lief kaum vorbei, da erblickte sie es, dieses lecker drapierte Stück an Kuchen, welches auch noch so wundersam lächelte. Es schrie sie förmlich an, in einem so überzeugend liebevollen Ton, dass sie einfach nicht hat Wiederstehen können. Somit sprang sie in die Konditorei, stellte sich brav an die Schlange von einigen Kunden an und freute sich so freudig auf dieses Stück, dass sie sich wirklich im Kopf ausmalte, wie genussvoll sie in das Stück hineinbeissen und schmackhaft dieses sein wird.
Nach nur wenigen Minuten, es waren so um die 17, war sie dann endlich an der Reihe, ihre Bestellung aufzugeben. Dadurch, dass sie warten musste, träumte sie die ganze Wartezeit, davon wie sie sich mit diesem einen Stück Kuchen begnügen wird und vergass glatt bei ihrer Bestellungsaufgabe genau dieses Stück Kuchen auszuwählen.
Sie nahm ein Stück vom hellen, ein Stück vom kleinen, ein Stück vom fruchtigen, ein Stück vom sahnigen Kuchen, aber dieses lächelnde Stück hat sie voll und ganz, in ihrer aus dem Traum herausgerissenen Situation vergessen mit zu bestellen.
Wie sie dann so bezahlte bemerkte sie aber noch rechtzeitig, dass ihr das wichtigste fehlt und fragte nach dem Stück, ob sie dieses lächelnde Stück ebenso haben kann. Der Verkäufer wunderte sich, schaute fragend in die runde der Kunden und packte ihr das lächelnde Stück doch kommentarlos ein. Somit bezahlte sie und verliess den Laden mit diversen Stück Kuchen, aber auch mit dem einen, welches ihr bestimmt war.
Als nächste suchte sie sich sofort eine Sitzgelegenheit und fand eine kleine, leere Parkbank an einem Brunnen, der Wasser spie.
Sie packte es so richtig nervös aus und legte es erst einmal auf ein Zellstofftaschentuch, welches sie zuvor auf ihrem Schoss glatt strich. Sie betrachtete sich das Stück, welches noch immer herzerwärmend lächelte. Mit einem unerwarteten Anfall schnappte sie sich das Stück mit ihrer linken Hand, bewegte es regelrecht ruckartig und mit sehr hohem Tempo zu Mund und schob es sich mit der zusätzlichen Hilfe der rechten Hand in ihr Mund und schluckte das lächelnde Stück Kuchen mit einem Zug.
Das Stück lag in ihrem Magen, sie wischte sich die Hände mit dem Zellstofftaschentuch ein wenig sauber und machte sich weiter auf ihren Weg.
Wohl lächelte dieses Stück Kuchen weiter in ihrem Magen vor sich hin, keiner konnte es je wieder betrachten, nur allein ihr Magen hatte das Privileg dieses Stück für sich zu umschliessen, dieses Stück an Freundlichkeit für eine kleine Zeit noch zu erleben.

Ein Hauch an Sprungeskraft

Zwei Spitzen auf die Zehe drückend könnte schmerzhaft sein, wenn sie nicht abgerundet wären, wie die von den beiden Kreidestiften. Somit schmerzt es den körperlosen Füßen nicht im Geringsten. An sich können die ja auch kein Schmerz spüren, ihnen fehlt es dabei an Köpfchen. Aber auch ohne können sie sich recht gut durchschlagen und haben neben Schmerzunempfinden keine sonstigen Schwierigkeiten. Manchmal fehlt es ihnen doch an Orientierung, Kommunikationsmitteln, beruhigendem Schlaf, aber davon lassen sie sich nicht beeindrucken, sie gehen und gehen, ohne mit einer Wimper, die sie ja so oder so nicht haben, zu zucken. Von A nach B nach C und irgendwie wieder zurück, wenn sie den Weg unter mysteriösen Umständen dann doch mal wieder finden konnten.
Sie bewegen sich andauernd, sie laufen, treten auf schmerzende, weniger schmerzende bis hin auf gar nicht schmerzende Dinge, sie schlürfen, rutschen, schlittern, stampfen was das Zeug hält. Nichts kann sie aufhalten. Diese Füsse sind einfach nicht unter Kontrolle zu bringen. Ihr Fortschreiten wird von vielen Kopfinnehabende misstrauisch beäugt.
Diese Füsse machen sich darüber aber nicht im Geringsten Gedanken. Ihnen fehlt es ja am Gedankengang, wegen ihres kopflosen Daseins.

Der Saft im Kopf

Es platschte einfach unaufhörlich auf sein Gehirn, dieser Regen aus alkoholfreiem Wein, diesem ungeniessbaren Traubensaft. Für ihn fühlte es sich so an, als wäre sein Schädel nach oben gespalten, geöffnet, dass all sein Kopfinhalt frei liegen müsste, dass er alles was von oben kommt sich mit seinem Kopfinneren vermengen könnte, wie mit dem Traubensaft.
Ihm gefiel es aber nicht, dieses Vermengen von Gehirnmasse mit Traubensaft. Denn das Gefühl für ihn war kein wirkliches, es war wirklich. Sein Gehirn lag frei und all der von oben nach unten plätschernde Saft konnte sich so mir nichts dir nicht in seinem Kopf breit machen.
Nach einer Weile war sein Gehirn so saftig, dass er nicht mehr unterscheiden konnte, ob es vielleicht gut wäre mit einem Strohhalm seinen Schädel zum Stillen seines Durstes auszusaugen oder doch lieber alles in eine Schüssel mit einer leichten Kopfbewegung nach unten zu kippen, um diese dann auszulöffeln.
Die Entscheidung fiel ihm schwer und wurde mit dem weiteren Plätschern des Saftes schwerer.